Pacchiarotto, Jacopo, Maler von Siena, einer der vorzüglichsten
Künstler jener Stadt, die vor geboren wurden. Seine Thä-
tigkeit fällt in jene Zeit, wo die Kunst in Siena ihre höchste Stufe
erreicht hatte, und Pacchiarotto, welchen der Geist Perugino’s be-
seelte, hat zu jenem Umschwunge nicht wenig beigetragen. Er
erscheint in seinen meisten Arbeiten als ein freier und glücklicher
Nachahmer Perugino’s, und Lanzi glaubt auch, dass er Rafael auf-
merksam studirt habe. Es zeigen sich in seinen Werken Figuren
und Köpfe von solcher Lieblichkeit und so schönem Antlitz, dass,
wie Lanzi versichert, einige Kenner sie für Werke jenes großen
Künstlers der idealen Schönheit gehalten haben. Auch neuere
Schriftsteller sagen, dass Pacchiarotto im Einzelnen nicht ohne eine
besondere grossartige Anmuth sei, in anderen Fällen aber eine
moderne Manier damit verbinde, die nicht eben ganz zu seiner
Eigenthümlichkeit stimmt, s. Kugler’s Gesch. d. Malerei I, 281. Auch
Doumherr Speth (Kunst etc. II, 10) spricht sich mit Liebe über diesen
Künstler aus und über die Zeit, welche jene Richtung gebot.
Pacchiarotto malte in Siena viele Bilder, denn er blieb bis 1535
ununterbrochen in jener Stadt, jetzt aber musste er seiner Vater-
stadt entsagen, da sich die politischen Verhältnisse zu seinem Nach- theile gestaltet hatten. In jenem Jahre war er eines der Häupter einer Conspiration gegen die Regierung, und wenn ihm nicht die Observanten-Mönche beigestanden hätten, so wäre seine Sache am Galgen entschieden worden. Die Brüder verhüllten ihn einige Zeit in einem Grabe, bis er endlich Gelegenheit fand, nach Frankreich zu entkommen. Lanzi sagt, er habe da mit Rosso zusammengear- beitet, und sei bis an sein Ende geblieben; allein Pacchiarotto dürfte nicht lange in jenem Lande geblieben sein, da sich keine Spur von Werken erhielt, die er dort ausgeführt haben soll. Er muss damals auch schon über das rüstige Mannesalter hinaus ge- wesen sein.
In der Akademie von Siena und in den Kirchen dieser Stadt sind Werke von ihm, unter denen namentlich die Fresken von St. Ca- tharina und St. Bernardino bemerkenswerth sind. In der erstge- nannten Kirche ist besonders die Darstellung der heil. Catharina von Siena, welche zum Leichname der heil. Agnes von Montepul- ciano wallt, voll der zartesten, innigsten Aumuth. Dann malte er hier auch die Heilung des Kranken und die Befreiung der Dominikaner vom Meuchelmorde. In der Kirche der heil. Catharina arbeitete er mit Sodoma und Mecherino in Concurrenz, namentlich die Verkündigung und die Geburt Mariä. In St. Cristoforo zu Siena ist das Bild der heil. Jungfrau auf dem Throne, von M. Zignani gestochen, und die Krönung der heil. Jungfrau, mit den Heiligen Johannes, Petrus und Paulus kam aus St. Spirito in die Akademie zu Siena. C. Lasinio hat dieses Bild gestochen, für Lastri Pittrice, No. 48. Das Blatt von Zignani gehört zu den Pit- ture di Siena. In St. Bernardino befanden sich auch noch vier kleine, wunderschöne Bilder, sie wurden aber nach Livorno ver- kauft. Eines derselben, die heil. Jungfrau mit dem Kinde, rück- wärts vier Engel, kaufte König Ludwig von Bayern noch als Kron- prinz und jetzt sieht man das Gemälde in der königl. Pinakothek zu München, neben einem anderen kleinen Bilde, welches den heil. Franz von Assisi vorstellt, rückwärts zwei Engel. Thomas- sin stach ein Bild, angeblich nach Pacchiarotto, welches die heil. Jungfrau mit mehreren Heiligen vorstellt.
Pactio s. Pace, Pace oder Paccio da Faenza, s. Ottaviano da Faenza.
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