Northcote, Thomas James, berühmter englischer Maler, wurde 1742 geboren und von Reynolds in der Malerei unterrichtet, bis er endlich nach Italien sich begab, um die Meisterwerke der Schulen jenes Landes kennen zu lernen. Northcote studierte in Rom und begegnete was von antiker Plastik und von neueren Malwerken ihm vorkam, und nach dem Begriffe seiner Zeit war desswegen auch dasjenige vollkommen, was er selbst geschaffen hatte. Nach England zurückgekehrt fand er daher selbst neben seinem Meister und neben J. Opie, die er indessen beide nicht vollkommen erreichte, glänzende Anerkennung, und es fehlte ihm nie an ehrenvollen Aufträgen. Schon 1788 öffnete ihm die Akademie ihre Thore, und es ward ihm vergönnt, mehr als ein halbes Menschenalter in Tätigkeit hinzubringen. Northcote starb erst 1832.
Die Anzahl der Werke dieses Künstlers ist sehr bedeutend, und darunter sind viele im Kupferstiche bekannt. Mehrere seiner Bil-
„Die wurden mit großem Lobe erhoben, andere wurden weniger günstig beurtheilt. Im Ganzen aber glaubte man, dass Northcote’s Talent im Ausdrucke sich am glänzendsten zeige. Auch in der Composition räumte man ihm Vorzüge ein, noch mehr aber in der Färbung. Dieses Verdienst erkennen auch neuere Kunstrichter an. So sagt Dr. Kugler, Geschichte der Malerei, 1. 208, dass dieser Künstler durchweg eine gewisse Kraft in der Färbung habe, ohne den weiteren Verdiensten seines Meisters oder den Vorzügen des Opie gleichzukommen. Doch auch im Ausdrucke lässt ihm die Nachwelt noch teilweise Ehre widerfahren. Dr. Waagen (Kunst und Künstler etc.) sagt z. B., dass ein Gemälde des Sir Thomas Baring, welches den Besuch des Richard von Yorck beim alten Mortimer im Gefängnisse vorstellt, Kupfer von grosser Wahrheit und Individualität habe. Ein Bild von grosser Wirkung ist auch jenes mit der letzten Scene aus Romeo und Julie in derselben Sammlung. Der Bruder Lorenzo ist hier das Bildniss des Künstlers. Auch bei Fiorillo und in andern früheren Schriften finden die Darstellungen aus Shakespeares hervorgehoben. Er malte deren mehrere für Boydell, der sie für seine bekannte Shakespeare-Gallerie stechen liess. Für dieses Prachtwerk malte er König Johann, Act. IV. S. 4, gestochen von R. Thew; König Richard III., Act. V. S. 2, gestochen von demselben; eine Scene aus dem ersten Theil von Heinrich VI., Act. I. S. 5, gestochen von demselben; eine andere aus dem dritten Theil von Heinrich VI., Act. I. S. 3, gestochen von Th. Ryder, und die siebente Scene des fünften Aktes, gestochen von J. B. Michel; Romeo und Julie, Act. V. S. 3, das im Besitze des Th. Baring befindliche Bild, gestochen von P. Simon; Richard III., Act. IV. S. 3, gestochen von J. Heath; Romeo und Julie, Act. I. S. 5, gestochen von A. Smith; Romeo und Julie, Act. IV. S. 3, gestochen von P. Simon; Richard III., Act. II. S. 1, gestochen von B. Reading. Zu seinen Besten Werken werden noch gezählt: Jael und Sisera, die Rettung des Capitain Englefield und eines Theils der Schiffsladung des Centaurs, der Tod des Prinzen von Braunschweig beim Austritt der Oder, das Bild eines Löwen und eines Tiegers, die noch auf der Leinwand Schrecken erregen sollen, jenes des verliebten Löwen und der Löwin unter den Jungen, der gepriesene Kampf des Geiers mit der Schlange, die Bildnisse des Königs von England, des Admirals Hyde Parke, des Kaisers Napoleon, des düster ernsten Godwin, des Viceadmiral Hood, des berühmten Schauspielers Betty-Roscius, einmal als Hamlet, das anderemal, wie ihn die Musen Bildnisse berühmter Londoner Schauspielerinnen, in den Tempel des Ruhms führen, u. s. w. Alle diese Werke sind aus der Blüthezeit des Künstlers, und an diese reihen sich viele andere, da Northcote noch im achtzigsten Jahre arbeitete. Was von Th. Gaugain (Schiffbruch des Centaurs), J. Parker, W. Ward, Fisinger (Lord Hood), J. Murphy (Le tigre), J. R. Smith, C. Knight, E. Barlom (der Löwe, die Löwin mit den Jungen) gestochen wurde, siehe die Artikel dieser Künstler.
Er gab auch sechs Blätter heraus, welche die Arbeit und die Faulheit darstellen. Es ist dies die Geschichte zweier Mädchen, wovon eine elend im Hospital stirbt, während die andere sich glücklich verheiratet. In seinem hohen Alter befasste er sich mit Zeichnungen von Fabeln, die originell und geistreich aufgefasst sind. Schon in früherer Zeit hatte der Künstler mit ausserordentlichem Beiwillen Tiere gemalt, und auch in diesen späten Zeichnungen bewies er noch sein grosses Talent in Darstellung tierischer Natur.
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