Olivier, Woldemar Friedrich von

Olivier, Woldemar Friedrich von, Historienmaler, wurde 1791 zu Dessau geboren, und seine natürliche Anlage und Neigung zur Kunst erhielt durch das Beispiel seiner beiden älteren Brüder (Heinrich und Ferdinand) bald das Uebergewicht. Doch müsste er längere Zeit dem Vater als Hülfslehrer zu Seite stehen, bis er endlich unter Leitung des Bildhauers Hunold mit solchem Eifer auf das Modelliren sich verlegte, dass es schien, als wolle er selbst ein Bildhauer werden. Nach einiger Zeit fing er auch an, in Öl zu malen, und in der freien Komposition sich zu versuchen;

Olivier, Woldemar Friedrich von.
alles dieses ohne Anleitung, aber nicht ohne Erfolg. Ein planmäßigeres Studium trat für ihn erst in Wien ein, wohin er seinen Bruder Ferdinand 1811 begleitet hatte; im Jahre 1813 trat er aber in die Reihen der Vaterlandsverteidiger. Er wurde der Lützowschen Freischaren als Offizier zugeteilt, und dass Olivier seinen Posten mit Ehre behauptet habe, beweisen die Decorationen des Eisernen Kreuzes, des St. Anna- und St. Georgenordens. Während dieser unruhigen Zeit konnte er wenig der Kunst obliegen, im Jahre 1814 nahm er aber in Wien seine Studien wieder auf.
Bis hierher hatte Olivier besondere Vorliebe zu einzelnen charakteristischen Bildern, zum Allegorischen und Symbolischen, von jetzt an folgte er aber immer mehr der Richtung zum rein Biblischen. Im Jahre 1818 ging er zur weiteren Ausbildung nach Italien , und so kam er noch zu einer Zeit in Rom an, wo daselbst ein seltener Verein der vorzüglichsten Talente sich gebildet hatte, und die aus Deutschland mitgebrachten Arbeiten, worunter ein colorierter Carton, welcher den Einzug in die Arche vorstellt, das vorzüglichste war, verschaffte ihm die günstigste Aufnahme in demselben. Das erste von ihm im Rom ausgeführte Ölbild, Christus mit dem Zinsgroschen, gehörte zu einem Cyclus neutestamentarischer Vorstellungen, welche im Auftrage des Domherren von Amach neun deutsche Künstler dort ausführten. Neben den streng historischen Studien gab Olivier in Rom auch noch der Neigung zum Landschaftlichen Raum, die Bilder dieser Art sind aber immer mit historischer Staffage versehen. Im Jahre 1824 kehrte Olivier nach Wien zurück, wo er jetzt mit gutem Erfolge die Portraitmalerei übte, da er zu historischen Arbeiten keine andere Aufforderung fand, als die im Künstler selber lag; doch benützte er jede Musse zu einer Reihenfolge biblischer Compositionen, da schon damals die Herausgabe einer Bilderbibel im Hintergrunde lag. Das Verlangen nach einem größeren Wirkungskreise trieb ihn 1829 nach München, und das erste Werk, welches man da von ihm sah, ist ein Bild in Form eines Hausaltares mit Flügelthüren, welcher fünf auf die Geburt Christi sich beziehende Darstellungen enthält, mit ausserordentlichem Fleisse behandelt, im Charakter des 3. van Eyck. Im Jahre 1832 sah man von seiner Hand wieder zwei Ölbilder, die Hochzeit zu Cana und die Heimsuchung der Mariä vorstellend. Olivier malte auch im Königsbau zu München, in den Niebelungsälen und im Saale der homerischen Hymnen. Neben diesen Arbeiten beschäftigte ihn aber auch unablässig jener Lieblingsgedanke einer Volksbibel. Er arbeitete die in Wien vorbereiteten Zeichnungen ganz um, und sah sich endlich 1834 im Stande, die Herausgabe derselben zu beginnen. Dieses Werk hat sich Olivier gewissermassen zu einer Hauptaufgabe seines Lebens gemacht. Es ging aus einem tieffühlenden, innigen und kunstbegabten Gemüthe hervor, und jede billige Anforderung ist befriedigt. Thäter, Merz u. a. lieferten die Stiche. Sie erschien unter folgendem Titel:

  1. Volksbilderbibel in 50 Darstellungen aus dem neuen Testament von Fr. v. Olivier, mit Text von G. H. von Schubert. Gotha 1836 ff. gr. 8.
    Dann haben wir von diesem Künstler auch folgende lithographierte Blätter:
  2. Die Geburt des Weltheilandes mit der Verkündigung und Anbetung der Hirten, und der gute Hirt, Ehre sei Gott, Ehre sei Gott in der Höhe etc., der oben erwähnte Altar; 4 Blätter, qu. fol. und 4.

Immer, Heinrich von — Historienmaler, wurde 1785 in Dessau geboren. Sein Vater, der hochverdiente Pädagoge von Olivier, ein Standsmann des berühmten Pestalozzi, bemerkte in ihm schon früh- zeitig entschiedenen Hang zur bildenden Kunst, und suchte diesen Keim auch nicht zu unterdrücken, da er in seinem Erziehungs- plan auch den schönen Künsten eine Stelle einräumte. Der Va- ter hätte es indessen gerne gesehen, dass sich wenigstens einer seiner Söhne dem Unterrichte widme, allein weder Heinrich, noch seine zwei oben erwähnten Brüder, Ferdinand und Friedrich, hat- ten dem Wunsche des Vaters entgegen, sondern zogen es vor, der Malerei ihre Thätigkeit zu widmen. Das zu jener Zeit in Des- sau gegründete kalligraphische Institut war nicht ohne Einfluss auf die Richtung, welche die beiden älteren Olivier einschlugen, und dann war es Dr. C. W. Kolbe, der den Brüdern den sorgfälti- gsten Unterricht ertheilte. Fest entschlossen, die einmal betretene Bahn zu verfolgen, gingen die angehenden Künstler 1804 nach Dresden, doch mehr zur freien Benutzung der dortigen Kunstsamm- lungen, als um vom Besuche der Akademie Nutzen zu ziehen, in- dem die damaligen Kunstanstalten dieser Art bei dem heranwach- senden Geschlechte in Missachtung gekommen waren. Dass Hein- rich in Dresden der mehrjährige Gefährte seines Bruders Ferdinand war, haben wir im Artikel desselben gesagt, so wie auch, dass beide 1807 nach Paris sich begaben, wo ihnen das Musée Napoleon offen stand. Hier kamen ihnen reiche Quellen zum Studium jeglicher Art entgegen, und durch die Gnade ihres Landesfürsten fanden sie auch bald Gelegenheit, die Summe ihrer Kenntnisse in eigenen Werken darzulegen. Sie führten für die Kirche in Wörlitz zwei historische Bilder aus, deren Inhalt wir im Artikel des Ferdinand von Olivier bezeichnet haben, sowie jenen eines dritten Portraitbildes. Im Jahre 1810 verließen die beiden Olivier Paris, ohne dass die neufranzösische Schule auf den einen oder den anderen dieser Künstler Einfluss gehabt hätte, und Olivier sen. fuhr stets fort, nach der Weise der älteren sinnigen Meister seine Kunst zu üben. Er führte in Dessau eine bedeutende Anzahl schöner Werke aus, die sich durch Anmuth der Composition eben so sehr empfehlen, als durch Zartheit der Behandlung. Olivier lebte auch einige Zeit in Wien, und da kopierte er ein treffliches Bild des Pordenone, die heil. Justina vorstellend, und den Herzog Ercole von Ferrara als Magus vor ihr kniend. Das Original befindet sich im k. k. Belvedere, und die Kopie sahen wir 1853 auf der Kunstausstellung in München. Eigene Compositionen des Künstlers sieht man in den Kirchen seiner Vaterstadt und in Privatsammlungen. Olivier arbeitet noch gegenwärtig in Dessau.

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