Murillo, Don Bartolome Estevan,
Sein größter Verdienst, dem Murillo gerühmt wird, kann einen genügenden Beweis in der Ruhe in Ägypten und der Anbetung der Hirten finden, die beide aus Walpole’s Sammlung nach Petersburg kamen. Das letztere ist in der Houghtonhall-Gallery gestochen.
Wie viel Murillo in der treuen, aber geistreichen Übertragung der Naturgegenstände leistete, beweist das Kniestück einer jungen Bäuerin, welche mit einer Hand ein weißes Tuch an den Backen hält; denn sie leidet an Zahnschmerzen. Auf dem Nebenbilde neigt sich die Bäuerin lächelnd zu einem sie anbellenden Hunde. Beide Bilder zeichnen die Natur mit der höchsten Wahrheit und der lebendigsten Charakteristik.
Durch einen sinnigen, gemüthvollen Charakter zeichnen sich vorzüglich aus: die Segnung Tobias und der heil. Johannes mit dem Lamme an einem Felsen. Letzteres Bild war früher in den Zimmern der Kaiserin Mutter. Niemand hat die zarte Kindlichkeit, das Seelenvolle und Bedeutsame der Unschuld lebendiger oder vollständiger ergriffen.
Auf den Bildern der heil. Familie erscheint seit P. Perugino und Rafael, und schon seit früherer Zeit, entweder in einem sekundären Anteil an der Handlung, oder selbst in dem Charakter eines Gegensatzes, Murillo aber scheint die Idee der väterlichen Liebe vorzüglich liebgewonnen zu haben; Joseph erscheint bei ihm als Vater des Kindes. Die Eremitage enthält 4 treffliche Bilder dieser Gattung.
Dass Murillo auch als Landschaftsmaler ausgezeichnet ist, beurkundet ein sehr schätzbares Stück der ehemaligen Houghtonhall’schen Sammlung, welches auch in Walpole’s Werk als Kupferstich Vol. I. n. 25 zu finden ist. Über das ganze Bild ist eine Heiterkeit und ein Leben verbreitet, das nicht beschrieben werden kann. Das Brustbild eines jungen Weibes mit dem toten Kinde im Arme trägt ebenfalls Murillo’s Namen; eine Flucht nach Ägypten stammt aus Walpole’s Sammlung, der es durch den Gesandten Benjamin Keene in Madrid erhielt; St. Joseph mit dem Christuskinde auf dem Schoß kommt aus der Houghtonhall’schen Sammlung, und ist Vol. II. p. 46 gestochen, und das letzte der k. russischen Galerie stellt Joseph oder Simeon vor, mit dem Kinde andachtsvoll nach dem Himmel blickend.
Sevilla hatte vor der Ankunft der Franzosen viele und schöne Bilder von Murillo, allein seit dem Proconsulate des berühmten Marschalls Soult sind Sakristeien und Capellen ihres schönsten Schmuckes beraubt. In der Sammlung des Marschalls konnte man die Meisterwerke des Hospitals San Jorge della Caridad bewundern, allein sie sind schon teilweise zerstreut, um nie mehr nach Spanien zu wandern.
Das berühmte Bild des heil. Anton von Padua, ehedem im Alcazar zu Sevilla, ist jetzt im k. Museum zu Berlin.
Die Bilder der Hospitalkirche, so wie jene im Kloster des heil. Franz, in der Kirche de los Venerables, in der Kathedrale, in S. Maria la Blanca und des Capuzinerklosters haben wir oben im Contexte erwähnt. Ob die Gemälde außer jenen in la Caridad noch an Ort und Stelle sind, wissen wir nicht, und glauben es sogar nicht. So ist wahrscheinlich das berühmte Bild des heil. Thomas von Villa nuova bei Lord Ashburton in London jenes der Capuzinerkirche zu Sevilla.
M‘un’llo. Don Bartolome Estevan, 53
Mr. Williams in Sevilla besitzt ein authentisches eigenes Bild- niss des Künstlers und mehrere Handzeichnungen desselben.
Wien; in der k. k. Gallerie ist ein schönes kleines Bild des Johannes der Wüste mit dem Rohrkreuze, wie er das Lamm liebkost, und ein junger Bettler.
In der Gallerie des Fürsten Esterhazy ist eine heil. Familie; Maria mit dem Jesuskinde, das einem Greise Brod reicht; Maria mit dem Kinde und zwei Engeln; St. Joseph mit dem Jesuskinde; der zur Leyer tanzende Bauer; ein Mann mit dem Spaten; ein Gas- senjunge und das Bildniss eines jungen Mädchens.
Wir haben schon oben mehrere Werke genannt, wo Gemälde dieses Künstlers abgebildet sind, und fügen hier noch einzelne Kupferstiche bei, theils auch zur Ergänzung des Verzeichnisses der Bilder Murillo’s. Gestochen sind von:
Aloja, V., Magdalena in der Wüste kniend, 1805.
Amettler, Blas, die heil. Rosa von Lima.
Ardell, M., der heil. Franz von Paula in der Wüste; die Himmelfahrt Mariä,
Balestra, J., Magdalena kniend in der Wüste.
Blanchart, La petite paysanne, Galerie Agnado,
Blaschke, J., Johannes der Täufer als Kind: das Lamm wird sie weiden etc., 1835.
Bleeck, P. van, das Bauernmädchen und der Bauernknabe mit dem Kränleinchen.
Burke, Th., die heil. Familie, in Farben; die Flucht in Aegypten; die Himmelskönigin, in Schwarzkunst,
Carmona, S., Jesus und Johannes als Knaben umarmen sich; die heil. Jungfrau auf Wolken in einer Engelglorte, oder die Empfängniss Mariä; Santiago, Patran de Espanna; S. Fernando von Spanien kniend im Gebete, nach dem Bilde im Cabinete Nesfares. 17910
Chambars, eine heil. Familie, in Boydell’s Verl.s. .
Collin, R., Bartholomens Morillus Hisp. — se ipsum de- pingens 1682.
Cramolini, E., das spanische Blumenmädchen, Sith.
Deane, J., St. Auton mit dem Jesuskinde.
Devaux, Th., das Mädchen, welches den Vogel tanzen lässt.
Facius, Abraham mit den drei Engeln.
Green, V., Johannes der Täufer mit dem Lamme; die An- betung der Hirten aus der Gallerie Houston; die Himmelfahrt Mariä, Gallerie Houston.
Halbou, L., La toilette du Savoyard.
Hanfstängel, F., Madonna mit dem Kinde, berühmtes Bild der Leuchtenberg’schen Gallerie zu München, lith.
Henriquez, die Madonna mit dem Kinde, Mus. frangais.
Humphrys, W., A spanish peasant boy (Engl. National- Gallery, publis. by Authority).
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