Palma folgte Anfangs dem Style des Bellini, später aber der neuern

Palma folgte Anfangs dem Style des Bellini, später aber der neuern, freieren Richtung der Malerei . Er ahmte besonders den Giorgione mit Glück nach, und schon in seinen früheren Werken, in der eigenthümlichen Strenge seiner Köpfe, hat er etwas, was an diesen Meister erinnert, wenn gleich er freilich dessen glühende Kraft weder in dieser, noch in späterer Zeit erreicht, wie Klinger

Palma, Giacopo. 2 485

bemerkt, Gesch. d. M. 1, 304j. Als Werk der früheren Zeit nennt der erwähnte Schriftsteller einen St. Petrus von Heiligen umgeben, in der Akademie zu Venedig , und ein anziehendes Bild der Him- melfahrt Marien’s, die etwa der Übergangsperiode angehört, wie das schöne Gemälde mit Maria und Heiligen im k. Museum zu Berlin . Diese Werke charakterisiren den Uebergang aus der frü- heren in die spätere Weise der venetianischen Schule. Jetzt ge- hört Palma zu denen, welche sich in der Auffassung an Giorgione, in der Färbung der früheren Zeit des Titian anschlossen, und man nennt ihn öfter den liebenswürdigsten Meister der venetiani- schen Schule. Schon Ridolfi sagt, Palma habe von Titian eine gewisse Süßigkeit angenommen, die den ersten Werken jenes großen Meisters eigen war, und als Beleg nennt er vor allen das Abendmahl in S. Maria Mater Domini und U. L. F. in S. Stefano zu Vicenza , nach Ridolfi und Lanzi beide mit unübertrefflicher Zärtlichkeit gemalt, und letzteres eines der besten Werke des Mei- sters. Berühmt ist auch die heil. Barbara in S. Maria Formosa, welche Lanzi als das tüchtigste und großartigste Werk des Künst- lers erklärt, welches er ganz im Stile Guercino’s behandelte, Zanetti nennt dann eine dritte Gattung von Werken Palma’s, in wel- chen er ein größeres Talent in kräftiger Eigenart entwickelt, wie in der Erscheinung U. H. auf der Insel St. Helena, worin man nach Lanzi einen Naturalisten erkennt, der wohl wählt, mit Bedacht und Fleiß bekleidet und nach guten Regeln zusam- menstellt. Besonders schön sind seine Frauen- und Knabenköpfe. Er nahm sehr gerne seine Tochter Violanta zum Vorbilde, und malte auch ihr eigenes Bildnis. Ein solches war zu Lanzi’s Zeit im Besitze eines Florenzer Edeln, Namens Serra. Auch P. Bor- done hat die schöne Violanta gemalt (jetzt in München), und be- sonders Titian. Palma malte aber auch viele andere Bildnisse, de- ren eines Vasari als erstaunenswerth lobt. Dann finden sich auch viele Madonnen, meistens mit Heiligen auf Leinwand und oblong, aber nicht alle sind echt. Lanzi bemerkt, dass die gewöhnlichen Kenner gleich Palma nennen, sobald sie ein Bild sehen, das zwi- schen Gian Bellini’s Trockenheit und Titian’s Saftigkeit die Mitte hält, besonders wenn sie wohl gegründete und gut colorierte Ge- sichter, eine fleißig behandelte Landschaft, Rosenfarbe in den Händen mehr als Blutfarbe sehen.

So sind Palma und Lotto in Aller Munde, und viele andere wer- den nur dann erwähnt, wenn sie ihren Namen unter die Gemälde gesetzt haben. Palma’s Bilder sind mit ausserordentlichem Fleisse vollendet, so dass man zuweilen keinen Pinselstrich gewahrt. Er soll lange über jedem Bilde gearbeitet und immer wieder und wieder es übergangen haben. Er hat einen eigenen warm gelblichen Fleisch- ton. Seine ersteren Werke sind einfach, anmuthig, noch im älteren Style; jene der mittleren Zeit haben zwar ebenfalls noch Anklänge an den Typus der älteren Schule, die Köpfe sind aber voll lebendigen, individuellen Charakters, weich modellirt und mit Meisterschaft ge- malt. Noch größere Freiheit und Wahrheit erreichte er in der späte- ren Zeit seines Lebens, behielt aber stets seinen eigenthümlichen, hellgelblichen Localton, welcher seine Bilder so reizend macht.

In Italien sind noch mehrere Bilder von Palma vecchio, be- sonders zu Venedig, deren wir oben einige genannt haben.

Im Palazzo Pitti zu Florenz ist ein treffliches Bild der Jünger in Emaus, und die Flucht in Aegypten.

Auch in Deutschland sind viele schöne Bilder von Palma, besonders in den Gallerien zu Wien, Dresden und München,

Palma, Giacopo.

Die Gallerie des Belvedere in Wien erhielt durch die Brüsseler Gallerie einen Zuwachs von 13 Bildern. Auch die Lichtenstein- sche Sammlung bewahrt drei schöne Bilder von Palma.

Das Belvedere bewahrt sehr vorzügliche Bilder aus der späteren Zeit des Meisters: der englische Gruss; die heil. Familie in einer Landschaft; Maria mit dem Kinde von Heiligen umgeben, vor- züglich schön componirt; die Erweckung des Lazarus; der heil. Hieronymus; die heil. Catharina; hadende Nymphen; die Dame mit dem Papagei etc. Lisebetius, Troyen, Boel, Eynhoedt, Po- pels, Brenner etc. haben diese Bilder gestochen. Neuere Stiche sind im Galleriewerke von Haas. S. Perger.

Im k. Museum zu Berlin ist ein anmuthiges Bild der Madonna mit dem Kinde aus der ersten Zeit des Künstlers, Mehr entwickelt, dach immer noch den alten Typus der Schule bewahrend, ist das Gemälde mit Heiligen zur Seite, und der späteren Richtung des Künstlers gehört eine heil. Familie an.

In der k. Gallerie zu Dresden sind ebenfalls mehrere vorzügliche Werke von Palma’s Hand: Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse, dabei Johannes und Catharina, halbe Figuren, früher dem Varo- tari zugeschrieben; eine heil. Familie mit der sitzenden heil. Ca- tharina, einer ungemein zarten Figur von zauberischer Schönheit und Seelenruhe, früher für Titian gehalten; drei jugendliche Fi- guren, die sich wie Grazien zusammenhalten, die Töchter des Meisters, im Vorgrunde Landschaft; Venus auf dem Ruhebette, lebensgrosse Figur; ein Mann hält eine Frau umarmt, in Giorgio- ne’s Weise.

In der an ausgesuchten Malwerken reichen Pinakothek in Mün- chen ist ein lebensvoller heil. Hieronymus mit dem Buche, ganze lebensgrosse Figur, ehedem für Rafael gehalten. Ein Gemälde mit der heil. Verwandtschaft enthält grösstentheils Familienbildnisse, und ein drittes Bild, die Geisselung Christi, in kleinen Figuren, ist auf Marmor gemalt.

In der k. Eremitage zu St. Petersburg sind zwei schöne Gemälde, aus der späteren Zeit des Meisters: eine Aubetung der Hirten, frü- her in Vrilliere’s, dann in Walpole’s Sammlung; eine heil. Fa- milie, welche Walpole zu Hougton-Hall von einem Herrn Flink erwarb.

Im Museo del Prado zu Madrid sieht man: die Bekehrung des Saulus, David und Saul und die lobsingenden Jungfrauen.

Auch in England findet man trefliche Werke von Palma.

In der Bridgewater-Gallerie ist das Bildniss eines Dogen auf rothem Sessel, Kniestück, aus der Gallerie Orlecans. Der Kopf ist sehr lebendig und fein aufgefasst. Der Herzog von Bridgewater kaufte auch eine heil. Familie aus der Gallerie Orleans.

Sir Thomas Baring hat ein Gemälde mit der heil. Jungfrau in einer Landschaft, dabei Joseph, Magdalena, und Catharina, ein schönes, in einem besonders warmen, Goldton gemaltes Werk aus der mittleren Zeit des Meisters. Dr. Waagen II 246.

In der Bildersammlung zu Corshamhouse sieht man eine Ma- donna mit dem Kinde und andern Heiligen in einer Landschaft, nach Waagen II. 309 ein gutes Bild aus der mittleren Zeit, von dem milden, ruhig andächtigen Gefühl der Köpfe, dem gelblich- warmen Tone, wodurch Palma’s Bilder so anziehend sind.

In der Gallerie „at Alton Tower“ sind zwei geistreiche Bilder: die Geburt und der Tod des Adonis, dort Giorgione genannt, aber nach Waagen von Palma, weil dieser gelbliche Ton und die etwas

„„.‚Jeeren Formen dem Giorgione nicht eigen sind.

Im Fitzwilliam-Museum zu London ist Venus und Amor aus der Gallerie Orleans – ein poetisches Bild, bei welchem ihm zu dem

„. luder etwas a gegnfl'enen Kopf der Venus dasselbe Modell gedient

wie bei der mittleren der drei Frauen auf dem bekannten Bilde der Dresdner Gallerie, – Das Fleisch ist in dem ‚thümlichen‘ hellgelblichen Lociltdn g*ehdtu.

Im k. Museum des Louvres ist ein der unentbehrlichsten und vor- züglichsten Werke des Meisters: ein junger Hirt in Anbetung des „Cheistuskindes auf dem Schoß der Maria, dabei Joseph und

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„ die kniende Stifterin des Bildes, in der Ferne die „Verkündigung

der Hirten. Dieses Bild kam aus Venedig nach Paris. Dann ist

„da auch eine schöne Landschaft mit einer nackten Frau, die neben zwei, in dem Zeitcostum gekleideten Männern sitzt, von denen

einer die Laute spielt. Dieses Bild gilt in Paris als Giorgione, – Dr. Waagen 11L S. 461 erklärt es aber als Palma, da das Gemälde

„ die ganze Eigenthümlichkeit des letzteren verräth. Auch das Bild- miss Bayard’s „„welches im Louvre dem Palma zugeordnet wurde, findet Waagen apokryph.

Mehrere seiner Werke sind auch durch Kupferstich oder Litho- graphie bekannt, deren wir etliche erwähnen, ausser jenen, wel-

„ che für die Brüsseler Gallerie gestochen wurden. S. die Bilder in

Wien,

Baron, das Bildnis des Künstlers.

Bartsch, St. Hieronymus, St. Catharina, zwei Bilder der Wiener Gallerie.

Bouillard, Venus kämmt sich die Haare, sehende Figur, aus der Gallerie Orleans,

Falk, J., die heil. Familie empfängt Opfer, –

Ferdinand, die Beschneidung, radirt. –

Gribelin, S., die Opferung der Hirten.

Hollar, W., die schöne Laura mhnu), die Königin Catharina Gornrä, aus Verle’s Cabi %

Killian, W., der Satyr mit der Nymphe.

Kirkall, die ‚Bekehrung des Saulus. a e

Lorenzini, F. A., die Sibylle singt dem Augustus du Bild der heil. Jungfrau.

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