Palladio, Andrea, Architekt , geboren zu Vicenza 1518, gestorben 1580. Zur Zeit, als Palladio seine Studien begann, hatte die Architektur durch die Anstrengung der berühmtesten Meister des 15ten Jahrhunderts so ziemlich ihre höchst mögliche Stufe erreicht, welche aber keineswegs mit jener parallel lief, auf welcher die europäische Baukunst ihre schönsten Blüthen entfaltet hatte. Die Elemente, welche darin herrschten, tauchten aus den Trümmern der Architektur der römischen Kaiserzeit empor, die, selbst nicht mehr ungetrübt, den reinen Samen nicht mehr von Jahrhundert zu Jahr- hundert zu tragen geeignet waren. Douch hatten Bruneleschi, L. B. Alberti, Bramante, B. Peruzzi, die beiden San Gallo, Vignola und einige andere Meister Ausgezeichnetes geleistet, und auch Palladio ist ein höchst verdienstvoller Baumeister , in dessen Werken noch Manches echt antik ist. Er ist überall noch edel und einfach gegen den Schnecken- und Muschelgeschmack der folgenden Zeit. Sein Erscheinen war für sein Vaterland jedenfalls wohltätig, besonders für Venedig , wo mit ihm eine neue Ära der Baukunst begann. Auch seine Vaterstadt verehrt ihn hoch, als ihr wahres Palladium, an welches nicht zu glauben, Frevel wäre. Zu gleichem Ansehen gelangte er auch in England , ja in vieler Hinsicht hatte ganz Europa auf sein Evangelium geschworen,
Die Bildungsgeschichte dieses Architekten ist nicht ganz im Klar- ‚ren, indem Temanza’s Angabe, Palladio habe den älteren Gio. Fontana zum Meister gehabt, ebenso wenig urkundlich ist, als wenn Bottari den Trissino als Lehrer des Künstlers nennt. Aus der Vorrede und der Dedication des ersten Theiles seiner Abhand- lung über die Architektur sagt Palladio im Gegentheile, er habe
in seiner Jugend keinen anderen Führer gehabt, als den Vitruv. Temaanza versichert ferner, dass der dreizehnjährige Jüngling die Kenntniss der Geometrie und Literatur sich erworben habe, er weiss aber weder keinen Lehrer anzugeben. Dieser ist jetzt durch Pungileone in dem Mönche Luca Pacciolo, genannt Luca dal Borgo, bekannt. (Commentario sopra la vita le opere di Fra L. Pacciolo. Giornale Arcadico 1855. Fra Luca hielt zu Venedig in der Kirche S. Bartolomeo Vorlesungen über den Euclid, und unter seinen Zuhörern befand sich außer Fra Giocondo, und Aldo Manuzio, auch Palladio.
Der gelehrte Trissino scheint sein besonderer Gönner gewesen zu sein, denn er kam in Begleitung desselben dreimal nach Rom
und hier begann, er von neuem seine Studien, indem er die alten Denkmäler untersuchte, ihre Maße und Verhältnisse erforschte, und in den Geist der antiken Kunst einzudringen suchte. Dies Resultat seiner Forschungen legte er in gelehrten Restaurationen nieder. Aus den Trümmern der alten römischen Architektur stellte er seine Säulenordnungen her, die neben jener des Vignola, Sca- mozzi und Serlio classisches Ansehen hatten, bis endlich die neuere Zeit die Mängel erforschte, welche diesen, ankleben, ohne die Vor- züge zu verkennen. Über seine Säulenordnungen handelt beson- ders C. Normand in seinem Nouveau Parallèle des ordres d’Archi- tecture etc., (Deutsch von M. H. Jacobi, mit Supplementen von Mauch.) Da ist angegeben, was an seinen Ordnungen auszusetzen ist. Zunächst zeigt sich, dass er das Alterthum nicht sklavisch nachgeahmt, und im Allgemeinen das Verhältniss sehr variirt habe. Sie erscheinen reicher als die reingriechischen Ordnungen, denn er fand sich bei seiner Aufstellung auf einem Boden, wo im Alter- thume Eleganz und sogar Luxus geherrscht hatte. Besonders zart und rein profilirt ist seine korinthische Ordnung, nur die Profile des Kämpfers und des Pastaments sind zu schwer, die Säulen sind kürzer, untersetzter, sie stehen weiter auseinander, und doch glaubt Normand, diese Ordnung sei sehr gut zu Pallästen und ansehnlichen Privathäusern, die keine colossalen Dimensionen erheischen, weil man hiebei die Zartheit und den gereinigten Geschmack, wovon Palladio so viele Proben geliefert hat, am allerbesten würdigen könnte.
Dass Palladio vor allen auch den Vitruvius studiert habe, beweist der Umstand, dass er eine Ausgabe desselben veranstaltet hat, wie wir am Schlusse des Artikels angeben werden.
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