Nanni , Giovanni, 213
die Sinnbilder der Familie Medici, den Diamantring und das Joch. Die Wände wurden von ihm mit kleinen Figuren, Gruppen und Arabesken geschmückt, deren lebhafte Farben durch schöne Zu- sammenstellung dem Auge einen sehr wohlgefälligen Eindruck ge- ben. Als in der Folge Pius IV. die Ausschmückung dieser Loggien durch Johann von Udine zu vollenden beschloß, ward dieser Künstler, der sich damals bereits im hohen Alter befand, von dem Papste genötigt, die gedachten, von ihm in der Blüthe der Jahre gemalten Weintrauben mit Wasserfarben auf dem Trock- enen zu übergehen. Obgleich sie dadurch, wie Vasari bemerkt, ihre vormalige leichte Behandlung und die Frische der Farben ver- loren, so sind die Malereien doch noch in ihrem gegenwärtigen Zustande bewunderungswürdig, insbesondere wegen der vortreff- lichen Vögel und vierfüßigen Thiere von mancherlei Art, die sich in ihnen befinden. Durch den Tod des Künstlers unterblieb die weitere Fortsetzung jenes Unternehmens bis zum Pontificat Gregor’s XI.
Im Appartamento Borgia dieses Stockwerkes ist die Decke des großen Saales (Sala Borgia) mit Malereien und Stuccaturen von ihm und Perin del Vaga verziert, noch zur Zeit Leo X. Im Pontificat dieses Papstes malte er auch in einem der vor dem Saale Constantins liegenden Zimmer Kinderfiguren, Löwen, das päpst- liche Wappen und Marmorfelder, aber diese Malereien sind nicht mehr vorhanden, so wie auch die existirenden sehr beschädigt sind. In dem daneben liegenden Zimmer (Stanza de’ chiaroscuri) hatte er Affen, Papageien und andere ausländische Thiere ange- bracht. Auch diese vortrefflichen Malereien gingen zu Grunde, als Paul IV. den Raum zur Anlegung von kleineren Zimmern be- nutzte.
Bricamatore blieb nach Rafael’s Tod in Rom, und war eines der tätigsten und fruchtbarsten Glieder des römischen Kunstvereines. Er führte mit den Freunden die schönen Werke in der Sala vecchia, im Palaste Aquila, in der Villa des Cardinals aus. Er lieferte auch treffliche Arbeiten für den Herzog von Medici in Florenz, und für den Grimani in Venedig. Im Palaste Grimani daselbst sind mehrere Wände und Decken von ihm verziert. Nach der Plünderung Roms zog der Künstler in Italien umher, überall als der geschickteste und heiterste Meister in Verzierungen anerkannt. Er nahm an dem damaligen gegen Rom gerichteten Kriegsgetümmel tätigen Anteil. Mehrere seiner Mitgenossen schreiben ihm die Ehre zu, den schicksalvollen Schuss gethan zu haben, der den Connetable von Bourbon dahinraffte, eine That, deren sich Ben- Venuti Cellizi mit Zuverlässigkeit rühmt. Erst in seinem Alter kam Giovanni wieder nach Rom zurück, wo er, vom Papste mit einem Jahrgehälte unterstützt, starb.
Die Gemälde in Öl von diesem Künstler sind äußerst selten. In Rom scheint er mehrmals dem Rafael Beiwerke in seinen Bildern malte zu haben; So weiß man, dass er im Gemälde der heil. Agatha die Orgel gemalt habe. Lanzi sagt, dass man in manchen Sammlungen kleine Fruchtstücke oder Vögel in Öl von ihm zeige, jedoch, dass dies zweifelhaft sei. Vasari erwähnt einige Werke von ihm; eines malte er für die Bruderschaft von Castello in Wien, welches in nicht kleinen Verhältnissen eine Ma- donna mit dem Kinde und einem Engel vorstellt, der ihm das Castell selbst überreicht. Zu Lanzi’s Zeit war das Urbild in ver-
derbtem Zustande noch vorhanden, und in der Capelle ist noch ein Abbild von Pini 1655 gemalt.
Ottaviani stach eine Sammlung von Grottesken nach ihm; C. Knapton einen Vogel mit einem Fischknochen auf dem Baumaste sitzend, Umriss nach einer Zeichnung; Caylus: zwei Blätter mit Grottesken nach Zeichnungen für Crozat’s Kecueil.
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