Palagi, Pelagio, Historienmaler von Bologna , Professor an den k. k. Akademien zu Mailand , Akademiker von St. Luca etc., ein Künstler unsers Jahrhunderts, dessen Ruf seit vielen Jahren begründet ist; denn Palagi war schon zur Zeit des Kaisers Napoleon Direktor der königlichen italienischen Akademie in Rom . Er hat auch eine bedeutende Anzahl von Werken ausgeführt, welche von seinen Landsleuten ausserordentlich erhoben werden, indem Landi, Sabatelli, Nenci, Minardi, Podesti, Sesso, de Vivo, de Laurentiis, und namentlich auch Palagi in dem Werke: Il progresso delle scienze, delle lettere e delle arti VII. 1834, fast noch um eine Stufe höher gestellt werden, als die gepriesenen Meister der mediceischen Zeit, — was aber die Nachbaren diesseits der Alpen nicht recht glauben wollen. Indessen behauptet Palagi mit den übrigen genannten Künstlern immerhin den ersten Rang unter den Malern der neuern italienischen Schule, und mehrere seiner Werke haben ausgezeichnete Verdienste. Es finden sich in seinen Gemälden charakteristische, ausdrucksvolle Figuren, von einer Correctheit der Zeichnung, welche nur durch genaues Studium der Natur und der Antike gewonnen werden kann. In Darstellung des Nackten besitzt er grosse Geschicklichkeit, weshalb selbst seine mit Gefühl und Zartheit gemalten Bildnisse neben der individuellen Wahrheit auch hierin ein unbestreitbares Verdienst besitzen. Die Stoffe malt Palagi ebenfalls mit ungemeiner Wahrheit, Alles mit unermüdlicher Zartheit, aber man macht ihm zum Vorwurfe, dass er in Rücksicht auf das Costüm nicht selten die Geschichte missachtet. Auch hieß es, dass Palagi das Studium der Perspektive vernachlässigt habe, was diejenigen bedauern, welche den vielen Verdiensten des Meisters volle Gerechtigkeit lassen. Er ist auch ein tüchtiger Techniker, der mit kühnen Zügen ein effektvolles Bild hinzubringen versteht, und wenn es gilt, auch durch Weiche und zarten Schmelz das Auge besticht, zeigt er offenbar reinen Sinn für Harmonie der Farbe. Eigenthümliche Charakterzüge sind bei Palagi Ruhe, besonnenes Studium und Tiefe des Gemüths, wie es im Kunstblatte 1822 heißt, bei Gelegenheit der Beurtheilung seines Bildes des Herzogs Visconti. Palagi lebte vor seiner Berufung an die Mailänder Akademie in Rom, und dass er da in grossem Ansehen gestanden, beweiset auch seine frühe Ernennung zum Mitglied der Akademie von St. Luca. Auch Napoleon zeichnete ihn aus. Im Palazzo Bracciano zu Rom sind Frescomalereien von ihm, die vorzüglichsten Thaten des Theseus vorstellend, und von G. Tambroni
- Palagi, Pelagio.
beschrieben: Descrizione dei dipinti a buon fresco, „iefalti in una galleria del palazzo del Sig. Duca de Bracciano, in Roma : 3810. Lasinio hat diese Bilder gestochen. Die Gegenstände seiner Ölmalereien sind häufig der italienischen Geschichte des Mittelalters entlehnt, und einige derselben wurden durch das Kunstblatt auch in Deutschland rühmlich bekannt. Dazu gehört sein Herzog Galeazzo Visconti von Mailand, krank auf dem Prachtbette liegend, Isabella mit ihrem Sohne vor dem Könige kniend. Palagi hat sich durch dieses 1821 vollendete Bild in allen Beziehungen als Meister seines Faches gezeigt, vor allem als trefflicher Zeichner. Die Komposition ist großartig, im edlen Stil gehalten; überall zeigt sich ein gründliches Studium der Natur. Die Figuren haben Charakter und Ausdruck, teilweise dem Leben entnommen. So z. B. diente ein Kranker zum Modell, der wenige Tage darauf starb. Auch das Kostüm ist hier genau der Zeit angepasst, und das Ganze mit einer Pracht, Wahrheit und Kraft der Farbe durchgeführt, welche in dieser Hinsicht eine seltene Gabe beurkundet. Köpfe und Hände, Gewandung und Beiwerk sind mit gleichem Fleisse vollendet, aber ohne Ängstlichkeit, zart mit sicherer Hand. Im Jahre 1824 stellte er einen Akt der schwedischen Königsgeschichte dar, wie Gustav Adolph die vier Stände des Reichs schwören lässt, seine vierjährige Tochter Christina als Königin anzuerkennen, wenn er im Kriege gegen Ferdinand umkommen sollte. Dieses ist eines der besten früheren Werke des Künstlers, von harmonischem, kräftigem Tone, wohlverstandenem Lichteffekt, breiten Massen, reichem und sorgfältig behandeltem Beiwerke. Das Bild enthält sehr schöne Köpfe, Mannigfaltigkeit der Charaktere, und zeigt ein genaues Ver- ständnis der Form. Nur die Figur Gustav Adolph’s fand die Critik et- was zu theatralisch und drohend. Das erstere hat überhaupt die neuere italienische Schule mit der modernen französischen gemein, und so scheint es, dass auch Palagi nicht ganz frei ist von jenem Ein- flusse. Ein Hauptwerk, reich und effektvoll, ist ferner sein Ge- mälde, welches Columbus vorstellt, wie er vor Ferdinand und Isa- bella in Gegenwart der Grossen des Reiches die seltensten Produkte des neuentdeckten Landes ausbreitet. Dieses Bild ward 1829 voll- endet und nach Genua gebracht, wo man es in der Gallerie des Sig. F. Peloso bewundert. Palagi hatte da eine italienische Auf- gabe zu lösen, seine Kunst in der Anordnung mannigfaltiger Fi- guren und Stellungen in reichen Beiwerken zu erproben. Er be- wirkte dieses auch vollkommen, ohne Verwirrung. Höchst würdige- nd ist der Kopf des Columbus, so dass er jenen des Königs in den Schatten stellen könnte. Das Kostüm bot dem Künstler viel Studium, aber auch malerische Wirkung. Besonders schön soll der Gegensatz der Farbe der Amerikaner zu jenen der Europäer seyn. F. Hayez hat dieses Gemälde lithographirt, ein großes Hauptblatt, mit der Aufschrift: Il Ritorno di Colombo dalla scoperta del l’America. Im Kunstblatte von 1830 ist das Original genau gewürdigt, und 1820 sprach derselbe Referent über Palagi’s Bild des Newton sein Urtheil aus, und bedauert vor allem, dass der Künstler bei so vielem Verdienste die perspektivischen Linien zu studiren allzusehr vernachlässige. Palagi hat nebenbei auch immer Bildnisse gemalt, mit Zartheit behandelt. Darunter sind auch etliche historische Porträte, wie jenes des Cesare Borgia, wel- ches ein wahres Galleriestück genannt wird. Im Jahre 18530 sah man auf der Mailänder Kunstausstellung drei liebliche kleinere Bilder, die noch immer den Ruf des Professors Palagi bewährten: die heil. Jungfrau mit Lesen beschäftigt, der Heiland mit der
Weltkugel, und eine sitzende heil. Jungfrau, alle sehr effektvoll
und höchst fleissig ausgeführt. Ein Bild der Sibylle, halbe Figur,
gehörte 1853 ebenfalls zu den besten Malwerken in Mailand. Die-
ser Querkopf hat die Schönheit und den Charakter, die einem
historischen Sujet zukommen, und auch das Colorit entspricht
demselben. Um diese Zeit entstand auch das Gemälde mit Mathias
Visconti, welchen Graf Garbognate vor Kaiser Heinrich VIII. ver-
theidigte, ein im Styl der Zeichnung, Gruppirung und in der
Draperie vorzügliches Werk.
In Abbildung kennen wir nach ihm, außer der oben erwähnten
„Lithographie von Hayez“ die heil. Jungfrau mit aufgehobenen
Händen, halbe Figur, 1819 von A. Locatelli gestochen; die Er-
ziehung des Amor, oder Venus, welche unter dem Baume sitzend
den Amor lesen lehrt, von M. Gandolff trefflich gestochen.
Pälagio, Carlo, s. Pollago.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_qsM-AAAAcAAJ_2/