Ossenbeck, Jan oder Josse van

Ossenbeck, Jan oder Josse van, Maler und Kupferstecher , wurde

um 1627 zu Rotterdam geboren, und vielleicht von P. de Laar in

der Malerei unterrichtet, in dessen Geschmack er malte. Seine Bil-

der bestehen in Landschaften mit Figuren, Pferden und anderen

Thieren, mit Cascaden, Grotten, Ruinen und Gebäuden aller Art.

Gern stellte er Jahrmärkte und Reitschulen dar, weil er da ver-

schiedene Thiere anbringen konnte, die er eben so gut malte, als

seine kleinen Figuren. Diese seine Gemälde sind von verständiger An-

ordnung, trefflich coloriert und zart vollendet. Ossenbeck war in

Rom; man wüsste dies schon aus seinen Bildern, wenn auch die

Geschichte davon schwiege. Sie sind voll von Reminiszenzen an jene

Stadt, da Ossenbeck in Rom eifrig Studien machte und für seine

Gemälde benützte. Man sagte deswegen, dass er Rom nach den

Niederlanden gebracht habe, was teilweise auch von der Mal-

weise zu verstehen ist, da Ossenbeck im italienischen Stil malte,

und mit niederländischem Fleisse vollendete. Von Rom aus ging der

Künstler nach Wien, besuchte dann auch noch andere deutsche Städte

und starb in Regensburg . Seine Bilder sind zerstreut, die

meisten sah man in Wien , in der Lichtenstein’schen Gallerie etc.

Einen anderen Teil seiner Werke machen die radierten Blätter;

diese sind aber in der Arbeit sehr ungleich, so dass er sie

Ossenbeck, Jan oder Josse van.

zu verschiedenen Zeiten seines Lebens gefertigt haben muss, Bartsch P.gr., V.289ff. beschreibt 50 solcher Radierungen; unter wel- chen man die Nro. 6, 8, 16, 20, 25, 26. und die vier grossen Stücke nach S. Rusa, P. de Laer und S. de Vlieger hervorhebt.

Gute Abdrücke findet man selten; es ist aber das Werk dieses

Künstlers überhaupt nicht oft zu finden. Seine Blätter stehen bei

den Kunstliebhabern in gutem Andenken, und einige wurden zu 5—6 Thalern bezahlt. Wir geben das Verzeichnis nach Bartsch mit mehreren Zusätzen: Die Nro. 1–27 sind nach Ossenbeck’s

eigenen Zeichnungen.

  1. Bildnis eines Unbekannten in Dreiviertelansicht nach rechts, mit dem Hute auf dem Kopfe, und mit Knebelbart. H. 3 Z., Br. 2 Z. 7 L. Die Abdrücke sind immer schwach.

  2. Landschaft mit zwei steilen Felsen, im Mittelgrunde ein Mann mit dem Esel. Alles nur leicht angelegt. H. 2 Z. 4 L., Br. 3 Z. 3 L. Im ersten Drucke vor dem Namen des Künstlers.

  3. Landschaft mit Bäumen und zwei Eseltreibern, nach links, Teicht radirt, H. 2 Z. 5 L., Br. 3 Z. 8 L.

  4. Die zwei ruhenden Esel. H. 2 Z. 9 L., Br. 3 Z. 8 L.

  5. Der Mann mit den Wachholderbeeren und die drei Bettler, H. 3 Z. 8 L., Br. 3 Z. 6 L. Im ersten Drucke vor dem Namen, sehr selten.

  6. Die zwei ruhenden Ziegen, ein Schaaf und ein Hammel lie- gend. Links unten J. Ossenbeck, sehr fein gerissen. H. 3 Z. 9 L., Br. 3 Z. 9 L.

  7. Das liegende Kameel. H. 2 Z. 9 L., Br. 3 Z. 10 L.

  8. Die liegende Hündin mit drei Jungen. H. 3 Z. 9 L., Br. 3 Z. 10 L.

  9. Sechs Bettler am Brunnen rechts des Stiches. Sehr schönes Blatt. H. 3 Z. 8 L., Br. 3 Z. 11 L. Im ersten Drucke vor dem Namen sehr selten. Die Abdrücke mit dem Namen sind etwas schwächer.

  10. Die Schnitte in einer Landschaft mit Ruine. H. 2 Z. 7 L.,

  11. Das Milchmädchen, welches mit einem Manne zum Kuhmel- ken herankommt. H. 2 Z. 11 L., Br. 4 Z. 1 L.

  12. Die Katze am Fenster. H. 3 Z. 5 L., Br. 4 Z.

  13. Ein liegender und ein stehender Esel, links im Grunde der Bauer; rechts oben der Name des Künstlers. H. 3 Z. 5 L., Br. 4 Z. 2 L.

  14. Die Alte, welche einem Weibe Läuse kämmt. H. 3 Z. 2 L., Br. 4 Z. 7 L.

  15. Das Vieh an der Tränke, einer Fontaine mit grossem Bassin, wo auch ein Weib den Eimer vollschöpft, sehr geistreich. radirt. H. 3 Z. 3 L., Br. 4 Z. 7 L. Die Originalzeichnung besass Proclamator Weigel in Leipzig.

  16. Der Jüger mit vier Hunden, von denen er zwei an der Leine führt. Rechts unten der Name J. Ossenbeck. H. 3 Z. 6 L., Br. 4 Z. 9 L. Die ersten Abdrücke haben den Namen des Künstlers nicht. Ein solcher Abdruck bei Weigel 4 Thlr., 16 Groschen.

  17. Die zwei Eseltreiber, davon der eine mit dem andern, der sich an den Esel lehnt, spricht. H. 3 Z. 4 L., Br. 4 Z. 10 L. Im ersten Drucke ohne Namen.

  18. Der Buck und die Ziege liegend, im Grunde Schaafe. H. 3 Z.

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  1. Die drei Kühe, im Grunde Hirt und Hirtin, H. 3 Z. 6 L.,
    Br. 4 Z. 10 L. Im ersten, sehr schönen Druck, vor dem
    Namen.

  2. Das Gespänn von zwei Ochsen, der Bauer beladet den Wagen mit Getreidsäcken. H. 3 Z. 3 L., Br. 5 Z. Im ersten
    Drucke vor dem Namen; im zweiten sind sie öfter matt.

  3. Die Zigeunerin, die einem Mann am Tische aus der Hand
    wahrsagt, in einer Trinkstube neben andern Personen. H. 3
    Z. 6 L., Br. 5 Z.

  4. Der Eseltreiber auf dem Boden ruhend, mit dem Rücken
    gegen seinen Esel gelehnt, schlecht gezeichnet und schlecht
    gestochen, vielleicht erster Versuch. H. 7 Z., Br. 8 Z. 3 L. (?)
    Im ersten sehr seltenen Aetzdrucke ohne Namen, rechts
    im Hintergrund fehlt mehrere Arbeit. Graf Mänderscheid
    besass einen solchen.

  5. Der Führer mit zwei Mauleseln, von welchen der eine mit
    zwei grossen Kisten beladen ist. H. 6 Z. 4 L., Br. 10 Z.
    6 L. en so schlecht als das obige Blatt.

  6. Der Viehmarkt auf dem Campo vaccino in Rom, mit vielen
    Figuren und Thieren. Links unten im Rande: I. Ossenbeeck.
    H. 8 Z., Rand 4 L., Br. 11 Z. 6 L. Dies ist eines der be-
    deutendsten Blätter des Künstlers; sehr selten im Probedrucke
    vor der Schrift. Gilt auf Auktionen 9 — 12 fl.

  7. Das Volksfest bei der Fontaine der Nymphe Egeria, jetzt
    Caffarella. Prospetta e veduto &: Caffarelle fuoro di porte
    S. Sebastiano, &a Roma. I. Ossenbeeck invent. et fecit. H.
    8 Z., Rand 2 L., Br. 12 Z. Die ersten, seltenen Abdrücke
    sind von der vollständigen Platte, später wurde sie aber ab-
    geschnitten, es fehlt oben ein Theil des Gehäudes und ist so
    hoch geblieben. Bei Weigel ein erster Abdruck 8 Thaler.

  8. Die Fontaine des Triton, von Kühen und Eseln umgeben.
    Im Rande: I. Ossenbeeck invent. et f. — Della Gall: ria
    del molto Ill.: re Sig. re Gio: de Wenzelsberg etc. H. 10
    Z. 2 L.?, Br. 15 Z., der Rand 2 Z. 4 L. Dieses Hauptblatt
    werthet Weigel auf 3 Thlr. 16 Gr.

  9. Ansicht des Lusthauses des H. von Wenzelsberg, links Wä-
    scherinnen und Vieh, oben eine Bandrolle von acht Storchen
    gehalten mit der Dedication an den Herrn Cunibert v. Wen-
    zelsberg. Links vorn am Steine steht: Ossenbeeck 1664. H.
    11 Z. 6 L., Br. 15 Z., Rand 5 L. Im ersten seltenen Drucke
    vor der Retouche und vor den Wolken und Linien des Him-
    mels. Im zweiten Drucke ist alles dieses, an den Figuren
    auch einzelne starke Grabstichelarbeit.

  10. Eine felsige Landschaft, rechts vorn zwei Männer und ein
    Weib. Salvatorose Inv. — Della Gll. ria del Mol. to il
    re Sig. re Gio. de Wenzelsberg etc. I. Ossenbeeck. H. 11
    Z. 4 L., Br. 35 Z. 4 L., Rand 4 L. Für Tenier’s Brüssler
    Galleriewerk., und geistreich radirt.

  11. Gebirkslandschaft mit einem Flusse an der Bergkette hin, mit
    Figuren und Thieren, nach S. Rosa. Mit derselben Inschrift
    wie Nro. 28: H. 12 Z. 3 L., Br. 15 Z. 2 L., Rand 2 L.
    Für dasselbe Werk geistreich radirt.

  12. Jesus Christus in der Rarke während des Sturmes schlafend, links unten ist ein Fass mit den Buchstaben S. D. V. L. F, (Simon de Vlieger fecit,) im Rande unten steht: S. de Vlieger, in. Della Galleria etc. wie oben Nro. 2 & H. 11 Z. 3 L.,

r. 15 Z. 1 L., Rand 3 L.

  1. Die Schweinsjagd. Im Rande unten links: bambootzin. (P. de Laer). rectxt: J. Ossenbeeck f. In der Mitte: Nella Galleria etc. H. 11 Z. 11 L., Br. 14 Z. 9 L., Rand 5 Lin. Treff-

? Jich radirtes Hauptblatt. Ü

32—44) (45) Darstellung des Reiterballets und des Ehrenaufzuges bei der Vermählung des Kaisers Leopold I. zu Wien, nach der Zeichnung des Hofmalers N. van Hoye, in 15 Blättern, mit dem Festzuge, den Bartsch nicht beschreibt, so dass er die Folge nur auf 14 Blätter angibt. Der Festaufzug ist äusserst selten. R. Weigel besitzt ein Exemplar mit demselben, früheste Abdrücke, fast nur Aetzdrücke, und dabei sind noch 8 Blätter Reiterballet v. N. van Hoye selbst radirt. Die bei Bartsch beschriebenen Blätter sind ohngefähr 10 Zoll hoch und 6 Z. 6 L. breit, bis auf eines, welches circa 10 Z. h, und 16 breit ist. Der oben erwähnte Festaufzug ist das

üsste, Weigel wertet dieses Werk auf 18 Thlr.

45—57) Drei Theaterdecorationen nach Zeichnungen von L. Burnaccini, zu einer Folge gehörig, an welcher auch N. van Hoye und H. da Jade Antheil haben. H. 7 Z. 2 L. Br.

a) Ansicht eines prächtigen Schlosses,

b) Ein ?onor königlicher Saal,

c) Ein Seehafen,

Folgende Blätter radirte Ossenbeeck neben den Nrn. 28, 29 ff. für das Theatrum pictorium Davidis Teniers Antverpieniss pictoris Ser. Princ. Leopoldi Guil. Archid. Austr. etc. Fol. s. Taniers. In den früheren Ausgaben sind die Blätter nicht numerirt, und die späteren numerirt.

Folgende Blätter von 48—58 gehören dahin:

  1. Cephalus und Procris, nach P. da Caldara.

  2. Das Mannäsammeln der Israeliten, nach Tintoretto.

  3. Die Flucht in Aegypten, nach demselben.

  4. Die ähnliche Darstellung, nach D. Feti,

  5. Die Marter des hl. Sebastian, nach J. Bassano.

33—36) Die vier Tagszeiten, nach L. Bassano. Vom Herbste besass Graf von Sternherg einen äusserst seltenen Abdruck vor aller Schrift im Plattenrande und vor aller Grabstichel- arbeit, besonders vor den Quertaillen der Schatten an den Körben bei der Frau links. Die später mit dem Stichel angege- bene Überarbeitung ist hier von dem Künstler eigenhändig mit Bister retouchirt. S. Frenzel’s Catalog dieser Sammlung.

  1. Orpheus bezähmt die Thiere, nach demselben.
  2. Diana’s Rache an den Kindern der Niobe, nach J. Palma.

Folgende Blätter kannte Bartsch nicht:

  1. Die Kinder von Bethel von Bären zerrissen, rechts im Hin- tergrunde der Prophet Elias im Gebet, Oral, in der Mitte oben: I. Ossenbeeck. H. 1 Z. 6 L., Br. 2 Z. 1 L. Schr. selten, Graf Rigal hatte einen Abdruck von diesem merk- würdigen Blatte, und Weigel zeigt in seinem Kunstkataloge wahr.

scheinlich ein Unicum an, vom Meister selbst mit Bister übergangen, und die Ecken des Ovals durch fortgeführte eigene Zeichnung in ein viereckiges Blättchen ge- formt. H. 2 Z. 8 L., Br. 2 Z. 8 L. Bei Weigel 6 Thaler, Der gewöhnliche Abdruck 3 Thlr. 12 Gr.

  1. Fünf Matrosen am Feuer, über welchem ein Kessel hängt. Links im Grunde ist ein Gebäude am Flussu, rechts am Strande ein Mann bei der Kiste, vorne ein Hund. Bezeichnet: I. Ossenbeeck. H. 2 Z. 8 L., Br. 4 Z. 5 L. Abdrücke von diesem seltenen Blatte waren im Cabinet Rigal und im Cabinet Manderscheid. Graf Manderscheid besass auch einen Abdruck ohne Ossenbeech’s Namen unten rechts, so dass diese als der erstere zu bezeichnen ist. Bei Weigel ein Abdruck mit dem Namen 5 Thaler.

  2. Gegend an einem Wasser, links alte Gebäude, im Vorgrund drei Männer, von welchen der eine, rückwärts sehend, beim Maulesel steht. Gegenseitige verkleinerte Copie nach J. Both Nro. 16. H. 4 Z., Br. 5 Z. 9 L.

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