Necker oder Negker, Jobst de, Denecker von Fiorillo, Heller u. a. 88, dann auch Dennecker, Donnecker und Dannecker geschrieben, Förmschneider, der ältere dieses Na- mens, von welchem sich dann die unten folgenden David und Her- kules de Necker anschließen. In früheren Künstlerlexicis sind die
Artikel über diese Künstler dürftig, auch noch in Heller’s Ge- schichte der Holzschneidekunst nicht erschöpfend. Ausführlichere Notizen verdanken wir aber der Forschung des Professor Dr. Mass- mann, der selbe im Kunstblatte 1831 No. 76 niederlegte. Heller und Inspector Frenzel in Dresden nennen Nördlingen als die Ge- bürtsstadt des Künstlers, allein Dr. Massmann fand, dass sich so- wohl Jost, als David und Herkules von Augsburg stammend be- zeichnen, so dass also Jobst de Necker von Nördlingen dahin zogen sein müsste. Noch ist zu bemerken, dass einige den Jobst de Negker und den Josse Denccker für zwei Personen halten; etwa für Vater und Sohn; allein diese Annahme hat wenig Grund.
- J. de Necker arbeitete mit Hans Burgkmair am Triumph- zuge des Kaisers Maximilian und bei der xylographischen
Ausschmückung des Theuerdanks von M. Prutzin. Sein Name steht auf der Rückseite einer der Platten, welche auf der k. k. Hofbibliothek vom Triumphzuge aufbewahrt wer- den, geschrieben; noch mehr aber beurkundet die frühe Ausgabe des Theuerdanks, Nürnberg durch Hansen Schön- sperger, 1517 seine Thätigkeit. Es ist dies ein Meisterstück der Drucker - und Formschneidekunst, und nur in den frühesten Ausgaben steht auf dem siebzigsten Blatte das Zei- chen des Jobst de Negker. Es existieren nur noch drei solche Exemplare. S. Heller’s Beiträge etc. S. 03 und Haltaus Theuerdank, Quedlinburg 1835. S. 03. R. Weigel wertet ein solches Exemplar auf 60 Thlr.
Dann half Necker dem Hans Burgkmair auch bei der Ab- bildung der österreichischen Heiligen und Heiliginnen, wo- von sich noch 122 Originalplatten auf der Wiener Hofbib- liothek befinden. Im Jahre 1790 wurden 119 wieder abge- druckt.
Ferner schnitt de Necker eine „Historie vom verlorenen Sohn, Luc. XV. Gedruckt zu Augsburg durch Jobst de Negker Formschneider. H. 37 Z., Br. 353 Z. 3 L.
Ein größeres Werk ist sein Fulio-Nachschuitt des Holbeinischen Todtentanzes, unter dem Titel:
Todtentanz
Das menschliche Leben anders nicht Dann nur ein Lauf zum Tod
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Und Gotain nach seinem Glauben richt » Dess findstu klaren Beschaid O Mensch hierinn mit Andacht lass Und fass zu Herzen das So wirdstu Ewigs Heils gewiss Kannst sterben dester bass MDXLINI „Desine longaevos exposcere annos, Inque bonis multos annumerare dies, Atque hodie, fatale velit si rumpere filum Atropos impauido pectore disce moti, Augsburg durch Jobst Denecker 1544.
Diese Blätter sind von körnigem, sicheren Schnitte, und obschon so bedeutend vergrössert, dennoch sehr getreu. Das Vorbild war zunächst die Lyoner Ausgabe des Todtentan- zes, nicht der Cölner Nachdruck, in welchem der schwebende, dem Pabste den Ablassbrief vorhaltende Teufel fehlt. Der Reimtext ist nach der Basler Ausgabe von 1530. Dem bei Holbein zu kleinem Ablassblatte sind noch die Worte bei- gefügt:
Vetibi corona Superbia mea.
Dann hat diese de Necker’sche Copie ein Blatt, welches in keiner Holbein’schen Ausgabe zu finden ist, selbst in dem St. Galler Nachdrucke des obigen Werkes nicht. Es ist dies das Blatt mit dem ehebrecherischen Paare, wobei es in- dessen eine doppelte Bewandtniss hat. In der ersten Aus- gabe von Jobst de Necker sieht man den Ehebrecher mit dem ehebrecherischen Weibe im Bette buhlen, aller der sie überraschende Mann hat beiden das Schwert durch den Leib gestossen. Der Tod greift mit der rechten Knochen- hand der Buhlerin in das Haar, und stösst mit der Linken das Schwert noch tiefer hinein. Dieses grässliche Bild ist nicht holbeinisch und, wahrscheinlich von der Zeit getadelt, wurde es in der zweiten Ausgabe weggelassen. Die Aufschrift des Titels ist dieselbe, und auch die 42 Holzschnitte sind die nämlichen, in Randleisten eingeschlossen, deren Verzie- rungen bereits gelitten haben. Sie sind abgenutzter, in den Rändern ausgebrochen, was in der ersten Ausgabe nicht der Fall ist. Das anstössige Blatt wurde herausgenommen, und dafür ein weniger graues Ersatzblatt eingefügt, wo das buh- lerische Paar Arm in Arm vor dem Bette sitzt, und der Tod zeigt beiden nur seitlings Spitze und Stundenglas. Am Fussgesimse der Bettlade ist ein Monogramm; wahrscheinlich jenes von Jobst de Negker. Beiden Ausgaben ist übrigens noch ein Blatt, ein Krucifix nach Dürer beigegeben. Da- gegen fehlt der Sterndeuter und der Kriegsmann Holbein’s, was ebenfalls beweiset, dass Denecker nach der ursprünglichen Baseler Ausgabe von 1530 schnitt, wo diese beiden Blätter der Lyoner Ausgabe auch noch fehlen. Sie fehlen aber auch dem St. Galler Nachdrucke von 1581, welcher Denecker’s Reimtext gibt, nur dass er beim diabolisirten Pabste etwas gemildert ist. Die zum Teil geänderten, an sich nicht gut reducirten Holzschnitte sind ebenfalls umrandet, wie der Text, der Ehebrecher fehlt ganz, und auch sein Text, am Betttrestelle der Herzogin ist kein Monogramm, und dann ist diese Copie in 4,
Zur Zeit des Erscheinens dieses Nachdruckes lebte Jost de Negker längst nicht mehr; er war schon 1564 tot, als sein Sohn oder Verwandter David Denecker die dritte Aus- gabe seines Todtentanzes besorgte. Wir verweisen daher auf den unten folgenden Artikel jenes Künstlers, und fügen nur bei, dass wir auch eine lithographirte Nachbildung die- ses Todtentanzes haben, unter folgendem Titel:
Der Todtentanz oder der Triumph des Todes, nach den Originalholzschnitten des Hans Holbein von C. H. (Lieutenant von Hellmuth in Magdeburg), 46 Blät- ter nebst Erklärung und altdeutschen Versen; oder: Lith, Nachahmungen von J. de Negker’s oder Denecker’s Todtentanz, in vergrößerten Copien nach Holbein’s Holzschnitten mit den deutschen Versen der ersten Ausgabe, Augsburg 1544, fol. etc. Magdeburg 1853, roy. 4.
Alle dieses umfassende Werk von J. Denecker reihen wir noch:
- Der Todesengel, Helldunkel von drei Platten, nach H. Burgkmair (Bartsch 40).
Im ersten sehr seltenen Ahdrucke steht unten unter der Platte aufgedruckt: Jost de Negker zu Augsburg, in einer Einfassung, ;
Die drei guten Christen und Christinnen; die drei guten Heiden und Heidinnen; die drei guten Juden und Jüdinnen,
bezeichnet H. B. (Hans Burgkmair), von Denecker ge- schnitten.
Maria mit der Sternenkrone, Colee nach Dürer’s Kupfer- stich. H.5 Z.2L., Br.3Z. 9
St. Sebastian am Baume an die Säule gebunden, in Mitte einer Arkade. Links unten steht die Jahrzahl 1512, rechts: H. Burgmair und das Monogramm des Formschneiders, Oben nach H. 5 Z. 10 L., Br. 2 Z. 8 L. Bartsch P, gr. VII.
- Ein Edelmann mit einer Dame, die der Tod erfasst, mit einem Zeichen, welches für jenes dieses Künstlers gilt. H. 2 Z.‚ Bl. 3 Zv
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