Ochse, Paul Mathias, Maler, Zeichner, Lithograph und Cali- graph, wurde 1708 zu Kapuvar im Oedenburger Comitate in Un- garn geboren, wo sein Vater, aus einer Schweizerfamilie stam- mend, Rentmeister war. Letzterer starb in Folge eines Sturzes vom Pferde, als Paul erst vier Jahre zählte, und so zog die Mut- ter mit ihm nach Oedenburg. Hier besuchte er die Schule, zeich- nete aber noch viel lieber mit Kohle , Röthel, Blei etc. Figuren und Gegenstände des Tages an die Wand, und riss die Blumen des Gartens aus, um sie zu malen, Allein dies zum Erstaunen der Umgebung und ohne Anleitung. In der Schule war er der allein- ige Schönschreiber, und dann wurde er auch Musiker aus sich selbst, so wie Uhrmacher und Mechaniker . Allein nach vollende- ten Studien musste er die Canzlei einer Distriktsbuchhaltung hü- ten, bis ihm endlich das Mechanische der Arbeit zu vollem Eckel wurde. Jetzt kam er nach Wien in die Akademie der Künste, und nun erkannte er das Ziel, nach welchem er streben sollte. Er
wurde in die Schule der historischen Zeichnung aufgenommen, und Prof. Maurer entdeckte in seinem Schüler bald ein vorzügliches Talent. In den Ferienzeiten studierte er in den Gallerien nach al- ten Meistern; auch malte er eine Madonna nach Mengs in Lebens- grösse, die durch eine zweite Hand als Altarbild in die Schotten- kirche kam. Ochse überflügelte in kurzer Zeit alle seine Mitschü- ler, und in dem vom Direktorat ausgestellten Diplome heisst es unter Anderem, dass er durch den versammelten akademischen Rath als der Erste und Würdigste erkannt sei. WL
In selbstständiger Lage lithographierte er eine Madonna von An- drea del Sarto, und nachdem er ein halbes Jahr Zeit und Mühe verwendet hatte, sah er, beim Drucke, seine ganze Hoffnung ge- täuscht. Doch unverdrossen ging er wieder an eine neue Arbeit,
und jetzt wurde seine Mühe vollkommen belohnt. Er
hielt Carlo Dolce’s Gesu all’ orto, ein 11 Zoll hohes und
driftig Blatt, welches mit einer nie gesehenen Fertigkeit
behandschaftet war.
Ferner lithographirte er eine Madonna von Rafael, und zwar
mit solcher Meisterschaft, dass das Blatt Alles übertraf, was bis da-
hin in diesem Fache in Wien geleistet wurde. Das Urbild besitzt
heute den Marquis Stafford in der Bridge-Water-Galerie.
Dieses vorzüglich schöne Blatt, welches sogar von Kennern für
Kupferstich angesehen wurde, zog die Aufmerksamkeit des Cura-
tors der k. k. Akademie auf sich, und dieser ließ den Stein bei
Delpeche in Paris drucken. Der höchstselige Kaiser Franz J. hatte
auf mehrere Exemplare pränumerirt, allein der Tod entzog sie sei-
nem Blicke, und Kaiser Ferdinand nahm die Abdrücke statt des
Vaters huldvoll an. (Nach einer Mittheilung des Privatiers Grün-
ling in Wien.)
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