Oeser, Adam Friedrich

Oeser, Adam Friedrich, Maler und Radierer , wurde 1717 zu Pressburg geboren, wo sein Vater, ein Sachse, sich niedergelassen hatte. Neigung und Talent bestimmten ihn frühzeitig zur Kunst, die er auf der Akademie in Wien mit solchem Glücke umfasste, dass er bereits im 18. Jahre den großen Preis gewann. Seine vielseitige Bildung erwarb ihm die Liebe und Hochachtung von Künstlern und Kunstfreunden, und besonders nahm sich der Bildhauer Ra- fael Donauer seiner an, bei welchem Oeser in zwei Jahren ein treff- licher Bossirer wurde, und grosse Kenntnisse in der Geschichte der antiken Kunst und des Costümes erlangte. Seine Neigung ging in- dessen noch mehr auf die Malerei, und so ging er 1730 nach Dres- den, um unter Dietrich und Mengs seine Kenntnisse zu bereichern. In Dresden schloss Oeser auch mit Winckelmann Freundschaft, und dieser Maler war es, der Winckelmann’s erste archäologischen Stu- dien leitete. Winckelmann nennt Oeser im Briefe an Berendis (14. Dezember 1754) seinen einzigen und beständigen Freund, und am Schlusse seiner Gedanken über die Nachahmung preist er un- sern Künstler als den wahren Nachfolger des Aristides, der die Seele schildere und den Verstand male; gewiss ein viel zu artiges Compliment für den treuen Freund. Oeser’s Ruf verbreitete sich indessen immer mehr, der siebenjährige Krieg war aber im Allge- meinen der Kunst wenig günstig. Oeser hielt sich damals meistens zu Dahlen auf, beim Grafen zu Bünnu, nach erfolgtem Frieden ging er aber nach Leipzig , und als Churfürst Christian zu Dres- den eine neue Akademie gegründet hatte, liess er dem Künstler zwischen Dresden und Leipzig die Wahl. Oeser zog es vor, in Leipzig die Stelle eines Direktors der Akademie zu übernehmen. Der Churfürst ernannte ihn aber zugleich auch zum Professor der Dresdner Akademie und zum Hofmaler. Jetzt lebte Oeser mit gan- zer Seele seinem Berufe, und vor allem ging sein Streben darauf, einem besseren Geschmacke in der Kunst Eingang zu verschaffen. Er drang bei seinen zahlreichen Schülern auf strengere Zeich- nung, stellte bessere Muster auf, sah auf wissenschaftliche Bildung, und brachte es so teilweise zu nicht unglücklichem Resultate.

Seine Zeitgenossen priesen ihn als einen Künstler erster Größe;
die Nachwelt nimmt es strenger mit ihm, ohne desswegen zu ver-
kennen, was Oeser geleistet. So sagt Kugler (Gesch. II. 306), der
„dieser Künstler sei zwar nicht durch tiefe Energie und innerlich be-
deutsame Darstellung ausgezeichnet, er habe aber als ein abgesag-
ter Feind des manierierten Geschmacks seiner Zeit für eine edlere
Behandlung der Kunst mannigfach durch Lehre und Beispiel ge-
wirkt. Meusel, der seine Arbeiten von 1757–80 Mus. I. II. beurtheilt,
lauhte darin eine blühende Einbildungskraft, die glücklichste Er-
findungsgabe, Reichthum der Gedanken, einen feinen Geschmack,
Correctheit der Zeichnung, ein angenehmes Colorit, kurz Alles zu
finden, was einen großen Meister charakterisirt. Göthe (K. u. A.
J. 2.) stimmt aber dieses Lob wieder bedeutend herunter, wenn er
nur behauptet, Oeser habe sich bloß von den Eingebungen seines
eigenen schönen Talentes und durch seine gefälligen, doch zu
flüchtig und nebelhaft ausgeführten Malereien großes Lob erworben.
Daraufhin sagte ein Anderer, dass in Oeser’s Manier das nebulisti-
sche Prinzip herrsche. Wenn dann Meusel seine Einbildungskraft
eine blühende nennt, so kann man auf der anderen Seite wieder
behaupten, dass sie nicht reich gewesen ist. Bei Betrachtung sei-
ner Werke sieht man, dass sich der Künstler oft wiederholt habe.
Wenn man daher eines seiner Gemälde gesehen hat, wähnt man
auch beim anderen, es schon gesehen zu haben. Leipzig besitzt
verschiedene Werke von seiner Hand, unter denen besonders die
Gemälde in der Nikolaikirche anzuführen sind. Dann befasste
er sich auch mit der Plastik. Nach seinen Modellen, teils von
ihm selbst, und teils unter seiner Aufsicht ausgeführt, sind: die Statue
des Kurfürsten von Sachsen auf der Esplanade zu Leipzig, das
Monument der Königin Mathilde von Dänemark zu Zelle, und
jenes von Gellert in einem Privatgarten zu Leipzig. Endlich fertigte
Oeser auch viele Zeichnungen, die gewöhnlich coloriert, in Bister
und in Rothstein ausgeführt sind. Er arbeitete noch wenige Tage
vor seinem 1790 in Leipzig erfüllten Tode. Sein letztes Werk
war ein Christuskopf. Der liebevollere, heitere Greis hatte
seine beiden Söhne überlebt, die seine Freude waren, und die
jüngere Tochter war an den Kupferstecher C. G. Geyser vermählt.

Bause stach nach ihm: Noah und seine Söhne; den barmherzi-
gen Samariter; Abraham’s Brüder; Abraham auf Moria; Isaac
und Esau; den Ritter mit dem Mädchen von zwei Genien gekrönt;
jeune cousine; die Bildnisse von Gellert, Wendler, und Jerusalem; Geyser: die Monumente Gellert’s und Sulzer’s; Vignetten zu Wieland’s Werken, zu Thümmel’s Inoculation der Liebe, zu Weier’s lyr. Gedichten, zu Zimmermann’s Einsamkeit etc.; Crusius und Stock: Vignetten und Romankupfer; J. H. Wiese: Noah und seine Söhne; Mille. Barkhaus: einen Mannskopf mit Pelzmütze etc.

Eigenhändig radirte Blätter, worunter auch das eigene
Bildnis des Künstlers ist.

  1. Die Beschneidung Christi. G. van den Eckout pinx. Fried.
    Oeser inv. Dresdae 1756, qu. 4. Selten.

  2. Die Darstellung im Tempel, nach Rembrandt, qu. fol. Mit
    Dedication von Bland. Bei Weigel 12 gr.

  3. Saul ruft Samuel’s Schatten, nach Rembrandt 1765, Kkl. fol.

  4. Die Familie Mano’s liegt voll Verwunderung zur Erde, als
    der Engel verschwand, nach Rembrandt, qu. fol.

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