Ostade, Isaac van

Ostade, Isaac van, Maler zu Harlem, der jüngere Bruder des Obigen, wurde um 1612 geboren, und von Adrian in der Malerei unterrichtet. Er malte Landschaften mit Figuren und Vieh, Dorf- ansichten und Winterstücke, auch etliche Bamboceciaden in Adrian Ostade’s Manier, doch gehören ihm von letzteren nur wenige an, da die schwächeren Erzeugnisse dieser Art von der Liste seiner Werke gestrichen werden müssen. Er starb im schönsten Mannes- alter, man weiß aber nicht, in welchem Jahre. Im Jahre 1645 war er noch thätig. ;

» Man liest in den früheren Kunstschriften gewöhnlich, dass Isaac seinem Bruder Adrian nachstehe, Dr. Waagen (Kunst und Künst- ler I, 289) sagt aber, man thue dem J. Ostade schweres Unrecht, wenn man ihm die schwachen Bauernstücke, die hie und da sei- nen Namen tragen, wirklich beilege. In Holland , in Paris , vor allem aber in England überzeuge man sich, dass er in seinen Dorf- ansichten, seinen Winterstücken ein ganz origineller Meister sei, der seinem Bruder im Ganzen keineswegs nachstehe. Nur in Fein- heit des Helldunkels und an Weiche des Vortrages übertrage ihn der Bruder etwas, Isaac sei ihm aber öfter in der Zeichnung und im Impasto überlegen. Sein Fleischton sei minder röthlich, und nähere sich mehr dem des Rembrandt. Das vollendetste Bild dieser Art sah Waagen in der Sammlung des Sir Robert Peel. Vor einem Hause. reitet ein Mann auf dem Schimmel vorüber, und von den ihm folgenden zwei Hunden wird einer von einem Knaben geliebt- koset. Auf der anderen Seite des Bildes sind zwei Schweine, im Mittelgrunde sehr malerisch gruppierte Landleute und Vieh. Die- ses fein gezeichnete Bild ist nach Waagen von einer Solidität der geistreichsten Ausführung, von einer Verbindung des trefflichsten Im- pasto mit der größten Gluth und Tiefe des Tons, wie dies überhaupt selten vorkommt. Der Fleischton ist in den Lichtern gelblicher, in den Schatten brauner, als bei seinem Bruder, der beiden röthli- chere Töne beimischt. Den Schimmel könnte Potter nicht besser gemalt haben. Waagen bemerkt zugleich, dass Isaac van Ostade

einen schicklichen Uebergang zu den Makern von Viehstücken ma- che, und erst wenn man in Holland gewesen, und die schönen

Kühe auf den üppigen, von der Sonne beglänzten Wiesen gese- hen hat, begreife man, wie im 17. Jahrhunderte verschiedene der

größten Talente sich dieser Gattung zuwenden konnten. Sir Ro- bert kaufte das obige Bild für 4000 Guineen.

In der Privatsammlung K. Georg IV.: das Wirthshaus an der Landstrasse mit Reisenden, eine reiche und malerisch angeordnete Composition, von sorgfältiger Ausführung, sehr kräftiger Farbe. Trefflich im Umrisse und von Gluth der Farbe ist auch das Bild der Bauernfamilie beim Fiedler vor der Thüre.

In der Bridgewatergallerie ist ein durch satten, glühenden Ton ausgezeichnetes Bild, welches eine Dorfschenke darstellt, wo eine große Anzahl von Bauern versammelt ist, und der Fiedler unter

den Bäumen spielt.

In der Sammlung des Lord Ashburton (Alex. Baring) sieht man vor einer Dorfschenke eine große Anzahl von Reisenden und Land- Leuten, und besonders fällt ein Knabe im Wasserpfuhl auf. Waagen II. p. sagt, die warme Abendsonne, welche Alles bescheint, der tiefe glühende Ton, das treffliche Impasto, der bedeutende Umfang, machen dieses aus der Talleyrand’schen Sammlung stam- mende Bild zu einem der Hauptwerke des Meisters.

Im Pariser Museum sind mehrere Werke von ihm, und das vorzüglichste ist ein gefarbener Canal, wo sich Leute mit Schlitt- schuhlaufen und Schlittenfahren belustigen. Die Composition ist sehr malerisch, der Fleischton bei großer Wärme sehr klar, Be- leuchtung und Haltung vortrefflich, der Vortrag breit und weich.

In der k. Pinakothek zu München sind ebenfalls zwei ausgezeich- nete Bilder: eine Landschaft mit einem beladenen Esel an der Strasse, der den Führer erwartet; eine Winterlandschaft mit Schlitt- schuhläufern auf dem Canale, im Vorgrunde ein Wirthshaus.

Im k. Museum zu Madrid sind mehrere schöne Bilder von J. van Ostade; eine Bauernühterhaltung, ein Bauernconcert, eine Bauernfamilie, abgebildet in der Collection litografica de cuadros del Rey etc.

Mehrere Werke dieses Künstlers wurden gestochen, doch möch- ten in Verzeichnissen die Blätter nach den beiden Ostade’s mitein- ander verwechselt werden. Im Cataloge des Boydell’schen Verla- ges sind 12 Blätter nach Isaac van Ostade aufgezählt. Wir nennen nach ihm:

Baillie, C., The Toper with a Jug and Pipe; The Dutch School (Boydell).

Basan exc., L’homme content, ein sitzender Bauer, welcher sich die Pfeife stopft; Landschaft mit einem Bauern zu Pferd und einem Heuwagen.

Canot, P. C., ein Dorffest, A country wake, ein Haupt- blatt aus Boydell’s Sammlung.

Chataigner et Niquet, Paysans et châssonniers, Bauern aus einem Wirthshause (Filhol).

Enschede, J., exc., s. unten.

Liart, M., The Merry Companions (Boydell).

Laongueil, J. de, Le cabaret flamand, und Halte flamände, zwei schöne Blätter.

Michel, Boors drinking..

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