Netscher, Caspar. , 195
Leitung, die..Malerei zu erlernen. ‚Koster, malte ‚nur. Vögel und todtes Wild, Netscher aber war, damit. bald nicht mehr zufrieden, er 'sehnte sich nach etwas Höherem, und so begab er sich nach Deventer zu G. Terburg. Hier erlangte er grosse Geschicklichkeit, so. dass. er in halben Figuren fast: den Meister übertraf., Er soll sich auch, bei G. Dow umgeschen: haben , und um Alles zu versuchen, entschloss er sich zu der Reise nach Rom ; allein in Bordeaux vermählte er sich mit einem hübschen Mädchen, und nie mehr sah er Rom. -Netscher liess sich im Haag nieder, wo seine Cabinets- stücke, ihm grüsseren Beifall als Lohn brachten, Mittlerweile ver-
mehrte sich aber seine Familie, und so sah sich der Künstler ge- nöthiget, grösstenlhcih Bildnisse zu malen. Doch auch diese ge- währen meistens den Eindruck von Genrebildern, da er Episoden anbrachte, und Alles auf das wohlgefülligste arrangirte. In seiner früheren Zeit malte er auch historische Darstellungen, gerne aus
der römischen Geschichte, _ oder mythologische Bilder; seine Ca-
binetsstücke sind aber nicht in groösser Anzahl vorhanden, und jetzt meistens in ständigen Gallerien aufbewahrt. Die meisten sei- net Bilder malte er in Haag, man könnte aber glauben, er sei auch in England gewesen. Walpole nennt nämlich die Bildnisse
des Königs Wilhelm und der Königin Maria, welche Netscher kurz vor der Revolution gemalt haben soll. Beide Bilder waren in der Sammlung des Herzogs von Portland . Vertue (Walpole
- beschreibt von ihm fünf sehr bewunderte Scenen auf Einer
lfe„l von, 1676. Man sieht darauf eine Lady mit dem Hunde, eine zweite Lady, den Lord Berkeley von Stratton, dessen Ge- mahlin (und einen seiner Diener. In den letzteren Jahren seines Lebens war Netscher sicher wieder im Haag, wo er endlich vom Podagra und von Steinschmerzen übel zugerichtet 1684 starb.
Netscher malte gleich Terburg meist Vorgänge aus dem Leben der höheren Stände, und gibt ihm in meisterlicher Darstellung vom seidenen Stoffen, in Feinheit des Umrisses, und in Kennt- niss des Helldunkels nichts nach. Seine früheren Bilder sind mit starkem Impasto in einem Goldton, seine späteren, im Gefühle kälteren, in einem feinen Silberton gemalt. So urtheilt Waagen,
Kunst und Künstler etc. 111.:397, von den Werken dieses Künst-
lers. Kugler, Gesch. der Malerei II. 210, sagt, in vprnehmeren
Scenen, und insbesondere in Darstellungen, welche ihrem Gegen-
stande nach der Historienmalerei angehören, fehle es diesem Künst-
ler an, der unbefangenen, naiven Auffassung, und er erscheine nicht selten manierirt; dagegen habe er in Bildern, welche die einfachere Darstellungsweise des G. Dow befolgen, sehr Treffliches und Anziehendes geleistet. Es gibt auch mehrere frühere Schriften,
welche sich Urtheile über Netscher erlauben, sie gehen aber fast
alle nur auf das Technische ein, und beschränken sich im Übrigen auf allgemeine Lobeserhebungen:
In der k. Gallerie zu Dresden sind mehrere Bilder von Net- scher, und darunter dürfte die Kranke mit dem Doctor vielleicht das Meiststück seyn. Dann sieht man da eine Dame mit dem
Notenblatt in Fenster, deren Gesang ein Herr mit der Guitarre
begleitet, angeblich Netscher und seine Frau. Ein anderes Bild
stellt eine Dame an der Toilette dar, welcher ein Knabe das Früh-
stück bringt; auf zwei anderen Gemälden sieht man eine nähernde Feale, hält eine Spinnende Bäuerin; ein drittes stellt eine Clavier- spielerin dar. Dann ist in Dresden auch ein Bildnis der Frau v.
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In der k. Pinakothek zu München ist ein historisches Bild von Netscher, Bathseba im Bade vorstellend, wie ihr eine Alte den Brief überreicht. Das zweite Gemälde stellt eine in weissen Atlas gekleidete Dame vor, welche singt, gegenüber schlägt ein Mann den Takt, und ein zweites Frauenzimmer mit dem Hunde auf dem Schoß horcht zu. Das dritte Bild ist ein Nachtstück, ein Knabe, der die Pfeife bläst;
Bei Lord Ashburton in London ist das schon von Descamps erwähnte und von Wille gestochene Bild eines schönen, prächtig gekleideten Knaben, der an einer Fensterbrüstung Seifenblasen macht, ein Gemälde aus der besten Zeit des Künstlers. Dr. Waa- gen (Runst etc. II, 88) erwähnt dieses Bildes, und kommt dabei zum Ausspruche, dass kein anderer Holländer so den unschuldigen Reiz schöner Kinder wiederzugeben verstanden habe, als Netscher.
Waagen erwähnt H. 143 ferner auch eines Bildes im Besitze des Sir Th. Hope zu London, welches eine Dame in weissem Atlas vorstellt, die den Papagey füttert, und ein Herr die auf der Fen- sterbrüstung sitzende Meerkatze. Dieses ausgezeichnete Gemälde ist von 1;
In der Stafford-Gallerie ist Vertumnus und Pomona, von J. Ber- nard gestochen,
In der Sammlung des Marquis von Hertford ist das Bild des Klöpplers, "
In der Gallerie des k. Museums zu Berlin sind drei Bilder von ihm: Pomona und Vertumnus, in seiner Verwandlung als alte Frau, 1681 gemalt; das Brustbild einer reich geschmückten Dame, welche die Laute spielt; eine Küchin unter mancherlei Gerätschaften und Küchenvorräthen, tüchtig behandelt, von „strenger Natur- wahrheit in allen Einzelnheiten,";
In der Gallerie des Louvre zu Paris ist eines der schönsten Werke des Künstlers. Es stellt eine junge Dame im blauseidenen Kleide mit der Bassgeige vor, wie ihr der Lehrer das Notenblatt reicht, während ein Knabe die Violine bringt. Etwas lockerer be- handelt ist ein zweites Bild; ein sitzendes Mädehen mit dem No- tenpapier, und gegenüber der Lehrer mit der Laute. Hinter dem Mädchen steht eine Frau.
Im Musée Napoléon war einst Netscher’s Familienbild; er begleitet den Gesang seiner Tochter mit der Gitarre, und die Mutter horcht zwei Knaben, von welchen der eine ein Glas hält; die schlimme Neuigkeit: le portrait cheri; und die beiden oben erwähnten Bilder, ';
In der k. k. Gallerie zu Wien sieht man das prächtige Bildnis eines vornehmen Mannes in Falzkleidung im Lehnsstuhle am Ti- sche. Die Attribute verkünden ihn als Freund der schönen Wis- senschaften, 0 Er r m In der herzoglichen Gallerie zu Gotha ist von Netscher eine Wiederholung von Terburg's väterlicher Ermahnung, 1655 gemalt. Rathgeber (Annalen der niederl. Kunst S. 258) sagt, man vermisse in diesem Bilde keine der Schönheiten des Originals; statt der Härte der älteren Malweise Terburg’s sei in der Ausführung jene Sanftetheit angewendet, welche jetzt noch in vereinzelten Anklän- gen der Dow’schen Schule erscheint, aber unter dem Rembrandt’s oder folgenden Periode der Träger der niederländischen Kunst wurde.
Im k. niederländischen Museum zu Amsterdam ist ebenfalls eine Szene aus dem Familienleben des Malers, wie er zur Seite seiner Gattin mit der Thür den Gesang seiner schönen Tochter begleitet. Abgebildet in dem lith. Galleriewerke.
In Florenz ist ein Familienbild Netscher’s, in dem die noch jugendlichen Eltern, ein Knabe und ein Mädchen. Ferner ist in der k. Gallerie ein Frauenzimmer, welches, bei brennendem Lichte am Tische schlafend den Wecker der Uhr stellt.
Alle Bilder dieses Künstlers aufzuzählen, liegt nicht in unserm Plane; folgende nach ihm gestochene Blätter mögen als Supplement gelten.
Anselin, J. L. ‚La parure naturelle. Audoin, P., L’accompagnement du Luth.
Baillie, W., James Duke of Monmouth zu Pfalz, im Grunde ein Gefecht,
Basan, La crédulité invisible (Vortumnus und Pomona)
Bause, Rosette mit Rosen.
Bernard, Jos., Vertumnus amoureux de Pomona, in der Staffordgallerie. Schwarzkunstblatt,
Bloeteling, A., Constantin Huygens,
Boizot, M. L. de, Netscher’s Knabe am Vogelbläser°, ein junger Oriental am Fenster, beide aus dem Cabinet Choisin
Chereau, Vertumnus amoureux de Pomona, in dem Schwarzkunstblatt,
Coelemans, zwei Kinder mit einem Vogel. Cabinet Beyer.
Davu, F., Netscher’s Familienbild, sein eigenes Bildnis mit Frau und Sohn.
D’Hartre, J. M., A musical conversation, aus Roger’s Cabinet,
Dungourc, J. D., Prière à Venus, drei Frauen schmücken die Statue der Venus, reiches Bild aus der Gallerie Orleans.
Duplessis-Bertaux und Halbou, Les Bohémiens, aus der Gallerie Orleans,
Folkema, J., Le médecin de Angé.
Gaucher, C. E., Le repos, eine nackte junge Frau auf dem Ruhebette,
Geyser, Netscher’s Kinder.
Gole, J., Orispin et Mezetin.
Hanfstängel, Lith., die Clavierspielerin, die Sängerin u. s. w. in Dresden.
Hemery, A. F., ein Kind im langen Mantel mit dem Feder- hut; das Bildnis Netscher’s; jenes seiner Frau.
Klauber, J. F., Netscher’s Bildnis, am Fenster stehend.
Krüger, ein singendes Frauenzimmer, welches ein Herr mit der Laute accompagniert, das Bild in Dresden,
Lepicier, Le jeu de Piquet (aus dem Cabinet Julienne).
Lingee, Mme., zwei Kinder, welche Seifenblasen machen,
Schenk, F. P., eine Dame mit der Bassgeige.
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