München, in der k. Pinakothek

München , in der k. Pinakothek, sieben Bilder, die eben so reich an Vorzügen, wie die Gemälde in England und Paris . Über- haupt besitzt die Münchner Sammlung wahre Perlen von hollän- discher Kunst. Eines dieser Bilder, selten in seiner Art, stellt alle Gefässe, Fische, Früchte, einen toten Hahn, und im Hintergrunde der Bauernstube ein Weib mit einem Buben dar, 1647. Auf einem andern Bilde kommen zwei Weiber ihren im Wirthshause raufenden Männern zu Hülfe. Auf dem dritten und vierten Bilde geht es lustig her; einmal ist eine Bauerngesellschaft in der Schenke beim Tanzen, und eine andere belustigt sich auf andere Weise. Dann sieht man hierauf Tabackraucher mit ihren Weibern trinkende und rauchende Bauern in der Stube, und einen Trinker mit Glas und Krug in den Händen.

Auch in der Sammlung des Herzogs von Leuchtenberg und in jener des Domherrn Speth findet man treffliche Werke. Auf einem Gemälde der ersteren sieht man Bauern unter der Laube vor der Schenke, und die Bäuerin vorne steht mit dem Kruge da; in der zweiten Sammlung ist das treffliche Bild eines Geld zählenden Wucherers.

Die Kunstschätze Münchens sind auch in Abbildungen vorhan- den; die k. Pinakothek durch das Mth. Prachtwerk v. Strixner, Pi- loty u. a., die Leuchtenberg’sche Gallerie in Lithographien von Hanfstängel, Borum, Huhe, Piloty w. a. und durch das neueste

Boisset, Punge und Vaudrail rühmlich bekannt,

Adrian van Ostade.

Werk in Umrissen von J. N. Muxel, die Speth’sche Sammlung durch die Lithographie.

Paris, in der Gallerie des Louvre: Ostade mit seiner Frau in einem Zimmer, vor ihnen fünf Töchter, und hinter dem Stuhle ein Sohn. Ein junger Mann und eine Frau in Mitte des Zimmers stellen für Bruder und Schwägerin. Diess ist durch Grösse wie Ge- balt ein Hauptwerk des Meisters, die Portraite sind sehr lebendig, die Auffassung, wie der ungewöhnlich helle, aber sehr klare Fleisch- ton noch an F. Hals erinnernd, die Zeichnung sehr sorgfältig.

Ein Schulmeister droht einem Knaben, welcher schreiend vor ihm steht, mit der Ruthe, umher andere Kinder. 1662. Für die Verreinigung des klarsten, glühendsten Goldtons mit einem soliden Impasto und einem tiefen Helldunkel ist diess eines der schönsten Bilder des Meisters, welches schon in den Sammlungen Julienne, nä in der letz- tern 1784 mit 6601 Fr. bezahlt wurde. — Das Innere einer Bauern- hütte, wörin die Frau das Kind wiegt, von besonderem Reize des Helldunkels und des Tons. — Ein Bauer mit Krug und Glas in den Händen, 1667, von kräftigem Tone und fleißiger Ausfüh- rung. — Zwei Kartenspieler und eine Frau, vorn ein Raucher. Der rothe, weniger helle Fleischton deutet auf die spätere Zeit des Künstlers, übrigens von trefflichem Helldunkel um, sehr fleißig. — Ein Advokat in seiner Studierstube, kalt im Tun, und in der Ausführung minder fein, s. Waagen III 602,

In Paris waren zur Zeit des Kaiserreiches noch mehrere andere Werke von Ostade, und abgebildet finden wir sie im Musee fran- çais par Laurent et Robillard, wie im Musee Filhol, unter- zeichnet im Mantel du Mus. fran., in Reveil’s Musée de peinture etc.

Im Jahre 1837 wurde zu Paris aus der Sammlung des Herzogs von Berry eine Bauernscene für 31000 Fr. an Manngebfheht.

Es fanden und finden sich auch in vielfältlichen Privatsammlun- gen meisterhafte Werke von diesem Künstler,

In der Sammlung Delaserre: das Innere einer Mairie mit ungefähr 24 sich belustigenden Figuren,

Im Boursault’s Sammlung: ungefähr 20 Bauern in einer Scheune tanzend und singend.

In der Sammlung des Cav. Erard: das Innere einer Hütte, wo zwei Weiber und drei Männer am Tische sitzen, während eine Frau singt, und ein Mann die Violine spielt. Im Grunde sind vier andere Figuren, 1655.

Salzdahlen; die Gallerie daselbst bewahrte ein historisches Bild von Ostade, eine Verkündigung der Hirten mit dem Engel in der Glorie. Drei andere Bilder: aus jener Sammlung bestehen in Bauernstücken.

Sehwerin; in der Gallerie: eine sitzende Bäuerin mit dem Glase, neben der Tonne liegt eine Geige, 1614.

Wien; in der k. k. Gallerie mehrere Bilder, und unter diesen besonders ausgezeichnet der Zahnhrecher, gestochen von Länger z für das Haas’sche Galleriewerk. Danth sieht man da auch drei Bauernscenen, welche zu den vorzüglichen ihrer Art gehören:

Die Kunstschätze der Wiener Galerie sind durch Abbildungen bekannt: durch das bei Haas erschienene Galleriewerk nach Zeich- nungen von S. v. Perger; durch das Theatrum artis pictoriae von Prenner, durch C. Lauch’s Brüsseler-Wiener-Galleriewerk, und durch das Theatrum pictorium Davidie Teniers etc. Hierin sind die Bilder abgebildet, welche der Erzherzog Leopold zu Brüssel sammelte.

In der fürstl. Lichtenstein’schen Sammlung ist neben andern Bil- dern ein Bauerntanz voll Leben und Wahrheit, eines der Haupt- werke des Meisters.

Es finden sich auch viele Kupferstiche nach Gemälden und Zeich- nungen dieses Künstlers, deren wir hier nach dem Alphabet der Verfertiger mehrere aufzählen, theils zur Ergänzung des Verzeich- nisses vorzüglicher Gemälde Ostade’s, theils um eine Auswahl der vorzüglichsten und interessantesten nach demselben vorhandenen Kupferstiche zu geben. Die geschätztesten sind die von Vischer und

Syyderhoef,

Aveline, A., Le trio flamand, lebendige Composition, nach dem Bilde des Cabinets Soubry zu Lyon:

At, Ls., la bonne femme; unter dem Namen der Lauserin Basan, le passe-temps d’hiver — les musiciens — les laveurs — les bonis voisins, nach dem Bilde des Cabinets Vence.

Baillie, W., das Innere eines Bauernwirtshauses.

Beauvarlet, J., Le Bourguemestre; Je cafetier hollandais, 2 große Blätter, letzteres nach dem meisterhaften Bilde aus dem Cabinet Vence; le jeu de Tric Trac, nach dem schönen Bilde derselben Sammlung:

Benazech, le jeu de courte boule, großes Blatt,

Blooteling, A., der Maler an der Staffelei, im Grunde zwei Reiter.

Bovinet, der Schulmeister, nach dem schönen Bilde des Pariser Museums.

Braen, van, das Innere eines Bauernhauses mit Trinkern und Rauchern, dabei ein Sänger und ein Violinspieler; — Bauernbäute: dem Schoppen vor der Scheune rauchend und trinkend.

Chalon, Ch., die Butterverkäuferin, nach einer Zeichnung aus Basan’s Cabinet.

Chedel, der Schulmeister.

Chenü, P., Le grivois flamand; Je buveur hollandais, aus dem Cabinet le Noir und Vence; Je violon hollandais; Je vielleur hollandais; la bonne femme hollandaise; le bou- vanger flamand.

Claessens, L. A., die Bauern-Trauergie. Mus. Nap.

Corbutt, P., der verliebte alte Bauer.

Dankerts, C., das Innere einer Schenke mit vier trinken- den und rauchenden Bauern.

David, A., Le plaisir interrompu, die Bauernschlägerei mit Messern.

David, T., Le vieillard joyeux.

Does, A. v. d., der Leyerspieler vor der Bauernfamilie: am

Ostade, Adrian van. 309

Danker, die sechs Bauern in der Scheune beim Camin, aus: Choisnul’s Cabinet.

Garreau, L., die Schuhreiniger. Im Pariser Museum.

Gole, J., die Bauernspiele, trinkende und nach-läufige Bauern; Ostade’s Bildnisse, s. oben.

Greenwood, die Tischenspieler.

Herzinger, Bauern, welche beim Sonnabend im Grunde eines Pfuhls die Schäferin mit der Pferdeweihe nach Zeichnung eines Holländers aus dem Jahre 1700 nach einer Aquarellzeichnung.

Janinet, „Buntehosen“ (Trictracspieler vor der Scheune), die Bauernfamilie im Inneren des Hofes, nach zwei Aquarell- zeichnungen, in Ploos van Amsel’s Manier, gedruckt in der „Livre d’art“, in Holländisch, „Les plus beaux tableaux rustiques“, alle in Farben. 1758.

Lau, J., die zwei Knaben Kniestücke.

Laurier, die Bauernfamilie.

Lo, J., das Innere einer Scheune, Bauernhöflein.

Lom, J., „The Humpbacked Monkeys“, der Pferdehändler.

Martini und Le Bas, „Les Menagges hollandais“ nach dem Bilde bei J. Horman of Woodford.

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