Nesselthaler oder Nessenthaler, Andreas

Nesselthaler oder Nessenthaler, Andreas, Zeichner und Maler, geboren zu Langenäsarhofen in Niederbayern 1748, ge- storben zu Salzburg 1821. Dieser Künstler war von Jugend auf ohne Unterstützung, und nur seinem eigenen Talente verdankte er, was er wurde. Sein Vater war ein Uhrmacher , der nebenbei auch handwerksmäßig die Malerei betrieb. Dieser war ihm bis in sein 16. Jahr Lehrer und Vorbild, und als er endlich nach Baden in Österreich kam, wo sein Onkel ein mittelmäßiger Maler war, musste er, statt dass sein schneller Wunsch, ein Maler zu wer- den, in Erfüllung ging, fünf Jahre mit der Vergoldung zubrin- gen. Doch seine Liebe zur Malerei erlosch nicht; er copirte da- bei an Sonn- und Feiertagen die Gemälde der umliegenden Kir- chen, das Bildnissmalen wollte ihm aber noch nicht gelingen. End- lich hatte er das Glück, zu Maulbertsch nach Wien zu kommen, wo er sieben Jahre mit ausserordentlichem Fleisse die Akademie besuchte, bis er endlich 1779 auf Vermittlung seines Meisters die Reise nach Italien antreten konnte. In Rom malte er einige Zeit an den Copien, die Unterberger nach Raphael’s Loggien-Gemälden für den k. russischen Hof fertigen musste. Im dritten Jahre seines Aufenthaltes in Rom wurde er von der Königin von Neapel einge- laden, mit Füger in Caserta ihr Bibliothekszimmer mit allegori- schen Darstellungen zu zieren, und beide Künstler erledigten sich mit voller Zufriedenheit ihres Auftrages.

Nesselthaler kehrte hierauf nach Rom zurück, um die Denkmä- ler der alten Kunst genauer zu studiren, bald aber nahm die En- caustik seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Er hatte im Her- culanum und zu Pompeji Werke der encaustischen Malerei der Al- ten kennen gelernt, und nun fing er an, das Verfahren derselben zu erforschen. Er malte mehrere Bilder in encaustischer Manier, und man fand sie so gelungen, dass zuletzt die Encaustik zur Lieb- haberei wurde, welche der Hofrath Reifenstein pflegte. Dieser

beredte Cicerone war Nesselthaler’s Freund, letzterer musste ihm aber öfter das Lob überlassen, wie dies mit den künstlichen Mond- scheinen der Fall war, womit Reifenstein bei der verwittweten Grossherzogin von Weimar sehr gross that. Doch von diesen Transparenten erzählen wir erst weiter unten, in der ersteren Zeit beschäftigte ihn mehr die Encaustik. Nesselthaler malte für das encaustische Cabinet der russischen Kaiserin eine bedeutende An- zahl von Bildern: die aldobrandinische Hochzeit; Alexander und Roxane nach Rafael; Amor und Psyche in einer Landschaft; meh- rere kleinere Bilder nach Art der Cameen u. s. w. Die Bestellun- gen für den russischen Hof waren bedeutend, Nesselthaler führte aber nebenbei auch für andere Herren und Damen enkaustische Bil- der aus, bis ihn endlich der Erzbischof Hieronymus nach Salz- burg an seinen Hof berief. Seine ersten Werke, welche er da ausführte, sind zwei Darstellungen aus der deutschen Geschichte: Hermann’s Bund gegen die Römer und die Friedensgesandtschaft der Römer an die Deutschen vorstellend. Nach Beendigung dieser Bilder malte der Künstler für den Erzbischof eine Reihe encausti- scher Gemälde, und binnen drei Jahren waren 56 Stücke verschie- denen Inhalts fertig. Zur Belohnung ernannte ihn der Prälat zum Truchsess und Gallerieinspektor, und ertheilte ihm überdiess auch die Erlaubniss, für Fremde malen zu dürfen. Mittlerweile wirk- ten die Kriegsunruhen auf die Kunst hemmend ein, und auch die Kunstliebhaberei, welche Nesselthaler viel eintrug, liess nach, Auch die ihm anvertraute Gallerie sah er geschmälert. Ueber die List, deren sich Lacourbe bediente, um durch Nesselthaler die besten Gemälde der erzbischöflichen Gallerie kennen zu lernen, und wie er dieselben mit sich nach Frankreich nahm, s. Österreichisches Archiv 1853 No. 20. In No. 530 dieses Werkes liest man eine andere Anekdote, wie der Maler Unterberger ihn Misertaure genannt habe, eine Verstümmelung des Namens, die auch in einige Schriften übergegangen ist. Man kann über- haupt öfter von diesem Künstler lesen; nicht am vortheilhaftesten in der oberdeutschen Literaturzeitung, deren Redacteur (Hübner) ihn tadelt, weil er sich beinahe in jedem Zweige der Malerei ver- sucht hat, und nach Hübner’s Ansicht eben desswegen in keinem Zweige etwas Grosses zu leisten im Stande gewesen, was indessen zu strenge geurtheilt ist. Nesselthaler malte nämlich nicht allein in Oel und Encaustik Bilder jeder Art, sondern auch in Fresco, in Wasserfarben u. s. w. In der Kirche des Dorfes Brixen ist von ihm ein Frescobild, welches Vierthaler in seinen Wanderungen durch Salzburg II. 171 rühmt. In der Pfarrkirche zu Polling sind viele Bilder von ihm, in Hallein die Geburt Christi am Hochaltare, andere Gemälde seiner Hand sieht man zu Brunnecken, Windisch- matrey, Gröding. Dann fertigte Nesselthaler auch viele Transpa- rentgemälde, die zu Schirmen, Nachtlampen und Supraporten dienten. Fiorillo nennt ihn den eigentlichen Erfinder der Trans- parente. An diese vielen Werke schliessen sich dann die Hand- zeichnungen, grösstentheils Landschaften und architektonische An- sichten, theils in Wasserfarben, theils in Sepia, und meistens den romantischen Gegenden Salzburgs entnommen. Dupr6 stach nach ihm die Ansicht von Leopoldskrone.

Nesselthaler, Michael » Bildhauer und akademischer Künstler zu

Wien. Wir kennen seine Lebensverhältnisse nicht, wissen nur, dass er 1820 in Wien gestorben ist.

Innsbruck; plm‚ Regina: — Nagler, Vittorio, 193

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