Navarete, Juan Fernandez, Historienmaler , genannt el mudo,
geboren zu Logranno 1526. Dieser berühmte Künstler hatte das Unglück, im frühen Jahre durch eine Krankheit das Gehör zu verlieren, und dieses hatte zur Folge, dass er nie mehr der Spra- che theilhaftig wurde, und taub und stumm (mudo) blieb. Da sich aber bei ihm ein natürlicher Trieb und besondere Fähigkeiten zur Malerei zeigten, so wurde er von seinen Eltern in das Klo- ster Estrolla gebracht, um unter Leitung des Bruders Vicente de Santo Domingo sich derselben zu widmen. Er machte da schnelle Fortschritte, und nun beredete Vicente den Vater, seinen Sohn nach Italien zu schicken. Navarete besuchte jetzt Rom , Florenz , Mailand , Neapel und Venedig . In letzterer Stadt hielt er sich am längsten auf, denn es zogen ihn Titian’s Werke vor allen an. Man bezeichnet ihn als Schüler jenes großen Meisters, sicher ist aber immerhin, dass el Mudo den Titian zum Vorbilde genommen, wie dies vornehmlich aus seinen früheren Werken erhellet, in welchen er dem Vecellio sehr nahe kommt. In seinen späteren Werken treten die charakteristischen Eigenthümlichkeiten der spa- nischen Kunst mehr hervor. Im Verlaufe des 16. Jahrhunderts fand, wie bei den Niederländern, so auch bei den Spaniern, eine Veränderung der italienischen Studien statt. Nachdem sie, sagt Kugler (Gesch. d. Malerei II, 255), das Formenstudium unter der Leitung der Römer und Florentiner beschickt hatten, so wandten sie sich dem ausgebildeten Colorite der Venetianer, vornehmlich Titian’s zu, und brachten es auch in dieser Beobachtung zu eigen- thümlich glücklichen Erfolgen. Zu den bedeutendsten spanischen Malern, welche in solcher Richtung sich ausgebildet hatten, ge- hören A. S. Coello, und vornehmlich unser Navarete. Er erwarb sich sogar den Beinamen des spanischen Titian.
Im Jahre 1536 kehrte el Mudo nach Spanien zurück, als Hof- maler Philipp’s II. Das erste Bild, welches er nach seiner Rück- kehr in Madrid malte, stellt die Taufe Christi vor, und dieses Werk gefiel dem Könige so sehr, dass er den Künstler mit Auf- trägen überhäufte. Es kam in den Escorial, wo überhaupt viele seiner Gemälde aufgestellt wurden, die aber heute nicht mehr zu finden sein dürften. Für den Escorial malte er den heil. Hippolyt, der mit seinen Gefährten den heil. Lorenz begrab, ein herrliches Nachtstück und ein Hauptwerk des Stummen, so wie die Geburt Christi, bezaubernd in Färbung und Hell-Dunkel, von Tibaldi mit Enthusiasmus beschrieben. Die Beleuchtung darin wird durch die Strahlen des Kindes, durch ein Licht, welches St. Joseph hält, und durch den Glanz einer Glorie bewirkt. Im Bilde einer heil. Familie brachte er drei Thiere an, was ihm für immer untersagt wurde. Ein Hieronymus in der Wüste wurde einstimmig für Navarete’s Meisterstück erklärt. Es kam ebenfalls in den Escorial, wo es wenigstens noch 1822 zu sehen war. Dar selbst sah man damals auch noch die Enthauptung des heil. Jakob,
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