Ottmer, Carl Theodor, Architekt und Maler, braunschweigischer Hofbaurath, wurde 1800 zu Braunschweig geboren, und da besuchte er von 1816–17–19 das Carolinum. Bereits ausgerüstet mit den Kenntnissen eines praktischen Baumeisters ging er nach Ber- lin, um im höheren Fache der Architektur seine Ausbildung zu vollenden, und hier wurde ihm auch bald Gelegenheit zu Teil, in einer freien Schöpfung die Summe seiner Kenntnisse zu verwen- den. Im Jahre 1822 wurde beschlossen, ein Volkstheater zu bauen, zu diesem Endzwecke einen Concours ausgeschrieben und da nun wurde Ottmer’s Plan vorgezogen. Das Gebäude, im einfach-schö- nen griechischen Style, wurde im eröffnet. Hmuf wurde dem jungen Künstler der Bau der Singakademie in Ber- lin übertragen, ein länglich viereckiges Gebäude, welches an den längeren Seiten mit korinthischen Pilastern geziert ist, und in zwei Stockwerken sich erhebt. In korinthischer Ordnung ist auch der darin befindliche, in akustischer Hinsicht treffliche ge- baute Concertsaal. Dieses Gebäude erreichte 1827 seine Vollen- dung, und jetzt trat der Künstler seine längst ersehnte Reise nach Italien an. In Rom studierte er die Denkmäler des Altertums, malte auch im Innern eines römischen Hofes zwei Bilder, ging dann nach Neapel und Paestum und kehrte endlich wieder nach Rom zurück, wo er sich jetzt mit mehreren Entwürfen zu Palästen be- schäftigte, worunter besonders einer an Größe und Pracht jedes bekannte Gebäude übertreffen sollte. Im Jahre 1820 unterbrach ein Ruf nach Dresden diese seine Beschäftigung. Er fertigte da die Pläne zu einem neuen Theater, die jedoch nicht zur Ausfüh-
rung kamen, und so war dem Künstler ein ähnlicher Auftrag von Seite des Herzogs von Sachsen-Meiningen nur um so willkomme- ner, Er fertigte die Entwürfe zu einem Theater- und Casinoge- bäude, die mit solchem Beifalle aufgenommen wurden, dass schon im August 1820 der Bau begann. Im Jahre 1850 gab er die erste Abtheilung seiner Architektonischen Mittheilungen heraus, worin man eine Abhandlung über den Bau des k. städtischen Theaters findet, und er zu zeigen suchte, inwiefern von der Form der griechischen Theater abgewichen werden muss, um das Auditorium unserer Theater in optischer und akustischer Hinsicht richtig an- zulegen. Damals lebte der Künstler in seiner Vaterstadt als Hof- baumeister, ohne Aussicht auf ein größeres Werk, als im September desselben Jahres beim Aufruhr das schöne fürstliche Residenz- schloss eingeäschert wurde. Jetzt trug ihm der Herzog Wilhelm auf, Pläne zu einem neuen Schlosse vorzulegen, und um volle Motive zu gewinnen, ging Ottmer nach Italien. Im März 1826 wurde der Grundstein gelegt, im Jahre 1835 der äussere Aufbau vollendet, dann das Innere ausgeschmückt, und 1836 konnten die fürstlichen Gemächer bezogen werden. Das lange Hauptgebäude hat zwei rückwärts springende Flügel, die einen mit Säulen umgebenen sehr großen Hof einschliessen. Die Hauptfagade hat ein prächtiges Portal und 120 Fuss darüber erblickt man auf der Plattform die Quadriga des Heeros. Rechts und links des Portals treten Säulengänge kreisförmig vor, in corinthischer Ordnung. Die Seite nach dem offenen Schlosshofe hin hat eine Kuppel, die ein von oben beleuchtetes Treppenhaus bekleidet. Es ist dies ein prachtvol- les, mit allen Mitteln bildnerischer und malerischer Decoration geschmücktes fürstliches Gebäude, wo ein Elan frische Kunst sich entfaltet, Ottmer hat eine reiche und blühende Phanta- sie, lebendigen Sinn für architektonische Schönheit, und Geschmack für malerische Mannichfaltigkeit, Pracht und Anmuth des decorati- ven Elements. Andere Bauten als die oben genannten sind das Schloss zu Wolfenbüttel und die Caserne in Braunschweig. Ausführlicher handelt über diesen Künstler das Conversations-Lexicon der Gegenwart. Salathe zeichnet nach seiner Zeichnung die Residenz Wilhelmsburg zu Braunschweig. Sein oben erwähntes Werk hat den Titel: Architektonische Mittheilungen. 1te Abtheilung: Das Königstädtische Schauspielhaus zu Berlin, in 10 Zeichnungen, 2te Abtheilung: Das Theater im Schlosse zu Wolfenbüttel etc., in 6 Kupferstichen, Braunschweig 1833 und 1838. qu. Fol. 4 u 8 r
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