Ohlmüller, Joseph Daniel

Ohlmüller, Joseph Daniel, berühmter Architekt , geboren zu

Bamberg 1701, gestorben zu München 1830. Dieser im kräftigsten Wirken auf der Bahn zum schönsten Ziele vom Tode zu frühe dahingeraffte Künstler, war der Sohn eines wissenschaftlich gebildeten Bürgers, der daher dem Sohne zu gleicher Bildung jeden Vorschub gab. Von 1800 — 1811 besuchte der Jüngling das technische Institut seiner Vaterstadt, welches damals unter Leitung des 1823 verstorbenen A. Sensburg stand, und nebenbei frequentirte er am Lyceum die Vorlesungen über Naturwissenschaften. Schon früher hatte er Angesichts des Domes und anderer Überreste mittelalterlicher deutscher Kunst in Bamberg grosse Vorliebe für die Architektur gefasst, und als er jetzt auch noch die mächtigen alt-deutschen Baudenkmale in Ulm und Regensburg gesehen hatte, war er fest entschlossen, sich ausschliesslich der Baukunst zu widmen. Gegen das Ende des Jahres 1811 begab er sich dann nach München , um unter Prof. C. v. Fischer seine ernsteren Studien zu beginnen, und wie sehr ihm seine Ausbildung am Herzen lag, beweisen die Menge grosser Sepiazeichnungen von griechischen Portalen, Capitälen, Säulenstücken u. s. w. aus jener Zeit, jede mit ungezähntem Fleisse in natürlicher Grösse und darüber, mit genauer Angabe des Lichtes und Schattens ausgeführt. Dies war damals Sitte im Gebiete des architektonischen Unterrichts, und Vignola musste nach das Meiste thun. Im Jahre 1815 trat Ohlmüller eine Reise nach Italien an, um durch eigene Anschauung und durch das sorgfältigere Studium, der alten Baudenkmäler in seinem Fache sich allseitiger und gründlicher auszubilden. Er sammelte jetzt in Rom und zu Florenz, in Neapel und Sicilien einen reichen Schatz von Zeichnungen und Planen aller Art; denn als Freund der Natur und ihrer grossartigen Erscheinungen fertigte er selbst eine Ansicht des Vesuv, des Aetna u. s. w. Von grösster Genauigkeit sind seine Zeichnungen und Risse zum Tempel des Serapis zu Pozzuoli, dann zeichnete er auch die Tempel der Ceres und des Neptun in Paestum; den Tempel der Juno und die Fragmente vom Tempel des Jupiter Olympius zu Girgenti; die Tempel zu Segesta und Selinunt. An den Kunstdenkmälern Siciliens machte er die umfassendsten Studien, dann vom Junotempel zu Girgenti und vom Theater zu Taormina hinterliess Ohlmüller auch treu ausgeführte, vollständige landschaftliche Ansichten;

Die letzte Zeit seines Aufenthaltes in Italien verlebte er in Rom, und von da aus berief ihn L. von Klenze als Inspektor beim Baue der k. Glyptothek in München. Ohlmüller war da bis 1853 beschäftigt, und unterdessen auch zum k. Civilbauinspektor, so wie zum Mitglied des Baukunstausschusses in München ernannt, fand er jetzt Gelegenheit, auf das dort lebhaft und erfolgreich begonnene Streben zur Verbesserung des Landbauwesens, namentlich aber zur Verschönerung der Hauptstadt mitzuwirken. Nach seinen Plänen, und nach seinen Verbesserungen vorhandener Entwürfe, wurden viele Schulhäuser, Forst-, Ökonomie- und Zollgebäude, Pfarrhöfe, Dorfkirchen u. s. w. erbaut. Von ihm rühren auch die Pläne zu dem Badehause in Steben bei Würzburg und des Salinenamtsgebäudes zu Reichenhall her. Überdies fanden sich in seinem Nachlasse noch viele andere Entwürfe, die nicht zur Ausführung gekommen waren, und sämmtlich um 1820 entstanden seyn dürften, so wie auch verschiedene perspektivische Ansichten und Aufrisse von Kirchen und Häusern im byzantinischen Style in Ayvarell jener und der kurz darauf folgenden Periode angehören. Diese Zeichnungen sind von grosser Schonheit der Ausführung und in reinem Geschmacke entworfen, in vollkommenster Harmonie der Theile.

OranZallreich: sind ‚auch die Entwürfe und Studien ‚4, welch er 1824 „ zu einem ‚von seiner Vaterstadt projektierten Denkmale auf die „ 25jährige Jubelfeier des Königs Maximilian fertigte, was aber „ nicht zur Ausführung kam. Im Jahre 1826 fand Ohlmüller bereits „ Gelegenheit, in einem umfangreicheren und schwierigeren Bau- „ werke seine Kräfte zu versuchen. Damals erging von Dresden aus „ an die deutschen Architekten die Aufforderung, Plane einzusenden „ zu einem Gebäude, welches zur Aufnahme öffentlicher Schaugegen- „ stände jeder Art bestimmt wäre, das demnach passende Räume für „ Reitkünstler und Seiltänzer, ein Theater für optische Darstellun- „ gen, Säle für Menagerien, Naturaliensammlungen u. s. w. enthal- „ ten sollte, mit einer dem Ganzen entsprechenden Fassade ohne „ grössere Pracht, so dass dieses Gebäude mit dem bereits im „ griechischen Style erbauten Kaufhause auch eine Zierde des „ Platzes wäre. Ohlmüller erfuhr den Aufruf erst spät, und so konnte er „ nur ausgeführtere Skizzen einsenden, in welchen aber keiner der „ wesentlicheren Theile ausser Acht gelassen war, so wie das „ Gebäude auch in der gesammten inneren Einrichtung und Konstruk- „ tionsanlage den Forderungen der Zweckmässigkeit und Festigkeit „ genügen würde.

Bei allen diesen Arbeiten fand Ohlmüller auch immer noch Ge- „ legenheit, seiner Liebe zur altdeutschen Baukunst nachzuhängen, „ da nach und nach sein ganzes Wesen von der Schönheit und Be- „ deutsamkeit derselben durchdrungen ward. In seinem Nachlasse „ befinden sich die mannigfaltigsten Ideen und Studien, und es lässt „ sich aus diesen Blättern nachweisen, wie Ohlmüller stufenweise „ immer tiefer das Wesen dieser Kunst erfasste. Es sind dies Ent- „ würfe und Zeichnungen zu Wohnhäusern, Prachtgebäuden, Kir- „ chen und Thürmen, meistens überaus zierlich gezeichnet, oder „ auch auf das fleissigste in Aquarell ausgeführt. Überaus zierlich „ und anmuthig gezeichnet ist die Fassade einer Kirche mit zwei leicht „ durchbrochenen Thürmen an den Ecken der Vorderseite, die durch „ eine Gallerie verbunden sind. Dann findet sich in seinem Nach- „ lasse neben verschiedenen Grundrissen und schön in Aquarell aus- „ geführten perspektivischen Ansichten und Durchschnitten ein gross- „ artiger Entwurf zu einer bayerischen Ruhmeshalle im gothischen „ Style. Die Ausführung hätte indessen zu viele Mittel in An- „ spruch genommen. Die Grundform der Halle ist eigens gezeichnet, „ ein Achteck, dessen Ecken sämmtlich spitzwinklig ausgebrochen „ sind, so dass das Ganze einen Stern mit 16 Spitzen bildet, Strebe- „ bögen, nach dem Viertelkreise geformt, verbinden die 16 Thürm- „ chen der Ecken mit dem mittleren 16eckigen Unterbau. Alles die- „ ses ist zierlich in Aquarell ausgeführt. Es findet sich aber auch „ ein Plan zu einem ähnlichen Gebäude im griechisch-dorischen Style „ vor, ein langes, einstöckiges Gebäude mit sechssäuligem Portikus. „ 1826 hatte Ohlmüller allmählig angefangen, die ursprünglich von „ König Ludwig erfasste Idee einer bayerischen Ruhmeshalle für die „ Ausführung vorzubereiten, und nach allen Seiten hin auszubilden, „ indem er ihre Verwirklichung sogar im griechischen Style ver- „ suchte. Zuletzt aber doch beim altdeutschen Styl blieb. Er „ machte jetzt einen zweiten Entwurf in reicher Entwicklung und „ Fülle der Formen. Ein solcher zeigt einen achteckigen Aufbau, „ dessen unteres Stockwerk einen Rundbau bildet, der von sieben „ Capellen umgeben ist, in deren baldachinartig überdeckten Nischen „ die Büsten der hierfür bestimmten Männer zu stehen kommen „ sollten. Über dem Bau erhöht sich ein zweites, minder umfängliches, rundes „ Stockwerk, und das dritte, noch mehr zurücktretende Stockwerk

Ohlmüller, Joseph Daniel.

ist achteckig. Durch eine viereckig gestaltete Vorhalle tritt man in das Gebäude. Das Ganze ist reich mit Pfeilern, Spitzgiebeln und Thürmchen geziert, deren Ornamente von ungemeiner Schön- heit sind. Im unteren Stockwerke sind sieben Capellen zur Auf- stellung der Büsten.

Aus den vereinigten Motiven der beiden letzteren Entwürfe ging endlich Ohlmüller’s letzter, durch Größe, Pracht und Schönheit reich ausgezeichneter Plan zur Ruhmeshalle hervor, dessen Aus- führung schon nach dem Voranschlage des Architekten kaum weni- ger als dritthalb Millionen Gulden in Anspruch genommen hätte. Der Plan ist auf mehreren, zu einem Ganzen zusammengefügten Per- gamentblättern mit wunderbarer Genauigkeit bis in die kleinsten Details ausgeführt.

Endlich nahte eine Zeit, in welcher dem Künstler die Hoffnung blühte, einen selbstständigen großen Kunstbau nach eigenen Ent- würfen auszuführen. König Ludwig beschloss, in der Vorstadt Auer eine neue Kirche zu bauen, und liess daher an die berühmtesten Architekten die Aufforderung ergehen, zu diesem Zwecke Ent- würfe einzusenden. Ohlmüller trat ebenfalls als Mitbewerber auf, und sein Plan erhielt allgemeine Genehmigung. Am 28. November 1831 wurde der Grundstein gelegt, aber vergebens suchte man 1839 bei der Einweihung des Gotteshauses den Künstler. Er hatte sein Werk mit Liebe gepflegt, er sah es heranwachsen und sich aus- breiten in schönster Harmonie der Teile, er sah auch noch den zierlich durchbrochenen Turm mit dem vergoldeten Kreuze im Abendlichte schimmern, aber bald darauf sank er in die Grube. Später werden auch seine Gebeine in dieser von ihm gebauten Kirche beigesetzt werden. Aber sein Werk steht da, ein Tempel im reinsten gotischen Style erbaut, einer der schönsten seiner Art. Vier und achtzig Fuss über dem Beschauer breitet sich das kühne Gewölbe aus, getragen von zwanzig Säulen des Schiffes und von 6 Säulen im Chor. Hier ist überall die schönste Harmonie der Teile unter sich und zum Ganzen, Eintachheit und Schönheit bis zum kleinsten Zierwerk. Die Beleuchtung wird durch 10, mit den prächtigsten Glasmalereien geschmückte Fenster bewirkt. Die äus- serste Form ist durch einen schönen Stahlstich von G. Müller, und durch die Lithographie bekannt. Der Plan der Kirche wird durch Ziebland ebenfalls veröffentlicht, und die Fenster mit ihren architekto- nischen Verzierungen und Malereien gibt jetzt der Glasmaler F. Eggert in lithographirten und ausgemalten Abbildungen heraus. Ausführliche Bemerkungen über diesen Bau gibt Dr. R. Marg- graff in den Münchner Jahrbüchern für bildende Kunst. II 1840 S. 290.

Obgleich dieser Bau allein dem Künstler das ehrenvollste Anden- ken sichert, so müssen wir doch noch anderer Bauwerke und Ent- würfe erwähnen, welche in die Zeit nach der Grundsteinlegung der Auerkirche fallen. Dahin gehört zunächst das Nationaldenk- mal zu Oberwittelsbach, welches zu Ehren eines rühmlichen Ge- schlechtes 1852 gegründet wurde. Es ist im altdeutschen Style er- baut, in Gestalt eines schlanken, freiaufsteigenden Turmes, der etwa in halber Höhe mit Spitzthürmchen geziert ist, wodurch das Monument grössere Breite erhält. Hauptgesims krönt eine achtseitige, leicht durchbrochene Pyramide. Das Ganze ist einfach, aber es entspricht allen Anforderungen architektonischer Schönheit.

In demselben Stile wurde 1833 auch das Schulhaus in Oberwitlesbach gebaut, an der Hauptfassade in einem Giebel mit stufenförmigen, rechtwinkeligen Absätzen auslaufend, im Übrigen ohne kostspielige Verzierung; aber sehr solid gebaut.

Im Jahre 1833 wurde dem Künstler der Auftrag teilweise, eine Kirche im italienischen Stile zu bauen, zu welcher am 15. Oktober d. J. der Grundstein gelegt wurde. Es ist dies die Theresiankirche in Hallbergmoos. Im folgenden Jahre baute er wieder eine Capelle im gotischen Stile in Kieferlsfelden, auf der Stelle, wo König Otto von seinem Vaterlande Abschied nahm, als er nach Griechenland die Reise antrat. Der Grundstein der in ihren Verhältnissen ganz einfachen, aber wohlgefälligen Otto-Capelle wurde am 1. Juni 1854 gelegt. Von diesem Kirchlein gibt es eine lithographierte Abbildung mit dem Grundriss. Um diese Zeit fertigte er auch einen Plan zu einem Bibliothekgebäude, der sich vollständig durchgeführt in seinem Nachlasse befindet. Ohlmüller componirte hier im dorischen Stile, und zeigte in hohem Grade, wie sehr es ihm gegeben war, Schönheit mit Zweckmässigkeit zu verbinden. Im Besitze eines reichen Schatzes von Erfahrungen, wusste er jede Styl- und Constructionsart zum baulichen Zwecke anzuwenden, und so haben wir von ihm Entwürfe zu Gebäuden im korinthischen, dorischen, altrömischen, bizantinischen, romanischen und florentinischen Stile. Sein Sinn war nicht so sehr auf das Große und Erhabene gerichtet, als auf das Zarte, Wohlgefällige. Den höchsten Aufschwung nahm seine Phantasie beim Entwurfe der Ruhmeshalle, der ihm auch das weiteste Feld für Anmuth und Zartheit der Form darbot. Etwas Schöneres, Sinnreichereres und Grossartigeres kann man kaum sehen. Die Rolle, welche Ohlmüller als Mensch und Künstler spielte, war feine, glänzende. Er lebte mit ganzer Seele seiner Kunst, und seinen Berufsgeschäften. Im Jahre 1835 wurde er an Panzer’s Stelle k. Regierungs- und Kreisbaurath. Als solcher konnte er nur noch wenige Jahre wirken, und zum letzten Tagwerke zog er nach Hohenschwangau. Kronprinz Maximilian liess da die alte Schwanburg im mittelalterlichen Stile wieder herstellen, und Dom Quaglio wurde beauftragt, das Werk zu vollenden; allein dieser sinnige Meister starb 1857, in Mitte der Arbeit. Ohlmüller, von gleichem romantischen Geiste beseelt, vollendete das Ganze nach dem Plane seines Freundes Quaglio, und jetzt steht das Schlusswerk als Fürstensitz da, wie wenige seines Gleichen. Bald darauf erkrankte auch Ohlmüller, und was noch an der Kirche in der Au zu ordnen war, unternahmen dessen Freunde Ziebland und F. Jodl. Kurz vor seinem Tode ernannte ihn das k. National-Institut zu London zum correspondirenden Mitgliede. Scholl modelirte eine Statuette von diesem Künstler, die Keim in Gips abgoss. Ein ausführlicher Nekrolog von Dr. R. Marggraff ist im zweiten Jahresbericht des hist. Vereines von Oberbayern 1839. Da sind mehrere seiner Pläne und Entwürfe näher beschrieben.

Schliesslich erwähnen wir noch drei Hefte mit lithographirten Abbildungen von Grabdenkmälern im griechischen Stile. Dieses Werk begann der Künstler 1824. Es herrscht darin die griechische Grundform des Cippus, aber in der weiteren Gestaltung derselben offenbaren sich die anmuthigsten und sinnreichsten Motive, ein grosser Reichthum von edlen und schönen Ideen. Auch rühren von ihm mehrere, zum Theil in Ausführung gebrachte, Entwürfe zu Grabkapellen im römischen Stile her, wie die im Innern

kuppelförmig gewölbte und polychromatisch ausgeschmückte Rotunde der Familie Bohn auf dem Münchner Gottesacker. Die lithographierte Sammlung von Grabdenkmalen besteht in 17 Blättern mit Titel und Dedication an L. v. Klenze. Im Jahre 1859 erschien eine neue Ausgabe.

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