Nalbildnisse der vier großen Baumeister: Scamozzi’s, della Valle’s

Nalbildnisse der vier großen Baumeister: Scamozzi’s, della Valle’s, Sansovino’s und Palladio’s, letzteres von Titian gemalt. Palladio’s Name war von Vicenza aus fast schon europäisch geworden, und als er in Venedig seine noch größeren Schöpfungen kund gegeben hatte, erscholl überall sein Ruhm. Er wurde nachgeahmt, und wenn man einen neueren Architekten loben wollte, so hieß es: das ist ein Palladio.

Sein erstes Werk in der Nähe von Venedig ist der Palast Foscari, der wegen der Einfachheit der Massen, wegen der schönen Verhältnisse, und wegen der Eleganz seines Peristyls in jonischer Ordnung gerühmt wird. Sein erstes Werk in Venedig war das Kloster St. Johann von Lateran, worin er den von Vitruv beschriebe- nen Plan eines römischen Wohnhauses zu realisieren suchte. Des- wegen erbaute er am Eingange ein schönes korinthisches Atrium, welches in einen mit Säulengängen umgebenen Hof führte, der an allen Endpunkten an die Wohngebäude, die Kirche und die nö- tigen Dienstsäle stiess. Leider hat eine Feuersbrunst den größten Theil des Gebäudes zerstört. Dagegen ist sein zweites Werk, die

Kirche und das Kloster von St. Giorgio Maggiore nicht nur vollkom-

men erhalten, sondern neben der Kirche S. Redentore eine der

größten und berühmtesten neueren Kirchen der Stadt. Diese Ba- silica bildet ein lateinisches Kreuz, dessen vier Arme durch eine Kuppel vereinigt sind. Mit dem Bau der Kirche des Erlösers auf der Insel Giudecca beauftragte ihn der Senat , nachdem die Pest zu wüthen aufgehört hatte. Der Plan dieser Kirche, ne- ben S. Giorgio die schönste des neuern Venedig, ist einfach, die Säulenordnung korinthisch, und über jener der Facade erhebt sich eine Attika. Berühmt ist auch die Facade der Kirche von S. Fran- cesco della Vigna, einem Werke Sansovino’s, bis auf diese Facade, ebenfalls in korinthischer Ordnung errichtet. Mittlerweile ver- lass auch die Vaterstadt seiner nicht. So verlangte man 1501 den

Entwurf zu einem Theater von ihm, welches im grossen Saale des Stadthauses eingerichtet werden sollte. Wer es in Vicenza nur immer vermochte, ein Haus zu bauen, der schätzte sich glücklich, wenn Palladio einen Plan zu erhalten, und der gute, leutselige Mann liess sich selten vergebens bitten, wenn ihm nicht die Ve- netianer gar zu viel aufgebürdet hatten. Sie benützten ihn bei Gelegenheit, bei Prachtbauten, öffentlichen Festen und Werken der Noth. So veranstaltete der Rath bei der Anwesenheit Heinrich III., als dieser nach Niederlegung der polnischen Krone über Venedig nach Frankreich ging, grosse Festivitäten, und Pal- ladio erschöpfte seine Phantasie in vorübergehenden Triumphbö- gen, Obelisken, Fontainen, Gruppen und anderen scheinba- ren Herrlichkeiten. Im Jahre 1567 hatte die Brenta die Brücke von Bassano zerstört, und auf wen könnte die Wahl eher fallen, als auf Palladio? Der Künstler machte nur die Ausführung: in Stein zu kostbar, weshalb man sich 1570 mit einer hölzernen Brücke begnügen müsste. Der Entwurf ist in Palladio’s Werk erhalten. Palladio studierte mit grosser Liebe die Commentarien des C. J. Cäsar, und versuchte es auch, die von demselben über die Rhone geschlagene Brücke in Zeichnungen herzustellen. In seiner Ausgabe des Cäsar findet man auch den Entwurf zu einer Prachtbrücke, wobei er den Bau einer neuen Rialtobrücke beabsichtigte. In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte ihn der Bau des Theatro Olympico zu Vicenza, ein Meisterstück Palladio’s. Die Akademie der Olympier hatte den Bau beschlossen, um zur Aufführung grosser dramatischer Werke

Reum zu gewinnen, und Palladio, der schon früher einige mehr oder weniger vergängliche Theater errichtet hatte, bot gerne seine Kräfte auf. Der Künstler konnte indessen sein Werk nicht mehr vollenden; nach Einigen war es Scamozzi, nach Anderen ein Sohn Palladio’s, welcher die letzte Hand anlegte. Eine Inschrift über dem großen Bogen der Scene besagt:

Olympicorum academia Teatrum hoc a fundamentis erexit.

Anno MDLXXXUMI. Palladio Architecto,

In der letzteren Zeit seines Lebens baute er ferner die Kirche St. Lucia, und die Waisenkirche della Zitelle, kaum hatte er aber, die schöne, in Form eines kleinen Pantheons errichtete Hauskapelle des Palastes Barbaro vollendet, so raffte ihn, mitten unter den Arbeiten am Theatro Olympico, eine Epidemie dahin. Th. Temanza hat sein Leben beschrieben (Venezia 1762, 4.).

Palladio fertigte dem Mons. Barbaro für seine Ausgabe des Vitruvius Pollio die Zeichnungen, welche trefflich in Holz geschnitten wurden. Diese erste italienische Ausgabe Vitruv’s hat den Titel:

I dieci libri del Architettura di M. Vitruvio tradutti et commentati da Monsignor Barbaro eletto Patriarca d’Aquileggia. In Venezia etc. 1556, gr. fol. Die lateinische Ausgabe mit dem Commentar von Dan. Barbaro, Venetiis apud F. Franciscium Sen. et Ivan. Crugher Germanum 1567, hat verkleinerte Copien der Originalholzschnitte.

Dann besorgte Palladio auch eine mit Abbildungen versehene Ausgabe des Cäsar, unter dem Titel:

I Commentari di C. Giulio Cesare, con le figure in rame degli allogiamenti, de’ fatti d’arme etc. fatte da Andrea Palladio, Venetia 1525, 4. Die vielen geätzten Blätter sind nach seinen und seiner Söhne Zeichnungen gefertigt, angeblich von letzteren.

Palladio hatte auch über den Polybius geschrieben, das Werk blieb aber im Manuscripte, so wie mehrere andere Aufsätze: über Theater, Amphitheater, Bäder, Wasserleitungen, Fortification etc. Diese Handschriften kamen alle in die Hand des venetianischen Senators Cantarini, und später viele derselben — auch ein Vitruv mit Palladio’s Anmerkungen — in den Besitz des Lord Richard von Burlington. Dieser gab einen Teil der Handschriften, über die Thermen, im Drucke heraus: Fabbriche antiche disegnate da A. Palladio, Londra 1730, fol. Schön und selten, 24 K. In diesem Werke fehlt der Plan der Bäder des Agrippa, der sich in Temanza’s Sammlung erhalten haben soll. Dazu: Fabbriche inedite con le osservazioni dell’ architetto N. N., e-con la trad. franc. Venezia 1760, 2 Thl. in 4 Vol., gr. fol., 23 und 28 K.

Die erste und höchst seltene Ausgabe von Palladio’s Büchern über Architektur hat den Titel: V E

I Quattro Libri dell’ Architettura di Andrea Palladio. Venetia app. Dom. de’ Franceschi 1570, fol. Die vortrefflichen Holzschnitte sind wahrscheinlich von J. und Chr. Crugher, Ch. Coriolano u. a.. Bei R. Weigel 18 Thlr.

Die frühesten Exemplare waren in zwei Bänden, unter folgenden Titeln:

I due primi libri dell’ antichita, Ven. 1570, und: I due libri di architettura, ibid., 1570. Beide unter obigem Titel sind

Nagler’s Künstler-Lex. Bd. X, 31

Andere Ausgaben:
I quattro libri dell’ architettura. Venet. Carampello 1581, fol.
Die Holzschnitte sind dieselben, aber schwächer.

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