Murillo, Don Bartolomé Esteban,
Rafael mit einem vor ihm knienden Bischof; der gute Hirte, Christus als Knabe. Die Madonna dieser Sammlung hat bei sehr portraitartigen Zügen doch etwas Unbeschreibliches Ideales. Sie ist von Hantfstängel lithographiert in dem Werke: Auswahl der vorzüglichsten Gemälde der herzoglich Leuchtenberg’schen Galerie, herausgegeben von der literarisch-artistischen Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, gr. fol. Diese herrliche Madonna wurde seitdem mehrmals lithographiert, und neuerdings von L. v. Montmorillon gestochen. Im Umrisse gestochen sind die Bilder dieser Galerie im eigenen Werke von J. N. Muxel, Inspektor jener Galerie,
Im k. Museum zu Paris sind mehrere Bilder von diesem Meister, deren Dr. Waagen (Kunst etc. II. p. 35) erwähnt. Ein Heiliger, vom Himmel aus begeistert, ist von ziemlichem Charakter, geschmackloser Bewegung, für Murillo kalten Lichtern und schweren Schatten, welches Alles auf eine sehr frühe Zeit des Künstlers deutet. Aus der früheren Zeit des Meisters ist auch das auf dem Schoß der Maria sitzende Christuskind, welches mit dem Rosenkranze spielt. Die Maria ist portraitartig und keineswegs edel, die Schatten etwas dunkel, die Gewänder von einer gewissen Härte, übrigens in warmer, leuchtender Farbe trefflich impastirt. Von zartem, aber nicht bedeutendem Charakter ist die Maria im Bilde des Geheimnisses der unbefleckten Empfängnis, wo sie in einem himmlischen Glanze von Engeln und Menschen verehrt wird. Die ersten sind übertrieben dick, dagegen aber ist die Lebendigkeit und der begeisterte Ausdruck der aus der Dunkelheit zu ihr emporblickenden, glühend colorirten Spanier höchst ergreifend und eigenthümlich. Ein anderes Bild, ebenfalls mit portraitartigen Köpfen, stellt das auf dem Schoß der Maria stehende Jesuskind dar, welches von dem kleinen Johannes mit Röhrkreuz empfangen wird. Dabei ist Elisabeth, in den Wolken Gott Vater und der hl. Geist. Die Köpfe sind bis auf die Anna von kräftigem Charakter und edlem Ausdrucke, aber keineswegs bedeutend. Für Beleuchtung und Färbung ist dagegen dieses Bild nach Dr. Waagen’s Versicherung ein wahres Wunder. Ferner sieht man im Louvre einen Christus am Ölberg, dem der Engel den Kelch reicht. Der Christus ist hier ungewöhnlich edel, die Farbe glühend, die Lichtwirkung schwingend, die Ausführung zart. Zu stark und zu unedel sind dagegen die Formen des Christus an der Süule, welchem Petrus um Vergebung anfleht. Dann sieht man in diesem Museum auch ein lebendig wahres Bild eines jungen Bettlers, der nach ungebeten Gästen sucht, früher in der Sammlung Goignat-
Im spanischen Museum zu Paris, welches König Louis Philipp in neuester Zeit aus den in Spanien angekauften Gemälden bildete, sind 22 Werke von Murillo, und das schönste ist die Virgen a la alfaja, die Jungfrau mit der Windel. Sie will das Kind schlafen legen, und wickelt es deshalb in seine Windel ein; allein es sträubt sich mit Händen und Füßen, bis ein Paar Engel vom Himmel herabschweben, und ihm etwas vormusizieren. Mit einer unübertrefflich schön ausgedrückten kindlichen Aufmerksamkeit horcht es der göttlichen Musik, und die Jungfrau hat leichte Mühe, das Kind zu wickeln. Eine andere Darstellung ist nicht minder schön und naiv. Ein alter armer Mann irrt müde und hungrig umher, und endlich erscheint ein Kind, das ihm Brot reicht. Der Himmel öffnet sich, und Engel schweben herbei mit Kränzen und Girlanden, die von Brot gebildet sind. Zu erwähnen sind noch:
Murillo, Don Bartolomé Esteban:
St. Rodrigo von einem Engel gekrönt, und St. Bonaventura schreibend. Auch des Künstlers eigenes Bildnis ist hier zu sehen.
In der Galerie des Marschall Soult sind folgende Bilder, alle trefflich, und darunter jene, welche der Künstler 1674 für die Barmherzigkeitskirche malte, aber das schönste und die Krone der Sammlung ist das große Bild der Himmelfahrt Mariä, von unbezweiflichem Anmut, Zartheit und Würde. Dr. Carus (Paris und die Rheingegend II. 65) spricht mit Enthusiasmus von diesem Gemälde. Es scheint über diesem Bilde der milde Geist Correggio’s zu ruhen; es ist jedem tiefen Gemüthe unvergesslich. Andere Bilder sind: der Räuber, welcher vom heil. Benedikt Absolution fordert; streng, ja finster gemalt, aus der früheren Zeit des Künstlers; die Apotheose des heil. Philipp; die hülferufenden Pestkranken, mit des Künstlers eigenem Bildnis hinter dem Alcaden; die Flucht nach Ägypten, und ein Bild mit vier Kindern. Diese Gemälde sind aus des Künstlers zweiter Periode, und aus der dritten und vorzüglichsten: der Jesusknabe, welcher den heil. Johannes umarmt; Christus, der den Lahmen am Teiche Bethesda heilt; die Erlösung Petri aus dem Gefängnisse; Moses, wie er Wasser aus dem Felsen schlägt, wahrscheinlich unrichtig, da das Original sich hoch in der Caridad zu Sevilla befinden soll; das Wunder der Vervielfältigung der Brote und Fische; der heil. Juan de Dios, einen Armen tragend; die heil. Isabella von Portugal, Arme pflegend; die heil. Jungfrau mit den Engeln; St. Petrus und der heil. Augustin.
Das vortreffliche Bild, welches den Abraham vorstellt, wie er die Engel anbetet, und den verlorenen Sohn in den Armen seines Vaters, kam in neuester Zeit nach London in die Galerie des Stafford-house.
In der Galerie Aguado ist neben andern das schöne Bild der kleinen Bäuerin. S. Galerie Aguado, Choix des principaux tableaux de la Galerie de M. le Marquis de las Marismas del Guadalquivir; etc. Notices sur les peintres par L. Viardot. Paris 1837, roy. fol.
In St. Petersburg sind 18 Bilder von Murillo, die bei Labensky (Galerie de l’Hermitage gravée au trait d’après les plus beaux tableaux qui la composent etc. St. Petersburg 1805) teilweise im Umrisse gestochen sind. Einige sind durch Stiche der Houghton-Hall Gallery bekannt. Folgendes ist der Inhalt der Bilder, nach Hand’s Werk über Kunst und Alterthum in St. Petersburg.
Ein Theil der Bilder gehört der Periode an, in welcher Murillo nach den Mustern des van Dyck und Velasquez sich für einen correcten und kräftigeren Styl gebildet hatte, andere aber bezeichnen, wie er sich später nur an das Gefällige, Zarte und Anmuthige hielt. Der idealen Darstellung gehören zwei Gemälde an, eine Verkündigung und eine Himmelfahrt Mariä. Das erstere gehört zu den besten Werken des Murillo, wie zu den vorzüglichsten Gemälden überhaupt. Nicht geringeren Werth hat das zweite, das aus Houghtonhall nach Petersburg gelangte. Es ist 6 Sch. 4 Z. hoch und 4 Sch. 9 Z. breit. Das Bild ist von ungemeinem Zauber und Lieblichkeit.
In Hinsicht der Composition zeichnen sich der Traum Jakob’s und Christus am Kreuze aus. Letzteres stammt aus der Houghton-hallschen Sammlung, daher in Kupfer gestochen Th. I, p. 45.
Was in der Behandlung des imponirenden Gegensatzes von Licht und Schatten als großes, ja, wie Einige behaupten wollen, als
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_qsM-AAAAcAAJ_2/