Motta, Rafael

Motta, Rafael, genannt Raffaellino da Reggio, Maler, geboren zu Lodemonde bei Reggio 1550, gestorben 1578. Als Sohn eines Maurers musste er die Gänse hüten, allein der Junge verließ endlich die Heerde, und ging nach Novellara, wo zum Glücke L. Orsi sich seiner annahm. Später kam er zu Zucchero nach Rom, und mit diesem Meister arbeitete er nachher gemeinschaftlich. Lanzi sagt, Raffaellino habe sich in Rom einen Stil gebildet, worin er der erste ist; es fehle nichts darin, als etwas mehr Fleiss in der Zeichnung, er zeichne sich aber durch Geist, geschmackvolle Anordnung, Eleganz, Rundung und Anmuth der Composition aus. Lanzi nennt ihn dann an einer andern Stelle einen grossen Genius, der es verdiente, Rom zur Bühne zu haben, um dort als ein zweiter, vor der Zeit dahingegangener Raphael beweint zu werden. Ölgemälde finden sich wenige von ihm; seine Besten sind die Wandgemälde mit kleinen Figuren, wie die zwei evangelischen Geschichten in einer der Loggien des Vatikan , Christus bei Caiaphas und das Abendmahl darstellend, und die zwei Darstellungen aus der Fabel des Herkules in der Sala dei Duchi, wie Ticozzi sagt, während anderwärts der Ort Sala im Parmesani-schen genannt wird. Diese Bilder sind sehr anmuthig, und sie

gaben die höchste Meinung von dem Urheber derselben. Aus Auf- trag des Cardinals Farnese malte er in Caprarola neben Vecchi und Zuccari, ‚ und zwar so mannigfaltig, dass, nach Baglione’s Be- hauptung, seine Figuren lebendig, die übrigen gemalt scheinen. Der Neid seines Mitbewerbers Vecchi fand indessen Gelegenheit, sich des gefährlichen Nebenbuhlers zu entledigen. Vecchi beredete ihn, in der größten Hitze nach Rom zum Cardinal zu gehen, wo- durch sich Motta ein Fieber zuzog, welches in wenigen Tagen den Tod brachte. Sein Hauptwerk in Rom ist ein Altarbild des vor Caiphas geführten Heilandes in der Kirche del Gonfalone. Ce- sare Gonzaga zu Guastalla hatte ebenfalls Werke von diesem Künst- ler, etliche hinterließ er in Reggio, heute sind sie aber auch in Italien sehr selten. In der Sammlung des R. Walpole war das jetzt in der Eremitage zu St. Petersburg aufbewahrte Bild. der Madonna mit dem Jesuskind auf dem Schoß, zur Seite Johannes mit dem Kreuze, Joseph und Katharina, und hinter die- ser St. Franciscus. Hand (Kunst in St. Petersburg I. S. 160) sagt, man erkenne in diesem Bilde ein schätzbares Talent, welchem aber die freie, geniale Kraft fehle, zu welcher es sich unter dem Ein- flusse der in jener Zeit schon herrschenden Neigung für das Ge- suchte und Manierierte vielleicht nie erhoben haben würde. In den Formen herrscht, nach Hand, nicht strenge Korrektheit, und den markierten Ausdruck vertritt eine flache Glätte. Im hellen Colorite hat er es mit Baroccio gemein.

Einige Werke dieses Künstlers sind in Abbildungen vorhanden:

A. Caprioli: das Lager der Israeliten, links vier Männer mit dem Stier am Altare,

C. Cort: Moses vor den Israeliten im Lager, und Ecce homo, Composition von vielen Figuren.

Diana Ghisi: die Himmelfahrt Christi, und den heil. Geist in der Mitte einer Glorie von Engeln, zwei Blätter,

M. Greuter: Mars vor der Venus auf dem Bette, und Tobias mit dem Engel, Copie nach Ag. Carracci.

Agost. Carracci: Tobias mit dem Engel, Raphael Comes, Co- pia von Po A. Kili.n.

Baptista Parmensis formis: Joseph und Putiphar’s Weib.,

Orlandi formis: Maria ohnmächtig vor dem Leichname, die- selbe Composition, welche Andreani in Holz geschnitten

hat.

J. T. Prestel: Apelles malt Campasbe, nach einer Zeichnung des Braunschweig’schen Cabinets,

C. Metz (C. M.): ein Heiliger mit einem Engel.

And. Andreani: die ohnmächtige Maria in den Armen der Martha, vor dem Leichnam Jesu, in Hell-Dunkel. Ein Un- genannter hat diese Darstellung von der Gegenseite gestochen.

C. Coriolano: Die Grablegung Christi, in Holzschnitt,

Ein Unbekannter: die Anbetung der Hirten, Hell-Dunkel von drei Platten. Im ersten Drucke sind die Lichter durch breite Massen bewirkt, im zweiten hat man nur die Strichplatte beibehalten, und die andere mit einer neuen ersetzt, welche an- dere Schatten und Lichter darbietet. Man bemerkt in der Nähe des gegen die Mitte des Hintergrundes stehenden Königs viel weisse Striche, die im ersten Drucke nicht sicht- bar sind.

Bonifacio Fantini gab 1657 zu Reggio die Biographie dieses Künstlers heraus,

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