Myron wurde in Griechenland zu den Künstlern erster Grösse gezählt, und er wird neben Phidias und Polykleitos allein genannt

Myron wurde in Griechenland zu den Künstlern erster Grösse gezählt, und er wird neben Phidias und Polykleitos allein genannt,
wenn von großen Meistern der Plastik die Rede ist. In Myron äußert sich nach O. Müller (Arch. S. 122) die Kunst noch körper-
licher, als in den beiden genannten Künstlern. Ihn führte seine Individualität besonders dahin, kräftiges Naturleben in der ausge-
dehntesten Mannigfaltigkeit der Erscheinungen mit der größten Wahrheit und Naivetät aufzufassen. „Primus hic,“ sagt Plinius, „multiplicasse veritatem.“ Man hatte von ihm höchst lebensvolle Darstellungen aus der Thierwelt, und mit einer solchen beginnt Plinius die Reihe seiner Werke. Dieser Schriftsteller behauptet, dass ihm die Nachbildung einer Kuh den größten Ruhm bereitet habe, „bucula maxime nobilitavit.“ Doch auch in seinen athlethischen Bildungen und in seinen mythischen Gestalten leistete Myron Grosses. Petronius sagt, dass der Künstler fast im Stande gewesen, das Leben der Menschen und Thiere auszudrücken, „Myron qui paene hominum animas ferarumque expresserat,“ was nach Müller nicht
im Widerspruche steht mit dem Ausspruche des Plinius : „Corporum tenuis curiosus, animi sensus non expressisse videtur,“ dass dem Myron das Seelenvolle, die Grazie des Ausdruckes gefehlt habe.
In der gleichgültigen, regungslosen Bildung des Gesichtes, sagt O. Müller, und in der steifen Arbeit der Haare blieb er auf der Stufe
der früheren Erzgiesser (der Aegineten besonders) stehen, von denen er sich überhaupt weniger unterschied, als Polykleitos und Phidias.
Thiersch, Epochen S. 236, sagt indessen, dass Niemand glauben werde, Myron, der die Körper naturgemäß und so vortrefflich ge-
bildet, die Haare nicht anders zu bilden vermocht habe, als nach der Einrichtung des rohen Alterthums. Das Verfahren eines sol-
chen Meisters, führt Thiersch S. 243 fort, lehrt im Gegentheile, dass er bei der alten Form der Haare mit Absicht auch jenen, in
den Schulen überlieferten Ausdruck der Gesichtsbildung, wenn auch gemildert, doch seinen Grundzügen nach beibehalten habe.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_qsM-AAAAcAAJ_2/