Müller, Wolfgang

Müller, Wolfgang, Steinmetz und Bürger in München , der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte, galt bisher als Baumeister der Hofkirche zum heil. Michael daselbst; denn in der Sakristei der Kirche ist sein Bildnis, mit der Aufschrift:

„Ao. 1585 hat Wolfgang Müller, ein Steinmetz, seines Alters 48 Jar., die Kirchen und das Collegium erbaut,“

Die alten Steinmetze waren wohl gewöhnlich Bildhauer und Bau- meister, dieser Müller war aber beim Baue nur Maurermeister , der den Plan zur Kirche nicht selbst verfertigte. Wirersahen’ aus den Ak- ten des königl. Reichsarchivs- Conservatoriums, dass Müller 2 fl. 30 kr. Wochenlohn hatte, bis zu dem erfolgten Einsturz des Turmes der Kirche. Man erhob damals über Müller grosse Klage, als einen Mann, der wenig Einsicht besass, und der Arbeit nicht fleißig nachging, so dass Parlierer und Gesellen freies Spiel hatten. Den Plan zur Kirche und zum Collegium der Jesuiten machte aller Wahrscheinlichkeit nach der Maler Friedrich Zustris, der mit Christoph Schwarz in Italien war, und nach seiner Rück- kehr in München herzoglicher Hofmaler wurde. Die Oberaufsicht über den Bau hatte er immer, und er war es auch, der eine Kluft am Turm entdeckte, welche aber die Baukommission, und zuletzt auch Zustris nicht mehr beachtete, bis endlich der Turm den 4. Mai 1500 einstürzte. Zustris machte dann den Plan zum neuen Chor und zum Turm und der Bau begann nach Pfingsten desselben Jahres. Wendel Dietrich, der an Wilhelm Oeckh’s Stelle von Augsburg als herzoglicher Baumeister nach München berufen wurde, leitete mit dem Steinmetzen Mathes Poeckh und Wolf Pamhauer den Bau. Es geht die Sage, Wolfgang Müller habe sich von München entfernt, weil er gedacht habe, das hohe und weite Gewölbe müchte zusammenstürzen; allein dem ist nicht so, denn Müller wurde später noch einmal zu Rate gezogen, nämlich bei Gelegenheit des Abbruches der durch den Einsturz des Turmes beschädigten Mauer vom Langhaus. Es zeigte sich schon damals

am Gewölbe eit %pinäg. Welchen aber. W. Dietrich für nicht ge- fährlich erklärte, da er nicht vom Einsturze herkomme. Und wirk- lich steht das Gewölbe noch jetzt fest da, als eines der kühnsten und schönsten in Deutschland. Die Fassade der Kirche ist ge- schmacklos, - . ;

Und so nüssei nüssei wir den Wolfgang Müller aus der Reihe der wirklichen Architekten streichen; und die Inschrift unter sei- nem Porträtte dahin erklären, dass er das Mauerwerk der Kirche nach einem gegebenen Plane wohl aufgeführt habe, so wie dieses ;wmulzu Tage ein Maurermeister mit seinen Parlieren und Gesel- len thut: > . -

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