Neher, Michael

Neher, Michael, Genremaler, wurde zu München geboren, und obgleich er schon in früher Jugend Kunsttalent verrieth, so wollte sein Vater, der Bürger und Maler Joseph Neher, doch nicht, dass sich der Sohn der Malerei widme, indem damals die Aussichten für einen Künstler keineswegs günstig waren. Der junge Neher musste daher die lateinischen Schulen besuchen, und nur nebenbei konnte er den Zeichnungsunterricht des Professors Mitterer genießen. Endlich liess ihn der Vater die Akademie der bildenden Künste besuchen; allein Verhältnisse zwangen ihn, diese Anstalt bald wieder zu verlassen und zu versuchen, wie weit er mit dem

Erlernten auf dem Wege der Naturnachbildung gelangen könne. Er wendete sich jetzt zunächst der Bildnismalerei zu, worin ihm hinsichtlich der Behandlung der Farben der Hofmaler M. Klotz zweckmäßiger Unterricht ertheilte. Die Maler A. und D. Quaglio, sowie J. Klotz, hatten ebenfalls Einfluss auf seine Bildung, aber Neher hatte noch immer keinen bestimmten Plan gefasst, er wollte Bildniss-, Historien-, Landschafts- und Architekturmaler, Alles zugleich seyn; Zu seinem weiteren Fortkommen war ihm endlich die Portraitmalerei verhülflich. Ein Freund versah ihn zu diesem Behufe mit Empfehlungen nach Trient , und die Bildnisse, die er dort malte, fanden solchen Beifall, dass ihm reichliche Mittel flossen, Italien zu besuchen. Neher zeigte durch seine Bildnisse, dass er eine vorzügliche Gabe zur Auffassung charakteristischer Eigen thümlichkeiten und alles Zufälligen in der Natur besitze, und diese Anlage bildete er auf seinen Reisen in Italien durch scharfe Beobachtung nur noch mehr aus. Neher besuchte während eines Zeitraums von sechs Jahren die Hauptstädte Oberitaliens, und 1823 sah er auch Rom und Neapel. Er studirte hier mit Eifer die Werke der klassischen Vorzeit, er wendete sich aber jetzt fast ganz dem Genrefache zu, welches er in Rom zu grossen Ehren und Aufnahme brachte. Er durchwanderte auch die malerischen Umgebungen der beiden erwähnten Städte, und bei dieser Gelegenheit fertigte er mit der Feder äusserst nette Ansichten mit passender Staffage. Im Jahre 1825 kehrte Neher wieder nach München zurück, wo er jetzt durch seine Werke grosses Aufsehen erregte, denn dieselben reihen sich den besten damaliger Zeit an. In Italien malte er eine Almosenspende, das treffliche Bild eines Gioncataro, eine Mutter mit dem Säugling an der Brust unter der Arcade des Hauses, und auf diese Bilder folgten in München eine Reihe anderer, Costümstücke, Landschaften, Märkte, öffentliche Plätze und architektonische Ansichten verschiedener Art. Im Lokale des Kunstvereins zu München fand man häufig Gelegenheit, sich von seiner Productivität zu überzeugen, doch auch nach London, Berlin, Dresden und Stuttgart kamen Werke von ihm. Dann ist Neher einer derjenigen Künstler, welche zur malerischen Ausschmückung des romantischen Schlosses Hohenschwangau beitrugen, in welchem Kronprinz Maximilian so schöne Erinnerungen an das Mittelalter hervorrief. Neher malte die Bilder des Saales des Schwanenritters nach Rubens Compositionen.

Die Bilder dieses Künstlers sind einfach in der Anordnung, von grosser Wahrheit der Darstellung, und auf das glücklichste motiviert. Die Zeichnung ist korrekt, das Colorit frisch, aber naturgetreu, immer von erforderlicher Klarheit und Übereinstimmung der Töne. Dann ist Neher auch Meister in der Perspektive, und den technischen Theil hat er nicht minder vollkommen in seiner Gewalt. Sein Vortrag ist sicher, breit, aber sorgsam in allen Teilen. Seine Bilder sind bis ins Einzelne sauber gearbeitet.

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