Ostendorfer, Michael

Ostendorfer, Michael, Maler und Formschneider , ein alter bayerischer Künstler , den Einige mit Martin Ostendorfer für eine Person halten, was nicht begrundet werden kann, da wir von einem etwas älteren Münchner Hofmaler, Martin Ostendorfer, Kunde haben, während Michael Ostendorfer immer in Regensburg gelebt zu haben scheint, erwieslich von 1522 an bis nach 1540, als Bürger und Meister. Heller, Beiträge I. 100 sagt, Ostendorfer sei von Hemau gebürtig, und dass er nicht von einem Münchner Künstler dieses Namens abstamme, scheint auch der Umstand zu beweisen, dass er in den Akten der Zunft nicht genannt wird. In München hat er also nicht gelernt, und daher findet die Angabe, dass ein Michel Ossinger oder M. Ostendorfer in der Schule des Albrecht Altorfer sich gebildet habe, auf ihn sehr wahrscheinliche Anwendung. Ostendorfer hatte mit Noth und Hindernissen zu kämpfen, und anfangs scheint er sich mit geringen Arbeiten beholfen zu haben. So wissen wir aus Gumpetzhaimers Geschichte von Regensburg II. Abth. S. 720 (Regensb. 1837), dass er eine Abbildung und Beschreibung der Wunderzeichen der schönen Maria von Regensburg herausgegeben habe. Schon 1519 und 1520 erschienen ähnliche Werke, jenes von Ostendorfer ist aber das schönste. Die schöne heilige Maria ist auf den Regensburger Schlüsseln ruhend dargestellt, von schwebenden Engeln umgeben. Seine Hauptneigung ging in-

Wesentlich immer auf die Malerei ; und Regensburg hatte ehedem mehrere solche Werke von ihm, in der Weise der Altorfer’schen Schule, Proben seiner Kunst fand man in der alten Capelle und zu St. Emmeran. Eines seiner Gemälde, doch in vernachlässigtem Zustande, befindet sich gegenwärtig auf der k. Bibliothek zu Regensburg. Es stellt das ganze Leben Jesu in kleinen Bildern dar, und auf der Aussenseite der Flügel das jüngste Gericht. Es sind über dieses Gemälde noch Eingaben an den Magistrat in Regensburg vorhanden, die in der Eos 1820 Nro. 75 abgedruckt sind. Diese Bittschriften sind sehr nachlässig und ohne alle Beobachtung der geziemenden Form abgefasst. Alle sind mit seinem Wappenschild versehen, welches, mit der Hand gezeichnet, vier schreitende Basilisken zeigt.

Der Rath hatte ihm ungefähr im Jahre 1553 jenes Altarblatt für die seit dem Interim geschlossene und nur erst das Jahr vorher wieder eröffnete neue Pfarrkirche zu verfertigen übertragen. Bei sehr beschränkten Vermögensumständen war der geschätzte Meister nicht im Stande, die Holztafel zum Altarblatt und die beiden Türflügel auf eigene Kosten verfertigen zu lassen, und das Farbenmaterial mit dem Golde ohne Vorschuss sich anzuschaffen. Er verlangte daher zu wiederholten Malen vom Rathe der Stadt Unterstützung an Geld, an Rockenmehl, und insbesondere ein Buch Feingold. Der Rath gab ihm aber nur ein Paar Gulden, nur einmal ein halbes Buch Gold, und überhäufte ihn mit Vorwürfen, dass er alles das Seinige vergeude, und sich, wenn er ein Paar Groschen habe, der Trägheit hingebe. Mehrere Monate waren auch wirklich verstrichen, und mit dem bestellten Gemälde war noch kein Anfang gemacht worden. Als die Mahnungen immer häufiger wurden, ging dem Künstler, der von Brodneidern bei dem Rathe übel angeschwärzt zu werden vermutete, die Geduld aus. Er beklagte sich in mehreren Vorstellungen an den Rath, dass man ihm das Essen verweise, und doch nichts gebe, dass ein feiner Künstler müsse zu Verderben kommen, weil Meisterbuben zu Meistern beachtet werden. In einer andern schriftlichen Eingabe heißt es: „Der arme Michel Ostendorfer muss sich ansehen lassen, wenn er Geld habe, arbeite er nichts; aber Gott wird die Verräter strafen. Wenn ich eine Bauerntafel zu malen hatte, hätte ich ein besseres Verdienen. Nach meinen Aufrüssen und Fürnemmen wusste ich mehr denn 100 Thaler oder Gulden zu verdienen. Dass ichs aber in 2 oder 3 Monaten könnte enden, wäre mir unmöglich. Wollte ich demnach gerne ein Wissen haben, wie ich mich mit dem Gemälde halten soll, dieweil E. Weisheit so viel auf die Erhaltung und Güte der Ausführung achten.“ Nach Verlauf von 5 Vierteljahren war Ostendorfer endlich in seiner Arbeit so weit vorgerückt, dass auf der Rückseite nur noch das jüngste Gericht zu malen war. Jetzt war das Ganze auch bald fertig, zu grosser Selbstzufriedenheit. Er versah es mit einem aus O in M bestehenden Monogramme. Ich habe dieses Werk, rühmt der Künstler vor sich selbst, nach keines andern Meisters Hand gesucht, sondern nach freier Hand mit solchem Fleisse gemacht, dass ich mich dessen nicht schämen darf. Als er späterhin im Jahre 1555 die letzte Hand an das Werk gelegt hatte, schrieb er in der fünften seiner Bittschriften an den Rath: „E. Weisheit können mich mit dieser Arbeit bei häuslichen Ehren erhalten, aber auch zum Betrüger machen.“ Nichts destoweniger scheint Ostendorfer allzu freigebig belohnt worden zu sein, denn als er 1556 seine Tochter verheiratete, befand er sich schon wieder in solchen Geldnöthen, dass

Er neuerdings den Rat um ein Darlehen von 6 fl. anzuflehen ge- zwungen war.

Das Todesjahr des Künstlers ist unbekannt; es dürfte aber um 1570 erfolgt sein.

Michel Ostendorfer hat auch in Holz geschnitten, denn wir kön- nen mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass die mit dem in Mitte des M gezeichneten O versehenen Holzschnitte der Mehr- zahl ihm angehören. Einige sind sogar in Regensburg ge- druckt, z. B. die Blätter des Catechismus des Superintendenten Gallus, andere erschienen zu Nürnberg bei H. Guldenmund. Wir geben hier ein Verzeichnis solcher Blätter, schließen aber den Michael Ossinger von der Teilnahme an denselben aus, da sich die Existenz eines solchen noch nicht historisch begründen lässt. Die Blätter sind indessen in Zeichnung und Behandlung ungleich, und so könnten sich Michael Ostendorfer und Martin Ostendorfer

  1. Die Abnehmung vom Kreuze. Die heil. Jungfrau weinend über dem Leichnam des Heilandes, rechts Magdalena und eine andere heilige Frau, und die beiden Mörder hängen noch am Kreuze: Große Composition von 6 Platten mit dem Monogramm und der Jahrzahl 1548, rechts unten. H. 22 Z. 4 L., Br. 24 Z. Bartch gr. IX. P.: 154 No. 1. Bei Weigel 2 Thlr. Die alten Abdrücke sind zierlich selten, die neueren sind aus Becker’s Sammlung Nr. 4.

  2. Saturn, unten das M. O. ähnliche Monogramm, oben links

  1. Ein Oktavblättchen, nicht von Bartsch erwähnt. Die neuen Abdrücke sind im Becker’s Werk Dlr. 14.
  1. Friedrich V., Pfalzgraf von Bayern, lässt sich in einer Sänfte tragen, begleitet von Soldaten, unten das Monogramm und die Jahrzahl 1556. Von zwei Platten, zusammen H. 9 Z., Br. 25 Z. Die neuen Drucke aus Becker’s Werk Nr. 23.

  2. Das Bildnis eines Prinzen zu Pferd, 1634. H. 11 Z. 9 L., Br. 8 Z.

  3. Das Bildnis des Herzogs Friedrich von Bayern, 1544. Im Rande ist Hans Guldenmund als Verleger genannt. H. 13 Z. 8 L., Br. 9 Z.

  4. Mehrere andere Bildnisse im Kniestück, Verlag des Hans Guldenmund, Fol. &wa E.

  5. Eine Folge von 24 Darstellungen aus dem alten und neuen Testamente in einem Buche: Catechismus. Predigswise gestellt für die Kirche zu Regensburg, zum Methodo, das ist, ordentlicher Summa chrullicer Leeren, wider allerlei Neuerung und Verfälschung. Durch Nic. Gallus. 1554, in 4.

Einige dieser Blätter sind mit dem Monogramm versehen. Im F. Palm’schen Auktions-Kataloge ist dieses Werk genau beschrieben.

  1. Das Bildnis des Caspar Ochiner. 1547. Leporello. Durch- meiser der Rundung 3 Z. Von Heller erwähnt.

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