Nattier, Jean Marc, Zeichner und Maler, wurde 1685 zu Paris geboren, und von seinem gleichnamigen Vater in den Anfangsgründen der Kunst unterrichtet. Nebenbei studierte der junge Künstler mit Eifer nach den Werken Rubens in der Gallerie Louvre.
Nagler’s Künstler - Lex. Bd. X, 10
burg, und schon im fünfzehnten Jahre erhielt er für eine Zeich- nung nach Rubens den akademischen Preis. Die Zeichnungen nach den Rubens’schen Gemälden der Gallerie Luxembourg gefie- gen den Königen so wohl, dass er dem jungen Künstler erlaubte, daraus ein Ganzes zu bilden und solches durch die geschicktesten Meister stechen zu lassen. Im Jahre 1710 war das Werk vollen- det. Diese Arbeit hielt ihn von der Reise nach Rom ab, dennoch aber wurde der Künstler Mitglied der Akademie, ohne Re- ceptionsbild, welches er erst lieferte. Es stellt den Perseus mit dem Medusenhaupte vor:
Nach dem Tode Ludwig XIV. zerstreuten sich viele französische Künstler durch Europa , und Nattier ging auf Veranlassung des russischen Gesandten nach Amsterdam , um sich dem russischen Czar vorstellen zu lassen. Er malte da beide höchsten Herrschaf- ten, den Hofstab und auch die Schlacht von Poltawa, was Alles Peter sehr wohl gefiel, dass er dem Künstler die Stelle eines Hof- malers in Moskau anbot. Allein der Franzose scheute die nordi- sche Kälte, und obgleich er an seinem Vermögen Verlust erlitten hatte, so zog er es doch vor, im Vaterlande zu bleiben. Er malte jetzt mehrere Bildnisse, unter welchen jene des Marschall von Sachsen, des Grouspriors von Orleans, und jenes von Richelieu die berühmtesten sind. Diese Werke machten ihn sehr bekannt. Jetzt musste er auch die von Raoux angefangene Gallerie des Hôtels du Temple vollenden, und dann den ganzen französischen Hof malen, zahlloser anderer Personen vom Range nicht zu ge- denken. Der König setzte ihm ein Jahrgeld von 500 Liv. aus, und mehrere auswärtige Akademien nahmen ihn unter die Zahl ihrer Mitglieder auf. In der letzteren Zeit seines Lebens verlegte sich der Künstler auch wieder auf die Historienmalerei, und fertigte mehrere Skizzen; neben anderen eine sehr schöne nach Milton’s Gedichten. Er zeichnete auch sehr schöne Bildnisse in schwarzer
Kreide mit weiß gehöht. Auf solche Weise war das von Drevet gestochene Bildnis Ludwig’s XIV. gezeichnet. Fontenai rühmt seine Gemälde, und nach der Ansicht dieses Schriftstellers sind die Compositionen dieses Künstlers eben so graziös als geistreich, das Colorit angenehm und glänzend. Dass Nattier viele Damen habe malen müssen, wird ebenfalls aus Fontenai klar. Denn er sagt, der Künstler habe die Schönheit noch schöner gemalt, als sie in der Natur erschien, und die Hässlichkeit verschönert. Dann me- tamorphosirte er seine Damen in Nymphen und Göttinnen, dra- pirte sie auf das leichteste, und Alles war geschehen, sich den Namen des Malers der Grazie zu erwerben. Gresset, Lettre à Mr. Orry, nennt ihn so, und welchen Begriff mag wohl dieser Kunstrichter von der Grazie gehabt haben?
Nattier starb im 84. Jahre. In der letzteren Zeit aber hinderten ihn Leiden aller Art an der Arbeit, er ertrug jedoch Alles mit gro- ßer Standhaftigkeit. Er war ein Mann von seltener Rechtschaffen- heit und von den angenehmsten Sitten.
Mehrere seiner Werke wurden gestochen; von le Roy: das Bild- nis von Peter I.; von Dufin: jenes der Czarin Catharina; von Drevet: Ludwig XIV.; von J. Beauvarlet: Mme. Adelaide de France; von Balechou: Mme. Louise Elisabeth de France; von R. Gaillard: Mme. Marie Louise Thérèse Victoire; von J. Tardieu: Mme. Ma- rie Henriette de France. Diese letzteren vier Damen von Frank- reich sind als die vier Elemente charakterisiert. Hubert stach das Bildnis der Mme la Duchesse de *** als Hebe; Voyez le jeune je-
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