Murillo, heisst es im Kunstblatte 1822

Murillo, heisst es im Kunstblatte 1822, ist den besten Malern des zweiten Ranges sowohl in der italienischen als niederländischen Schule gleichzusetzen. Hätten in Spanien Religion, Sitten, Des- potismus u. s. w. seiner Phantasie nicht so enge Grenzen ge- seizt, würden ihm nur wenige zu vergleichen seyn. Denn der einzige Punkt, worin er zurücksteht, ist die Composition nicht so- wohl, als die Imagination des Gemäldes, die aber in Spanien so selten von dem Maler abhing, da sie weltliche Gegenstände, hi- storische u. dgl. fast nie zu malen bekamen und mythologische Ge- genstände ganz verboten waren. Eine der lästigsten Hemmketten war gewiss auch die streng zu beobachtende Pflicht, alle Nuditäten zu verbannen. Bei all dem wird Murillo für diejenigen, die glau- ben, Nachahmung der Natur sei der Zweck und das höchste Ziel der Kunst, mit Recht vielleicht den ersten Platz einnehmen, und in dieser Hinsicht ist es wohl zuzugeben, dass manche Spanier ihn den ersten italienischen Meistern und sogar Rafael vorziehen, Doch ist wohl derjenige, der etwas Göttliches schafft, höher zu setzen, als der bloße Nachahmer der Natur, und so kann Murillo und Rafael nicht verglichen werden. Unter den Arbeiten Muril- lo’s in verschiedenen Zeiten findet ein beträchtlicher Unterschied statt. In den meisten seiner späteren herrscht eine zu grosse Weich- lichkeit und ein mäßigeres Colorit, und es ist merkwürdig, wie er von der fast rauhen Manier Ribera’s, die man in einigen Ge- mälden der früheren Periode beobachtet, zu einer so zuckersüßen übergehen konnte. Seine beste Zeit fällt in die Mitte zwischen beiden, wenigstens seine besten Werke aus der Klosterkirche der Kapuziner von der Puerta de la Macarena, und aus jener des Hospitals de la Caridad zu Sevilla, die ihm allein unsterblichen Ruhm gegeben haben würden.

In Hand’s Kunst und Alterthum in St. Petersburg lesen wir als Einleitung zum Verzeichnisse der unten folgenden Bilder Muril- lo’s in der königl. Eremitage :

Murillo’s unläugbar hoher Werth thut sich in der Geschicklich- keit kund, mit welcher er die starken Gegensätze von Licht und Schatten zu einer Harmonie verschmolz, welche den Bildern einen fast zauberischen Charakter verleiht. Nicht die richtige Zeichnung ist es, auch nicht die Idealität der Form, was ihn zu einem Lieb- ling der grossen Menge macht, es ist das vielmehr die treue Auf- fassung der Natur, von welcher auch das Zarte, Kleine und nicht durch Kraft allein Gültige ergriffen wird, welches er aber von aus- senher durch die Wirksamkeit der Farbe und des Lichts zu erse- tzen und bedeutsam zu machen weiss. Daher hebt sich im Muril- lo’s Werken nicht ein starkes, volles Leben aus dem Innern her- vor, als vielmehr das auf der Oberfläche Gegebene in das klarste und vollste Licht tritt. Anmuth der Natur heisst seine Sphäre, nicht die Grazie des Idealen. Das Charakteristische wirkt in den Gestalten nicht mit hinreissender Gewalt, sondern wird dem Be- schauer allmählig erst erkennbar, wesshalb sich auch das Entzu- cken bei längerem Verweilen steigert, und man an der eigenen selbstthätigen Betrachtung wahrnimmt, wie die Gestalten in ihrer Bedeutsamkeit immer näher treten und immer mehr aussprechen.

Die Idealität verschmilzt bei Murillo stets mit dem Gemütlichen,
ja verliert sich in ihm nicht selten, und indem er in der Wahl
und Bildung des Gedankens fast immer poetisch und daher origi-
neller ist, tritt er noch niemals in den Kreis des Grossartigen, Er-
habenen, sondern verleiht seinen Bildern eine mehr oder weniger
bedingte Sentimentalität, welche der grösseren Mannigfaltigkeit
ermangelt, weil die Summe der sich äussernden Kräfte eine
geringere ist. Das Naive und Leichtbewegte gelingt ihm vorzüg-
lich; das Gefühlvolle und Innige, welchem er das Charakteristische
unterordnet, sichert ihn bei der unmittelbaren Auffassung der Na-
tur vor dem Irrweg, auf welchem Andere ins Gemeine und Bedeu-
tungslose geriethen; denn fast immer bleibt er dem Kolorit treu,
und ohne nach Schönheit zu ringen, gibt er das Anmuthige und
Liebliche in einer seltenen Reinheit. Bei vielen seiner Gemälde er-
freut uns das Sinnige oder die grosse Kunst, mit welcher er in
Blick und Miene seiner Gestalten den Gedanken zwar erkennbar,
klar werden, aber zugleich andeutet, dass in ihren Seelen
noch Vieles unausgesprochen und tief verborgen liege. Durch
diese Andeutung der inneren Tiefe macht er dem Beschauer mög-
lich, immer mehr aus dem Bilde herauszulesen. Die Composition
gelingt ihm meistens, und entschuldigt bisweilen für die hier und
da vernachlässigte Zeichnung, durch die Farbe aber vermag er das
Meiste, denn mit der ausdauernden Wärme und Lebendigkeit ver-
eint sich Harmonie und Zartheit. Doch möchte auch nicht ge-
nuggetan werden können, er habe an einzelnen Lieblingsgedanken
bis zur Befangenheit und der Gefahr das Manierierte gehangen.

Auch im Museum von Dr. Kugler, 3833 No. 52, ist ein Raisonne-
ment über Murillo.

Gleichzeitig, heisst es da, mit dem Dichter Don Pedro Calderón
de la Barca, der damals seine höchsten Triumphe als erster dra-
matischer Dichter der spanischen Nation feierte, nimmt Murillo
unter den Malern seines Landes dieselbe Stellung ein, wie jener
unter den Dramatikern. Unter Velázquez Augen nach den Mu-
stern der bedeutendsten italienischen und niederländischen Ge-
mälde gebildet, scheinen besonders Van Dyck und Spagnoletto den
tiefsten Eindruck auf ihn gemacht zu haben. Selbst Rafaels Ein-
fluss ist nicht zu verkennen, dessen berühmte Gemälde eben da-
mals nebst anderen Kunstwerken durch den kunstliebenden König
Philipp IV. im Escorial und zu Madrid gesammelt wurden. Das
Vorbild der Perle von Rafael auf die liebliche Madonna in der
herzoglich Leuchtenberg’schen Gallerie zu München, ein Bild, das
durch Hanfstängel’s Lithographie bekannt ist, ist unverkennbar.
Eine Madonna in der Sammlung spanischer Gemälde des Obersten
Schepeler lässt in ihrer großartigen Auffassung den Eindruck der
Madonna del Pesce deutlich erkennen. Diese Richtung Murillo’s
dürfte aber nicht für die ihm eigentümliche erkannt werden. Der
Gegensatz der Akademiker und Naturalisten in Italien war schon
vorüber, die Spanier, namentlich Murillo, standen gleichsam zwi-
schen beiden, ja sie vereinigten vielmehr die Vorzüge beider. Nicht
dass sie dieselben eklektisch nachzuahmen sich bestrebt hätten, was
gewöhnlich ohne inneres Leben zu geschehen pflegt, und deshalb
auch leblose Gebilde erzeugt, vielmehr waren beide Schulen durch
ihre Vorzüge geeignet, den lebendigen, feurigen Geist des Spa-
niers zu erlassen, ihn zu wecken, zu bilden und zu leiten. Die
kräftig ausgesprochene Individualität der Naturalisten musste unter
diesen Umständen am meisten wirken, und wirklich scheinen die
Bambocciaden unsers Andalusiers in nächster Verwandschaft mit

Murillo, Don Bartolomé Esteban. 45

ähnlichen Gegenständen des Carravaggio zu stehen. Doch finden wir auch hier keineswegs eine peinliche Nachahmung, sondern möchten den Schüler in dieser Hinsicht noch höher stellen; denn ohne weniger wahr zu sein im Colorit und lebendiger Auffassung seines Gegenstandes, übertrifft er jenen an Grossartigkeit. Wenn sämmtliche Heiligen des Carravaggio mit seinen Banditen und an- derm losen Gesindel in nächster Verwandtschaft zu stehen schei- nen, so glaubt man dagegen unter der Jacke von Murillo’s Wasserträgern und Eseltreibern und durch die Lumpen seiner Bettel- jungen die Fürsten ihres Geschlechtes zu erblicken.

Handelte es sich aber darum, heilige Gemälde zu malen, so leistete er nicht minder Bewunderungswürdiges, wie seine Werke zu S. Francisco und St. Jorge in Sevilla beweisen. Aber hier wählte er diejenigen Gegenstände vorzugsweise, in welchen der katholische Spanier die Befriedigung seiner glühenden Schwärmerei wiederfand. Je Andacht eines Franciscus, einer Magdalena wurde den Lieblingsgegenständen. Ersterer ist auf einem Gemälde der fürstlich Schaumburgischen Sammlung zu Bückeburg ganz meister- haft dargestellt. Eine büssende Magdalena hat Hanfstängel litho- graphiert.

Zahlreich sind die Bemerkungen über diesen Künstler in ver- schiedenen Schriften; von R. Mengs, der in einen Brief an Ponz (Opp- ed. Fea p.308) besonders über seine beiden Stylarten schreibt; von C. Bermudez, der in seinem Diccionario das Leben des Künst- lers beschreibt und seine Werke aufzählt, deren aber seit 1800 viele anderswohin gewandert seyn werden; von Fiorillo, der uns gerade nicht Alles in seiner Tiefe aufgeschlossen; im Kunstblatte, wo jeder Jahrgang über Murillo Nachrichten oder Beurtheilungen bringt; von Dr. Kugler in seiner Geschichte der Malerei; von Pas- savant in seiner Kunstreise durch England und Belgien; von Dr. Waagen in Kunst und Künstler in England und Paris, und in mehrern anderen Schriften. Passavant und Waagen nennen eine grosse Anzahl von Bildern, und fügen ihre Bemerkungen bei; be- sonders letzterer,

Proben von Murillo’s Kunst gibt es noch sehr viele, doch werden ihm sicher auch Bilder zugeschrieben, an welchen er kei- nen Antheil hat. Seine drei tüchtigsten Schüler: Tobar, Meneses und Villavicencio, copierten den Meister so genau, dass sie selbst gute Kunstrichter täuschen konnten.

Von den Werken dieses Künstlers erwähnen wir folgende nach den Orten, wo sich selbe befinden, bemerken aber nur, dass bei dem Wechsel der Besitzer nicht immer genaue Angaben möglich seien. Namentlich ist dieses mit den Bildern in Spanien der Fall, wo die neuesten unglückseligen Verhältnisse ganz verderblich auf die Kunst wirkten.

Amsterdam. Der Kunstliebhaber Cortemans besass seit 50 Jah- ren einige Gemälde, die dem Murillo zugeschrieben werden. Im Jahre 1855 kaufte sie der Kunsthändler Dubois zu Paris,

Berlin. Im k. Museum ist das Bild des heil. Anton von Padua, welches bis zu den Zeiten Napoleon’s im Alcazar zu Sevilla auf- bewahrt wurde. Der Heilige kniet und hält das Christuskind in seinen Armen, das in einer Wolkenglut sich zu ihm nieder- gesenkt hat. In der Gestalt des hl. Mönchs zeigt sich nach Dr. Kugler (Beschr. d. Gall. des Muscums S. 304) die grosse Kunst des Mei- sters in ihrer schönsten Entfaltung; es ist die Vollkommenste Na-

Murillo, Don Bartolomé Esteban.

Die wahrheitsgemäße Darstellung in dieser Figur, und zugleich eine feine, individualisierende Beobachtung des mönchischen Charakters, eine Anmut in dem Ausdruck schwärmerischer Devotion, die das Interesse des Beschauers im höchsten Maße fesselt. Das Christuskind ist mit ungemein zarter Färbung gemalt. Das Phantastische, Visionäre in den Wolken und in der Landschaft, in welche man unter diesen hinausblickt, ist von einer nicht minder frappanten Wirkung. Nur die Engelknaben, die auf den Wolken schweben, scheinen, wenn auch mit Absicht, so doch in allzuhohem Grade vernachlässigt. — Nicht minder vorzüglich ist das zweite Gemälde Murillos, das Brustbild eines Cardinals, der behaglich in einem prächtigen Lehnstuhle sitzt, indem er die Arme auf den beiden Lehnen ausruhen läßt. Die sprechende Lebendigkeit des Kopfes, die feinen, zierlich geformten Hände, der blühende, warme Ton in der Färbung des Nackten, die meisterliche Freiheit der Ausführung machen dieses Portrait zu einem der anziehendsten Bildnisse der Berliner Galerie. Auch ist der Besitz desselben um so wertvoller, als überhaupt von Murillo nicht häufig Portraitbilder gemalt worden sind.

Bückeburg, in der fürstl. Galerie: St. Franz in Entzückung, oben erwähnt.

Cadiz. In der Capuzinerkirche das große Hochaltarblatt mit der Vermählung der heil. Katharina, oben im Contexte schon erwähnt. F. Meneses Osoris, Murillos Schüler, vollendete nach des Meisters Tod dieses Gemälde. Über der Thüre der Sakristei ist ein Ecce homo.

Dresden. In der Galerie eine sitzende Madonna mit dem Kinde, in Lebensgröße.

In England findet man ebenfalls mehrere Werke von Murillo, deren Dr. Waagen (Kunst und Künstler etc.) folgende beurtheilt.

Auf der Ausstellung der British Institution von 1853 sah Dr. Waagen das treffliche Bild des heil. Thomas von Villanueva, welcher den Presshaften und Armen Almosen austeilt, ehedem in der Franziskanerkirche zu Genua. Es gehört der zweiten Epoche des Meisters an, in welcher er nach seiner Rückkehr von Madrid noch im frischen Andenken der Bilder des Velasquez große Naturnähe in der Auffassung und Bestimmtheit der einzelnen Formen zeigte. Der Gegenstand, sagt Dr. Waagen, war für Murillo besonders glücklich. In dem Kopfe des Heiligen, in welchem geistliche Würde und Strenge vortrefflich ausgedrückt sind, hat er bewiesen, wie sehr er solchen kirchlichen Aufgaben aus den Legenden mönchischer Heiliger gewachsen war. Die Krüppel und Kranken gewährten ihm dagegen ein reiches Feld, seine Meisterschaft in Darstellung aus dem gemeinen Leben geltend zu machen, und das ruhige, geistige Walten des Heiligen bildet mit der lebhaften Aufregung der Nothleidenden einen ergreifenden Gegensatz.

In der Gemäldegalerie zu Staffordhouse ist eine Pietà mit dem Kinde und dem hl. Joseph, nach Waagen ein fleißiges, aber sonst mäßiges Bild. Ein zweites kleines Gemälde stellt St. Franz dar, wie er das Jesuskind herzt, in hellem, delikatem Goldton.

In neuester Zeit wurden zwei Bilder aus der Sammlung des Marschall Soult angekauft. Der verlorene Sohn gehört zu den schönsten Leistungen des Meisters im saftigen, tiefen Hell-Dunkel; das zweite: Abraham mit den drei Engeln, ist gering in den Charakteren.

In der Sammlung des Lord Ashburton ist ein Bild aus Sevilla, welches ehedem General Sebastiani besaß, ohngefähr 10 F. hoch

In der Grosvenor-Gallerie befindet sich die berühmte grosse Land-
schaf mit Laban aus dem Palaste S. Jago in Macrid. Die reiche,
übrigens genreartige Composition ist von ungemeiner Klarheit und
Frische der Färbung. Auch in der harmonischen Landschaft zeigt
er sich als tüchtiger Meister.

Im Besitze des Hrn. Sanderson, Schwiegersohnes des Lord Can-
terbury zu London, ist ein Gemälde der Maria in der Herrlich-
keit, unten schwebende Engel, lebensgrosse Figuren. Nach Dr.
Waagen gehört der Kopf der Maria zu den mehr naturwahren,
als edlen des Meisters. Dafür sind aber auch die Formen unge-
wöhnlich bestimmt, die Ausführung, in einem hellen klaren Gold-
ton, ungemein fleissig.

In der Sammlung des Sir Thomas Baring sind 5 Bilder von Mu-
rillo. Maria auf dem Halbmonde in der Herrlichkeit, im weissen
Gewande, worüber ein blauer Mantel herabwallt, in Gestalt und
Zügen ungleich edler als meist; und in einem zarten Silberton
gehalten. Unten sind Engel mit Rosen, Lilien und Palmen, mehr
im Goldton gemalt. Die Figuren sind klein lebensgross. Ein klei-
nes Bild in achteckiger Form stellt die Himmeltahrt Maria dar,
Die Composition ist reich und von mehr Stylgefühl in den Linien
als gewöhnlich, auch fleissiger beendigt, doch in den Lichtern
minder klar, als sonst, in den Schatten schwarz. Die heil. Fa-
milie, mit Joseph an der Hobelbank und drei Engeln an der Luft,
ist ein durch die zarte Ausführung, die klare kräftige Färbung sehr
anziehendes Cabinetsbild. Der mit Epheu bekränzte Hirtenknabe,
welcher über die Töne seiner Flöte lacht, ist im Ausdrucke fau-
nischer Schalkheit in Aug und Mund unvergleichlich, die warme
röthliche Färbung von grösster Klarheit, halbe Figur. Das letzte
Bild des Sir Thomas stellt ein junges Mädchen von gemeinen Zü-
gen dar, wie sie den Schleier aufhebt, zart - warm im Ton und
von niederländischer Klarheit des Helldunkels, wenn gleich minder
stark impastirt, als sonst. Dieses Bild hat leider etwas ge-
faltet.

In der Bildersammlung des Grafen Radnor sind zwei lebensgrosse
Figuren in einer Landschaft, sehr solid impastirt und von glüh-
ender Farbe.

In der Bildersammlung zu Bowood, dem Sitze des Marquis von
Landsdowne, ist ein besonders schönes Portrait von Murillo.

In der Gallerie zu Leight-Court ist die Marter des heil. Andreas,
wovon Dr. Waagen die Skizze im Dulwich-Colege sah, mit Fig-
uren etwa } lebensgross. Die ganze Aufgabe ist sehr discret be-
handelt, der Heilige edel im Ausdrucke, die Farbe höchst zart
und klar, die Ausführung von der seltensten Sorgfalt. Ein zwei-
tes Bild derselben Sammlung ist eine heil. Familie mit Engeln in
einer Landschaft, fast lebensgrosse Figuren. Dieses Bild ist aus
der entschieden naturalistischen Epoche des Meisters, daher die

Murillo, Don Bartolome Esteban.

Formen bestimmter, die Farbe weniger weich und klar, Impasto und Ausführung sind trefflich, der Ausdruck viel edler, als in sei- nen meisten Bildern aus dieser Zeit. Aus der besten Zeit des Meisters ist daselbst Maria mit dem Kinde und Joseph, halbe Fi- uren in Lebensgrösse, edel in den Charakteren, von wun- derlichem Reiz des warmröthlichen Tons und zart verschmolzener Malerei.

In der Sammlung zu Warwick Castle sieht man einen lachenden Jungen, der auf den Beschauer hinweist, höchst lebendig und jaunig im vollen Licht in seinem klaren, röthlichen Ton durchge- führt. Die Hand ist meisterlich verkürzt, der Grund hell.

Die Bildersammlung zu Alton Tower bewahrt von Murillo das Bild der betenden heil. Theresia in einer schönen Landschaft, ein Gemälde von grosser Kraft. Meisterlich behandelt ist ein skizzen- haftes Bild der Predigt des Täufers Johannes.

In Burleigh House, dem Sitze des Lords Exeter, sieht man Dio- genes, wie er im Begriffe ist, seine Trinkschale wegzuwerfen. Die- ses Bild ist meisterhaft in der naturhistorischen Weise seiner Bett- lerfiguren aufgefasst, indess, zumal in den Schatten, etwas dunkel.

In der Sammlung von Woburn Abbey, dem Sitze des Herzogs von Bedford, ist ein grosses, in der Composition stylloses, aber in der sehr warmen und blühenden Färbung reizendes Bild. Es stellt eine grosse Anzahl im Himmel einherfliegender Engel dar.

Baron von Rothschild kaufte 1840 aus der Sammlung des Sir Si- mon Clarke den guten Hirten um 3045 Pf., St.

M. Yates u. S. besass 4837 das unter dem Namen Pedrosa-Mu- rillo bekannte Bild.

Auch Italien bewahrt Bilder von Murillo. In der florentini- schen Gallerie (Stanza di Venere) ist eine Madonna mit dem Kinde, und eine ähnliche Darstellung in der Stanza di Apollo. Im Pa- lazzo ducale zu Modena ist das Bild eines Bauernknaben; in der k. Gallerie zu Neapel der heil. Franciscus; im Palazzo Braschi zu Rom eine Madonna mit Engeln; im Palaste Corsini eine Madonna mit dem Kinde; im Palaste Doria Pamfili eine Magdalena; im Palaste Falconieri eine heil. Familie; im Palazzo Reale zu Turin 1837. Johann von Nepomuck mit der Kaiserin Johanna und einem

auer,

Das Bild des heil. Thomas von Villa Nuova, ehedem in der Franziskanerkirche zu Genua, ist jetzt in England.

Lugo in Galicien. In einer Kirche in der Nähe der Stadt eine Scene aus dem Leben des heil. Bernhard, ein im Ausdruck und in der Färbung wunderbares Werk.

Madrid, Hier sind in den k. Sammlungen und Palästen noch viele Gemälde von Murillo; wenigstens noch vor dem Ausbruche des unseligen Bürgerkrieges in diesem Lande. Die ehedem im Es- curial befindlichen Gemälde, besonders jene im Casino des Kö- nigs, sind schon in der früheren Kriegsperiode sämmtlich weg- genommen worden, und befinden sich zum Theil jetzt im neu er- richteten Museo del Prado zu Madrid. Auch aus dem Schlosse St. Uldofonso sind einige in das neue Schloss nach Madrid gebracht wurden. Das Museum zählte 1822 im Ganzen 41 Werke von Mu- rillo, und daher kann nur diese Sammlung eine richtige Vorstel- lung gewähren von dem unerschöpflichen Talente dieses Meisters.

Murillo, Don Bartolome Estevan.

Berühmte Bilder im Besitze der spanischen Krone sind: die heil. Familie, welche die Spanier „la sacra familia del perito“ nennen, wo besonders das Christuskind wunderbar schön gemalt ist, eine der schönsten Perlen der reichen Sammlung; die Marter des heil. Andreas; der heil. Ildefonso vor der heil. Jungfrau; der heil. Bern- hard, dem die heil. Jungfrau erscheint, beide gestochen im älteren Galleriewerke: Coleccion de los estampas grabados a buril etc. — Madrid 1792, 94; der heil. Augustin; der heil. Franz von Assisi ; die heil. Rosa von Lima, in der obigen Coleccion abgebildet; die heil. Elisabeth von Ungarn (la santa Isabel de Hongria), das am meisten bewunderte Bild Murillo’s in der Akademie von S. Fer- nando, welches für das grösste und vollkommenste gilt; die büs- sende Magdalena; eine heil. Familie in ihrer häuslichen Beschäfti- gung, ein schönes Bild, welches während der französischen Occu- pation in Paris war; Christus und Johannes, ein sehr schönes Bild; die Verkündigung Mariä, Besonders ist auch jenes Bild zu nennen, welches unter dem Namen des Piojoso bekannt ist. Es stellt einen vom Ungeziefer sich reinigenden Knaben dar, und kam von Cordova in das k. Schloss nach Madrid. Alle diese Bil- der, und etliche andere, sind lithographiert, in dem Gallerie- werke: Coleccion litografica de Cuadros del Rey de Espanna, que se conservan en Sus Reales Palacios Museo y Academia de San Fernando etc. Con el texto por D. Juan Augustin Cean- Bermudez, y D. Jose Musso y Valiente, Madrid 1826 — 35,

qu. fol.

Die berühmte Landschaft mit Laban aus dem Palaste S. Jago zu Madrid ist jetzt in der Grosvenor-Gallerie zu London.

In dem 1836 zu Paris erschienenem Werke von L. Viardot über Spanien sind mehrere Nachrichten über spanische Gemälde,

München. In der k. Pinakothek sind ausgezeichnete Werke dieses Meisters: zwei Bettlerjungen, von welchen der eine eine Traube isst, der andere die Melone, in natürlicher Grösse; zwei Gassenjungen, welche Würfel spielen, der dritte mit dem Hunde verzehrt das Stück Brod, in Lebensgrösse; ein auf dem Steine sitzendes Mädchen zahlt Geld, um es einem knienden Knaben zu geben für die Früchte, die er aus dem Korbe wählt, lebensgrosse Figuren; zwei muntere Gassenjungen verzehren ihr Brod und ihre Früchte in freier Luft, lebensgrosse Figuren; vier Betteljungen, von denen zwei Karten spielen, vor einer Hütte liegend, in Le- bensgrösse; eine Alte, welche dem Buben Läuse sucht, der vor ihr liegt, und dem Hunde Brod gibt, in natürlicher Grösse; St. Franz heilt einen Gichtbrüchigen auf offener Strasse vor der Kirch- thüre, im Mittelgrunde sind zwei Mönche, Figuren in Lebens- grösse. Murillo hat in diesen obigen Bildern wahre Ideale von Gassenjungen gegeben, mit unübertrefflicher Wahrheit selbige dar- gestellt, als wahre Muster vernachlässigter Erziehung. Unter den zerrissenen Kleidern wohnt Zufriedenheit und ausgelassene Freude. Dieses Heer von Gassenjungen ist auch durch die Lithographie be- kannt, in dem Werke: Pinakothek oder Sammlung der ausgezeich- netsten Gemälde der k. Bildergallerie zu München, lith. von Strix- ner, Piloty, Selb, Flachenecker und Hohe, gr. fol.

In der herzoglich Leuchtenberg’schen Gallerie zu München ist eine liebliche Madonna mit dem Kinde, Kniestück; der Erzengel

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