Neureuther, Eugen Napoleon, Maler und Kupferstecher , wurde 1806 in München geboren, und von seinem Vater Ludwig in den Anfangsgründen der Kunst unterrichtet. Er hatte bereits in Bamberg , wo Ludwig Neureuther lebte, im landschaftlichen Fache, sowie im Portraitzeichnen schöne Proben eines glücklichen Talentes gezeigt. In seinem 17. Jahre begab er sich aber nach München, wo sich dasselbe in unerschöpflicher Mannigfaltigkeit auf das Vollkommenste entwickelte. Unterstützt von dem königlichen König Maximilian, besuchte er in München zuerst die Akademie, um sich im Landschaftsmalen auszubilden, nach dem Tode des Königs zogen aber Verhältnisse, auf eigenen Erwerb zu schenken. Diesen ihm sein Meister P. von Cornelius, welcher schon früher die vorherrschende Neigung des jungen Künstlers zur Arabeske bemerkte. Cornelius malte damals seine grandiosen Bilder in der königl. Glyptothek, und nun fand Neureuther Gelegenheit, in diesem neuen, bis zu jener Zeit nie mit solchem Geiste gepflegten Kunstfache sich öffentlich zu zeigen. Er malte da im trojanischen Saale zum Teil die Blumengewinde und Arabesken; letztere nach den Entwürfen des P. von Cornelius. Diese Bilder gehören zu den ersten, welche Neureuther in Farben ausführte. Seiner früheren Zeit gehören aber auch die Malereien in den Arkaden des königl. Berggartens an. Er malte die schönen Waffen, und C. Sippmann die Blumengewinde. Gleichzeitig mit diesen Werken und teilweise nach früher entstandene kleinere Blätter, die seit O. Runge’s Versuchen einzig in ihrer Art dastehen. Es sind dies die Randzeichnungen zu Göthe’s Balladen und Romanzen, die von 1829 bis 1839 in fünf Heften erschienen. Die Versuche, welche er an Sangs auf den Rat von Cornelius nach Göthe’s Romanzen machte, erwarben sich in solchem Grade den Beifall des Dichters, dem er sie zur Ansicht übersandte, dass Neureuther sie selbst mit der Feder auf Stein zeichnete, und diese Compositioen enthalten die obigen Blätter. Es waltet darin originelle Phantasie, Fülle der Gedanken, scharfe und charaktervolle Auffassung der mannigfaltigsten Naturformen und bewunderungswürdige Gewandtheit, solche in leichten, und freien Zügen des Urnaments auf eine dem Auge wohlgefüllte, dabei ungebundene, spielende Weise zu vereinigen. Diese Randzeichnungen erwarben daher dem Künstler die ungeheure Aufmerksamkeit des Dichters selbst und des größeren Kunstpublikums. Den darin herrschenden Charakter, das Fortspinnen
des im Gedichte enthaltenen Gedankens auf neue, eigenthümliche
Weise, bezeichnet Goethe selbst als höchst prägnant, als eine neue
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