Orley, Barend van, 323
„... jener Periode angehören. Vielleicht hatte B. v. Orley auch an den Cartons zu der zweiten Folge von Tapeten im Vatikan mitgearbeitet, die, größer als die ersten, unmittelbar nach Rafael’s Cartons ausge- führt wurden, an den Rändern nicht verziert sind. Im Allgemeinen der Kraft der Komposition, des Stils, hüpft sich an der Vielzahl, nach Rafael’s Eigenthum, an, dagegen aber von den go7 Leich auf einigen, dieser, typischen, niederländischen Charakters, so dass man mit ziemlichem Grunde vermuthen kann, dass B. van Orley u. a. die Cartons dazu ausgeführt haben. Als seinem hiermals schon früh erprobten Künstlerberufen in der Heimath die ähnlichen Aufträge genommen worden. Er leitete ebenfalls die Ausführung der ersten Folge von
3u!!7 Rafael’schen Teppichen.
Bernhard kehrte Barent van Orley wieder ins Vaterland zurück, wo Kaiser Karl V. ihn unter die Zahl seiner Hofmaler aufnahm. Besonders erwarb er sich die Gunst dieses Fürsten durch mehrere schöne Jagdstücke, nach welchen der Kaiser in den kunstreichen Fabriken zu Brüssel kostbare und prächtige Tapeten weben ließ. Die Gegenden und Holzungen um Brüssel waren in diesen Gemälden auf das treueste copirt, so dass Karl V. den Schäuplatz seiner Aufgemaligen Lust in ihnen wieder erkennen konnte; auch war dessen Bildnis und das der Fürstin und Fürsten seines Hauses, bei den Jagdfesten gegenwärtig gewesen, in diesen Gemälden vollkommen ähnlich dargestellt. Aus dem Dienste Karl V. trat Bernhard in den der Statthalterio der Niederlande, Margaretha von Parma, Kaiser Karl’s natürlicher Tochter. Auch diese Fürstin zeichnete den Künstler auf das ehrenvollste aus, und be- reitete seine Arbeiten mit königlicher Freigebigkeit. Für sie, wie früher für ihren Vater, malte er ausser vielen andern Bedeutenden Werken auch noch mehrere Cartons oder Patronen zu gewirkten Tapeten; Sechzehn von diesen wurden fast hundert Jahre nach ihrem Entstehen im Haag wieder an’s Licht gebracht. Auf jedem der selben sah man eine Fürstin oder einen Fürsten aus dem nassauischen Hause zu Pferde abgebildet, und alle waren von so seltener Vortrefflichkeit, dass der damalige Statthalter der Nieder- lande, Moritz von Nassau, sich bewogen fühlte, sie durch den Delft wohnenden Maler Hans Jordaen von Antwerpen copiren zu lassen. Neben den Arbeiten für den Hof schmückte Bernhard van Orley auch viele Kirchen und öffentliche Gebäude in den Nie- derlanden mit großen Gemälden.
eine der berühmtesten und schönsten derselben befindet sich in der Kirche St. Jakob zu Antwerpen, ein Flügelbild mit dem jüngsten Gerichte in der Mitte, auf dem einen der Flügel der Burgermeister Rockox mit den Söhnen, auf dem anderen die Fram mit den Töchtern als Donatoren. Dieses Gemälde gehört Orley’s spä- terer niederländisch-italienisirenden Manier an, und man erkennt darin das Streben, schöne Formen in mannigfaltiger Entwick- lung vorzuführen. Die Geschichte sagt, der Künstler habe die Tafel übergolden lassen, wodurch seine Farben an Glanz und Durchsichtigkeit unendlich gewonnen haben sollen. Den ihm seiner Voyage etc., und nach ihm Füssly geben dieses Gemälde für eine grosse gemalte Fensterscheibe aus, aber es ist auf Holz gemalt.
Für die Qa;ielle der Malerzunft zu Mecheln malte B. van Orley eine sehr gäpriesone Darstellung der heil. Jungfrau mit dem Kinde, „
wie er der heil. Lucas malt. Die Seitenbilder führte M. Coxcie aus.
In der Stiftskirche zu Antwerpen sind ebenfalls noch Bilder von Bernhard van Orley, und wenige in niederländischen Sammlungen. In der Gallerie des Prinzen von Oranien ist das schöne Bildnis einer Dame, die eine Katze im Arme hält, in der Art des Andrea del Sarto gemalt.
Im k. Museum zu Brüssel ist ein Bild aus der früheren Zeit des Künstlers, in welchem der italienische Eindruck wenig zu be- merken ist. Es stellt den Leichnam des Erlösers, von den Freun- den und Frauen beweint, vor, fast lebensgroße Figuren. Hier herrscht tiefer Ausdruck des Schmerzes und Mitleidens bei anmuth- voller Bildung der Köpfe. In Frankfurt am Main ist die ähnliche, aber spätere Darstellung. Das Bild in Brüssel ist wohl jenes, wel- ches Descamps in der St. Gudulakirche sah.
Der Verwalter des Hospitals du Grand Beguinage zu Brüssel be- sitzt angeblich von Orley ein Flügelbild, welches in der Mitte den Tod der heil. Jungfrau, und in aufsteigender Richtung ihre Aufnahme in den Himmel, und die Dreieinigkeit drei Figuren in rothen Mänteln auf dem Throne, vorstellt. Passavant, Kunstreise etc. 300, zweifelt an der Aechtheit des Bildes. Einige wol- len es dem L. Lumbard zuschreiben.
Ein Werk des Künstlers ist auch das grosse Gemälde des Haupt- altares der Kirche St. Veit zu Prag, welches man dem Hans Hulbein zugeschrieben hatte, und erst in neuester Zeit wurde es durch Hirt u. a. dem B. van Orley vindicirt. Die beiden Flügel- bilder wurden Correggio, und Giulio Romano zugeschrieben, man fand sie aber als Werke des Mich. Coxcie bestätigt.
In der k. Gallerie des Louvre zu Paris ist ein Bild der Vermählung Mariens von B. van Orley, und eine Geburt Christi aus der späteren Zeit des Meisters, die aber da irrig als L. Cranach gilt. Die Vermählung Mariens hält Dr. Waagen, Kunst und Künstler II. 542, für Orley zu hart und bunt; der etwas kalte Ton des andern Bildes deutet auf die spätere Zeit des Künstlers.
Ein ausgezeichnetes Werk dieses Künstlers bewahrt auch die k. Pinakothek zu München. Es ist dies der heil. Norbert, welcher mit dem ungläubigen Tanchlin über Glaubenssätze disputirt, und ihn wo möglich der Wahrheit zuzuwenden strebt, die Figuren sind klein, doch haben sie ausgezeichnete Köpfe. Die reiche, ita- lienische Architektur dürfte beweisen, dass das Werk aus der spä- teren Zeit des Künstlers stamme.
Im k. Museum zu Berlin ist ein Bild des heil. Hieronymus in der Studierstube, welches aber, nach Kugler, nur noch in den Nebensachen einiges Interesse hat. Ein zweites Bild daselbst stellt die heil. Familie vor, nach einer ziemlich streng symmetrischen Composition Rafael’s; bedeutender ist aber ein drittes eigenes Werk des Künstlers, eine schlafende Venus, die nach Kugler nicht ohne eine gewisse Grossartigkeit und mit einer glücklichen Annäherung an den Stil Michel Angelos gemalt ist. In diesem Museum sind auch einige dem B. van Orley verwandte Bilder.
Ein Werk aus des Meisters späterer Zeit ist der Leichnam Christi,
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Orley, Richard van; ‚375
von den Frauen und Freunden beäugnet, im Städel’schen Institute zu Frankfurt a. M. Dieses Bild ist von ganz ähnlicher Art, wie jenes im k. Museum zu Brüssel, sowohl rücksichtlich des Hauptgegenstandes, als der Behandlungsweise, es hat aber keine Flügelbilder, und statt des goldenen Grundes ist eine Landschaft angebracht. Das Gemälde kam aus Rom nach Frankfurt, und der Künstler scheint es daselbst auch gemalt zu haben, noch ergriffen von den Werken, die er in Venedig gesehen hatte.
Es sind noch andere treffliche Werke dieses Künstlers in den Gallerien zerstreut. Ausgezeichnetes in der k. k. Gallerie zu Wien.
Das oben erwähnte Bild des heil. Norbertas in der Pinakothek zu München hat J. Bergmann für das Boisserce’sche Galeriewerk in grossem Formate lithographirt.
Dann gibt es alte Holzschnitte mit großen und reichen Compositionen aus der Passion, die dem Hart. Heemskerk oder dem Bernhard van Orley zugeschrieben werden. In Becker’s Holzschnittwerk sind Abdrücke von diesen Platten.
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