Myron schuf ein colossales Kleeblatt, indem er die Idee erfasste,
wie die schützende Minerva den apotheosirten Herkules dem Jupiter vorstellt, und sich nun beide Götter dem Vater zur Rechten
und Linken präsentiren. Dieses Werk stand im Heraon zu Samos,
wo es Antonius wegnahm, Cäsar aber wieder zurückgab bis auf
die Statue Jupiter’s, welche zu Rom auf dem Capitol aufgestellt
wurde. Unter den mythischen Gestalten sagte dem Myron besonders
Herkules zu. In ihm erscheint das Heroönideal in höchster Potenz
ausgeprägt. Durch Anstrengung gestählte und bewährte Kraft ist
der Hauptzug, den bereits die altgriechische Kunst in ihren Bil-
dungen andeutete, aber besonders Myron und Lysippos zu einer
Form entwickelten, die nicht mehr überboten werden konnte. Siehe
O. Müller S. 410. Plinius erwähnt einer zweiten berühmten Her-
kulesstatue von Myron, die damals in der Nahe des Circus Maxi-
mus im Hause des Pompejus zu Rom aufgestellt war, sie ist aber
von jener Bronzestatue des Herkules zu unterscheiden, welche Ver-
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‚:yes dem Hejus Mamertinus abnahm, und deren Cicero ebenfalls als Werk des Myron erwähnt. Accus, in Verrem IV. 3. 5, {
Im Tempel des Asclepius zu Agrigent war von Myron die Erz- statue des Apollo, welche Verres weggenommen hatte. Auf dem Schenkel des Gottes stand in kleinen Charakteren von Silber der
“‘Name des Künstlers. M. Antonius raubte den Ephesiern eine von Myron gefertigte Statue des Apollo, Augustus, im Traume dazu aufgefordert , gab sie ihnen aber wieder zurück. Diese Statue des Apollo, so wie jene des Bacchus, welche Sulla von Orchomenus in Böotien weggenommen hatte und auf dem Helikon aufstellen liess, be-
» zeugen, dass Myron nicht blos im Starken und Gewaltigen herrschte, sondern auch zierliche Götterformen zu schaffen wusste. Die Sta- tue dieses Apollö wird in Feuerbach’s Werk über den vatikani-
‚./schen Apollo an mehreren Stellen in Paralelle gezogen.‘ Ein Werk der naiven Gattung war unstreitig auch die ausdrucksvolle Gruppe der „Minerva Müsica mit dem Marsyas, der die von jener im Zorne —g;gg}änorfene Doppelflöte bewundernd aufgehoben hatte, und ans
r hält. - . ; ' ;
Auch im Komischen versuchte sich der Künstler mit Glück, dies- mal in Marmor, während er sonst immer in Erz bildete, P. Hirt rühmt nämlich ein altes Weib, welches der Künstler im betrun- kenen Zustande darstellte. Es war in Smyrna. Jetzt kommt im Museo Capitolin noch ein Bild dieser Art vor, eine sitzende Figur
“mit dem Kruge zwischen den Knieen, ein Werk, welches nach Hirt das Jebhafteste an Myron erinnert, S. dessen Geschichte etc. S. 150. , ,
. ..In .dem Tempel der Hecate auf Aegina war das Holzbild dieser Göttin von Myron gefertiget, wie Pausanias sagt. Pausanias spricht auch von einem Perseus mit dem Medusenhaupte auf der Burg zu Althen und lobt eine Statue des Erechtheus daselbst: ‚Den Perseus dürfte Myron nach Hirt, Gesch. etc. S. 148, dargestellt haben, wie er mittelst des Medusenhau; rtes das Seeungeheuer, das die Andromeda verschlingen soll, versteinert. “ ;
Von den mythischen Gestalten Myron’s wenden wir uns jetzt zu
‚. den athletischen. Polyklet wählte aus der gruppen- und stellungs- reichen Gymnastik nur die zarten Knaben- und Jünglingsfiguren, Myron’s kraftvoller Natur verschmähte die Ephebeen, und ging in die Palästren und Kampfschulen der nur für den Faustkampf und das ‚gewaltige Pancration lebenden Athleten. Und so kann man ’nach Böttiger (Andeutungen etc.) sagen, dass’ der äthletische Kreis der eigentliche Spielraum für Myron’s vollkommenste Kunst gewesen sei; Das Höchste aber erreichte er durch die lebendigste Darstellung der Musculatur, die sich in den ausgearbeiteten Ath- letenkörpern nur einmal in der ganzen Geschichte der Menschheit so darstellen konnte, so wie Myron auch durch die geistreichste Wahl der gewagtesten Stellungen die erste Palme der Plastik er- rang: Mit Myron fingen die Vorstellungen an , wo die Künstler schon den höchsten und fruchtbarsten Punkt der Handlung in ih- ren Bildern zu erreichen suchten, dass nun gleichsam nichts wei- ter hinzugethan werden konnte, und die Böttiger deshalb ‚Meister- stücke‘ oder ‚idealische Stellungen‘ nennen möchte. Für uns ist dieser Athletenkreis nur noch in einigen köstlichen Reliefs (das ausdruckvollste im Museo Pio-Clementino IV. tav. 536); in Vasen- malereien, in mehreren Intaglios, und in den Herkulesstatuen er-
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Myron.
Der Spartaner Lycinus, Sieger im Wagenlauf, weihte in Olympia zwei Statuen, beide von Myron, und eine andere sah man dort von dem Spartaner Chionis von demselben Meister, was aber Pausanias zu bezweifeln scheint, da Chionis sich in viel früheren Zeiten durch seine Siege berühmt gemacht hatte, und man muss daher annehmen, dass dem Chionis das Denkmal später gesetzt wurde. Zwei Athletenstatuen von Myron waren ebenfalls in Olympia, jene des Pankratiasten Timanthes von Cleonae, und eine solche des Philippus von Pellene, Siegers im Faustkampf unter den
Naben.
Die Athletenfiguren machten den Künstler berühmt, und er erhielt vorzugsweise den Beinamen des Athletenbildners. Böttiger nimmt mit Sicherheit an, dass unter den noch vorhandenen, durch Restauration fast unkenntlich gewordenen Pankratiasten und Pent-
athleten auch Nachahmungen berühmter Myron’scher Erzbilder seyn
könnten. Als auszeichnendes Merkmal gab ihnen Myron die durch
Faustriemen ganz platt geschlagenen, und mit gequetschten Knor-
eln versehenen Ohren, worüber Winckelmann Erläuterung gege-
ben hat.
Hierher gehöret auch die Statue des Lacedämoniers Ladas, eines
Läufers. Wir wissen aus dem griechischen Sinngedichte eines Un-
nannten (Anthol. Palat. II, p. 640, pl. 53, 54), dass der Künst-
ler mit der höchsten Anstrengung dieses Dolichodromen, das diesem nach Pausanias das Leben kostete, in Wettkampf getreten war. Er bildete ihn in dem entscheidenden Moment, wo mit fast krampfhaft eingezogenen Weichen der Läufer seinen ganzen Odem nur noch auf den Lippen zu haben schien. Pausanias spricht von einer Statue dieses Dolichodromen im Tempel des Apollo Lycius zu Argos, allein: es ist nicht ausgemacht, ob dieses jene des Myron ist. Im Museo borbonico zu Neapel sind zwei Erzfiguren (V. 54), die im Kunstblatte von Schorn 1826 No. 45 als Nachbildungen bezeichnet sind.
Ein zweites Bild dieser Art ist der Wurfscheiben - Schleuderer, der durch Quintilian’s berühmtes Urtheil geadelte Discobolos, Opp. I, 43. Dieser Kunstrichter nennt ihn in scheinbarer Verrenkung höchst vollendet, und ein Kunstwerk, in welchem die Neuheit der Idee und die überwundene Schwierigkeit den Kennern das größte Fest der Bewunderung zubereite. Der Diskobol ist im Momente des Abschleuderns aufgefasst, mit halbgebogenem Knie, worauf sich die linke Hand stützt, in einer Stellung, in welcher der Athlet keinen Augenblick länger verbleiben kann, als der Wurf erfordert. Diese Statue beweist durch zahlreiche Nachbildungen in Gestein ihren Ruhm, deren Müller in der Amalthea III. 243 mehrere aufzählt. Es sind solche im Museo Capitolino, N. 59; Musée Français I, 20; im Vatikan aus Hadrian’s Villa, Bouill. II. 38; in der Villa Massimi, Guattani Monumenti ined. 1784. Febr. p. IX.; im britischen Museum, Specimens etc. p. 20. Piranesi gibt den Discobolos ebenfalls in Abbildung, Stat. 6. Welker, Zeitschrift J. 267, nennt als wohl erhaltenstes Abbild jenes im Palazzo Massini, und dessen schönste Körperform erkennt er in den Loggien des Vaticans und Capitols. Das vaticanische Bild trägt eine Namensinschrift. In der k. Pinakothek zu München ist ein kleines Erzbild des Discobolos. Über die in der Villa Palombara aufgefundene, jetzt in England befindliche Statue existirt auch ein Brief von E. Visconti an den Cardinal Pollotta von 1781, der besonders gedruckt ist; C. Fea beschreibt sie sehr ausführlich zu Venedig.
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mann’s Storin ete. 11.'211 #., IM 431 #. F. Cancellieri schrieb ferner: Del Discobolo seoperto nella Villa Palombara. Roma 1806. Auch auf Gemmen gibt es Nachbildungen: Museo: Pio - Clement. 1 agg. A, N. 6.. -
„Myron’s Talent begnügte sich nicht mit den idealen Gestalten der Götter, Helden und Kämpfer, er fand auch im Thierreiche mannigfaltigen Stoff. Nichts ist im ganzen Alterthum berühmter, als Myron’s Kuh, welche Cicero zu Athen sah, und Procopius zu Rom. Sechs und dreißig Epigramme preisen an ihr die Wahrheit und Natürlichkeit, wie es selbst möglich wäre, mit der Wirklich- keit sie zu verwechseln. Es heißt, sie würde Brüllen, wenn sie Eingeweide hätte, und sie würde sich fortbewegen, wenn sie nicht an äußeren Piedestal befestigt wäre. Sonntag hat die Epigramme ge- sammelt, Unterhaltungen für Freunde der älteren Literatur I, S. 100 ff.; . Nach Tzetzes, Chiliast, VII. 194, war die Kuh mit strotzenden Eutern dargestellt. Göthe (Kunst und Alterthum III. S. 1). glaubt, dass es eine säugende Kuh mit dem Kalbe war, die auf den Münzen von Dyrrhachium oft wiederholt ist. Müller, Arch; & 122 behauptet, dass es die auf den Münzen von Epidam- nos vorkommende ‚Kuh nicht seyn kann. Properz II. 31, 7,
; Properz II. 31, 7, ed. Burm., erzählt auch von vier Ochsen, welche Augustus A. V. C. 720 im Porticus des Tempels des Palati- nischen Apollo aufstellte.
Tatianus, adv. Graec. 54 p. 117 ed. Worth,, berichtet von einer Siegesgöttin, auf einer jungen Kuh sitzend.
Myron bildete auch einen Hund, dessen Pfinius erwähnt. Von seinen Pferden und andern Thierfiguren wissen wir nichts; Bötti- ger meint, es dürften zu einer grossen Anzahl berühmter Thier- statuen, die Winckelmann, Stor. I, 376, aufzählt, die Urbilder aus Myron’s Werkstätte hervorgegangen seyn.
Auch Seeungeheuer schuf der Bildner Myron, als Decorationen bei den heiligen Spielen auf dem Isthmus und in den Tempeln der Häfen und Seegöttter. Es wären dies seltsam gestaltete Seekraken mit vielverschlungenen, schlangenförmig gewundenen Schwänzen, wie Böttiger angibt,. Pristas bei Plinius genannt (pistrix, pristis, pristrix). ’
Auch als Toreut ist Myron zu rühmen. Als solcher fertigte er Schalen aus Silber und Erz. Diese Werke wurden neben jenen des Mys, Mentor und Polyclet auf den Schenktischen bei römi- schen und griechischen Prachtgelagen für Juwelen angesehen. Man bewunderte in Rom zu Martial’s Zeit eine von einer Schlange höchst zierlich umwundene Schale. Martialis VI.92.
Myron bediente sich beim Gusse des in Delos zubereiteten und dort vorzüglich zu Dreifüssen, Tischen und Tischbetten gebrauch- ten Erzes, während Polyclet die äginetische Bronzemischung vor- zog. Über seine Lebensverhältnisse schweigt das Alterthum, nur so viel wissen wir aus einer Stelle des Petronius, dass der Künst- ler in höchster Armuth starb, Lycius war sein Sohn.
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