Ohmacht blieb zwei Jahre in Italien , meistens in Rom , wo er Winckelmann’s Schriften, die antiken Marmore und die Werke neuerer Perioden studierte, so dass Ohmacht vollkommen theoretisch und praktisch gebildet das klassische Land der Kunst verließ. Jetzt unternahm er eine Reise durch die wichtigsten Städte Deutschlands, und in Lübeck scheint sich sein Ruf zuerst begründet zu haben. Hier fertigte er das Monument des Bürgermeisters Rhode in der Domkirche, welches selbst in mehreren Blättern öffentlich gewürdigt wurde. Im Jahre 1790 fertigte er zu Rottweil die Büste des Bürgermeisters Gassner, und früher mehrere sehr gelungene Büsten Klopstock’s, mit welchem der Künstler Freundschaft geschlossen hatte. In Mainz führte er das Bildnis des letz-
„Von dem Herzog in Marmor ausschmückten“ fand er zur Zeit der Krönung
Leopolds in Frankfurt viele Beschäftigung, und 1801 begab er
sich endlich nach Strassburg , wo sich Ohmacht mit kurzen Unterbrechungen,
bis an seinen 1834 erfolgten Tod, aufhielt. Hier
fertigte der Künstler eine bedeutende Anzahl von Werken, die
größtenteils zu seinen besten gehören. Sie beurkunden ein unermüdetes Studium
nach der Natur, und einen dadurch geläuterten Geschmack
der Antike . So wie seine Büsten voll Adel und Leben sind,
so trachtete er auch bei seinen Statuen, wenn ihm nicht schon ein bestimmtes Vorbild gegeben war,
nach Schönheit und Vollkommenheit der Form. Seine Bilder sind wohlgeformt,
Grazie athmend, und daher sagte der berühmte Bildhauer
David, der kurz nach Ohmacht’s Tod in Strassburg dessen hinterlassene Werke sah:
„On ne peut assez admirer les ouvrages d’Ohmacht; il est le Corrège des statuaires.“
Sein erstes Werk in Strassburg ist das Monument,
welches die Rheinarmeec dem bei Marengo gefallenen General Desaix
auf der Rheininsel bei Strassburg setzen liess. Die Idee dazu gab der berühmte Weinbrenner,
nach dessen Angabe auch der von den Kunstrichtern getadelte
colossale Helm auf dem Sarkophage gearbeitet ist. Hierauf stellte er
in einer Gruppe von 4 lebensgroßen Figuren das Urteil des Paris
dar, ein Werk in Sandstein, welches der Churfürst Maximilian von
Bayern 1804 für seinen Privatgarten in Nymphenburg bestellte.
Das Material ist Sandstein, und 1807 war das Werk vollendet.
Mittlerweile erledigte er auch andere Bestellungen:
so führte Ohmacht 1804 für den Kronprinzen v. Bayern die colossale Büste des Malers
Hans Holbein und 1810 jene des Erwin von Steinbach in Marmor aus.
Das reizende Bild eines Fauns (1806) und ein colossaler Neptun in Sandstein
wurden auf dem Landsitz eines Privatmannes in der Nähe von Strassburg aufgestellt,
ersterer aber 1813 nach Paris gebracht.
Eines der Hauptwerke des Künstlers ist das Monument des Professors Oberlin
in der Thomaskirche zu Strassburg, Hochrelief in Marmor,
von 1809–1810 vollendet. In der Mitte
des mit zwei Geniusköpfen und Laufwerk verzierten und von zwei
Säulen getragenen oberen Theiles bemerkt man das gut getroffene
Bildnis des Gelehrten im Medaillon, im mittleren Teil steht an
einem Altar die aus carrarischem Marmor gehauene Muse der Geschichte.
An dieses Denkmal reihen sich noch drei andere Monumente von Bedeutung.
Das eine, von 1814–1815 ausgeführt, ehrt das Andenken des Historikers Koch,
ebenfalls in der Thomaskirche. Eine am Fussgestelle des Altars,
auf welchem Koch’s Büste steht, ruhende Frau im antiken Costum,
die Mauerkrone auf dem Haupte, reicht ihm den Eichenkranz dar,
allegorisch die Dankbarkeit der Stadt gegen diesen ausgezeichneten Mann
darstellend. Die weibliche Gestalt ist von ausgezeichneter Schönheit,
der ausdrucksvolle Kopf ist zu bewundern, so wie ihn nur
„das Studium der Wahrheit in den Gestalten des Lebens und hellenischer Vorzeit“
finden konnte. Dann sind von ihm noch die Monumente des Theologen Emmerich
und des Arztes Reisseissen in der Thomaskirche. Sie sind im gotischen Stil ausgeführt,
und mit den naturwahren Büsten der Verewigten geziert.
Im Jahre 1819 fertigte er in die neue Kirche das Monument des Dr. Blessig,
wo man auf dem Sockel Christus mit den Kindern sieht.
Diese Monumente sind im Kunstblatt 1850 No. 6 mit Pigalle’s großartigem
Denkmal des Moritz von Sachsen verglichen, was zu folgendem
Resultate führte: Wenn in Ohmacht’s Monumenten das Große
und Kraftvolle der Ideen von Pigalle nicht erscheint, so haben
die Gegenstände des ersteren eine solche Lehmlu;ä nicht gefor- dert, mit sinnigem Gemüthe hat dagegen unser Künstler seine Aufgabe gelöst, und in Ideen, Composition und Darstellung sein seltenes Talent erwiesen. Er hat gezeigt, dass er die Formen und Grenzen der Natur kenne, dass er mit dem Geiste alter Symbolik und Sculptur vertraut, und dass ihm die Idee des Schönen Leite- rin bei allen seinen Schöpfungen sei. Die Bewunderung des Mei- sters wächst noch, wenn man erfährt, dass er nicht nach Punk- ten, sondern frei mit dem Meissel in der Hand arbeitete.
Ausser diesen Werken gehört noch eine lebensgrosse Venus in Marmor zu Ohmacht’s besten Werken. Er führte sie von 1810 bis 1812 aus, ursprünglich für einen Privatmann in Paris, der sie aber für 50000 Fr. nach Lissabon verkauft haben soll. Ein Werk ersten Ranges ist sein Christus zwischen zwei allegorischen weibli- chen Figuren in der neuen protestantischen Pfarrkirche zu Carls- ruhe. Im Jahre 1823 vollendete er die colossale Statue Adolph’s von Nassau im Dome zu Speier, grossartig im Style und mit Mei- sterschaft ausgeführt. Eine andere Säule des Künstlers, im Dome zu Strassburg, ist zum Andenken des General Kleber errichtet. Auf der Attike des neuen Theaters zu Strassburg sind die colossa- len Musen sein Werk. Von Büsten nennen wir noch jene des Präfekten Le-Jay, im literarischen Casino zu Strassburg aufge- steilt, und 1815 in colossaler Grösse behandelt; ferner die Büsten des Präsidenten Freiherrn von Türkheim und des Banquiers von Lotzbeck, von 1830. In einem Schlosse bei Rheims ist von ihm die Statue der Flora, eine graziöse Gestalt, so wie die Statue der Hebe in carrarischem Marmor, die der Künstler mit allen Reizen ausstattete. Er wiederholte dieses Bild, da das eine für Paris be- stimmt war; allein sie befanden sich beide noch 1835 im Nach- lass des Künstlers. Da sah man damals auch noch einige kleine Arbeiten in Alabaster: einen Hermaphrodit; einen Geniuskopf; das Monument einer Mutter, von vier Kindern umschlungen, und ein herrliches Bild einer Psyche in carrarischem Marmor, welche sich aufrichtet, um dem Amor nachzusehen. Die kniende Hebe war seines jetzigen Werkes. Dann unterlag er wiederholten Schlag- ussen.
Ohmacht war ein Mann von liebenswürdigem Charakter, beschei- den und schlicht, als Mensch so achtenswert, wie er als Künst- ler hoch stand. Er lehnte verschiedene Hofbildhauerstellen ab, um der Kunst in edler Unabhängigkeit leben zu können. Er zog ihr auch manchen tüchtigen Jünger. Sein Bildnis, 1821 von Begas gezeichnet, ist in der bekannten Portraitsammlung des Hofmalers C. Vogel von Vogelstein, jetzt im Besitze des Königs von Sach- sen. Guerin stach das Monument des Dr. Blessig in Kupfer.
Ohmacht selbst soll die Büste Klopstock’s lithographiert haben. Auf dieses Bildnis hielt er wenigstens sehr viel, und machte auch Abgüsse davon.
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