Orsi, Lelio, genannt Lelio da Novellara, Maler, wurde 1510 oder 1511 in Reggio geboren, und vielleicht war jener Bernardo Orsi, von welchem sich in der Done zu Reggio ein Madonnenbild befindet, der Vater dieses Künstlers. Man liest auf jenem Gemälde: Comes Galeatius Comitis Baccarini de Cahossa. Bernardinus. Ursus, Regiensis pinxit 1501. Dieser Bernardinus könnte auch Lelio’s erster Meister gewesen sein, aber so wie dies nur Muthmassung ist, so auch jenes, dass Orsi Michel Angelo’s und Correggio’s Schüler gewesen sind. Tirabbschi, dem wir eine Lebensbeschreibung dieses Künstlers verdanken, will zwar in einer Handschrift gefunden haben, dass Lelio in Rom gewesen, so dass er unter Buonarotti’s Augen die Grundsätze jenes Meisters studirt haben konnte; allein die Sache bleibt dennoch zweifelhaft, und Orsi dürfte vielleicht nur Zeichnungen und Gipsarbeiten von Michel Angelo gesehen, oder aus Mantua Giulios Geschmack angenommen haben. Den Correggio konnte Lelio kennenlernen, denn er war in Parma . Gewiss ist, dass Orsi jenen Meister studirt und copirt habe; denn Lanzi sah bei den Edein Gazzola in Verona eine Kopie der berühmten Nacht, will aber auf der anderen Seite den Künstler doch nicht als Correggio’s Schüler erklären, weil wenigstens seine Zeichnung nicht lombardisch ist. Wäre sie dies, so hätten seine Werke ein minder strenges Gepräge. Er verstand aber sehr wohl, trotz jedem in Anmuth des Helldunkels, in Farbenauftrag, in gewissen jugendlich schönen und lieblichen Hörpfen den Correggio nachzuahmen. Reggio und noch mehr Novellara hatten von ihm viele Wandgemälde, die jetzt grösstentheils untergegangen sind. Ein Theil seiner Fresken in der Burg von Novellara wurde auf Verwendung Franz III. ausgesägt, und in den Palast nach Modena gebracht. Zu Reggio und in Novellara waren ehedem seine meisten Werke, auch zu Parma, Ancona, Mantua, werden ihm einige zugeschrieben, doch ohne volle Beglaubigung. Reggio musste er verlassen, und so adoptirte er Novellara gleichsam als zweite Vaterstadt, von welcher er forthin den Beinamen Lelio da Novellara führte. Zu seinen Meisterwerken zählt man das Hauptaltarblatt in S. Michele zu Parma, die Madonna mit dem Kinde und den Erzengel vorstellend, wie er eine Seele abwiegt, ein in Lieblichkeit der Stellungen und des Colorits den Geist Correggio’s athmendes Bild. Seine Gemälde sind jetzt überall hin zerstreut, doch tragen nicht alle mit Recht seinen Namen. In der
Gallerie zu Wien ist ein liebliches Bild der Unschuld und Sanftmuth, — unter der Gestalt einer Jungfrau, welche ein Lamm an ihre bloße Brust drückt, Lebensgrosse halbe Figur. In der Gallerie des k. Museums zu Berlin sind manche von ihm eine kleine Darstellung des gekreuzigten Heilandes, zierlich gemalt, aber ohne tiefere Bedeutung: Ausserdem hinterliess Orsi auch geschützte Handzeichnungen, wovon der Ruf eines der besten Nachahmer Correggio’s. In der Hauptkirche seiner Geburtsstadt findet man seinen Leichenstein, auf welchem neben der Angabe seines Sterbejahres noch folgendes liest: Lelio Ursi, in Architectura in Pictura majori et in Delineamentis optimo Horatius P. C. 1587 obiit III. Maji aetatis suae 76.
Gestochen nach diesem Künstler wurden wenige Blätter: das wunderbare Madonnenbild bei den Serviten in Reggio, La Madonna miracolosa de’ Servi di Reggio, sitzend mit aufgehobenen Händen vor dem Kinde, von Giustua Sadeler in kl. fol., von J. Sadeler in 8., von Raph. Sadeler in 12., von einem Ungenannten in Vil-
Jamena’s Manier. Matt: Florini formis, gr. fol. Das geistreiche Blatt mit der heil. Jungfrau unter dem Baume in einer Landschaft sitzend, und den Schleier hebend; ist bezeichnet: Lelio da novellare inv. v. d. ‘Borcht fec. Zanetti hat diese Darstellung von der Gegenseite in Hell-Dunkel behandelt, und das Blatt der Rosalba dediciert.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_qsM-AAAAcAAJ_2/