Mortimer, John Hamilton, Maler und Radierer , wurde zu Eastbourne in Sussex geboren, wo sein Vater Zollbediensteter war. Den ersten Unterricht ertheilte ihm sein Oheim, ein mittelmässiger Maler, von welchem sich in Aylesbury Church ein Altarblatt findet, und selbst bei mangelhaftem Unterrichte machte der junge Hamilton grosse Fortschritte. Er hatte überhaupt alle Atlagen zu einem grossen Maler, ein fruchtbares Genie, die lebhafteste Einbildungs- kraft, allein seine ungeregelte Lebensweise war ihm zur Vollkom- menheit hinderlich. Seine gewöhnlichen Vorbilder waren nur Schleichhändler und Spitzbuben, welchen sein Vater stets auf der Spur seyn musste, und bei diesen Expeditionen begleitete ihn auch häufig der Sohn. Anf solche Weise hatte er Gelegenheit, die Schlupfwinkel und jene Leute selbst gehau kennen zu lernen, die er denn auch mit S. Rosa’s Kunst zu zeichnen wusste. Nachdem er einige Zeit unter Hudson’s Leitung sich geübt hatte, fand er Gelegenheit, in Reynold’s Schule seine Studien fortzusetzen, und zu jener Zeit konnte er bereits Vortreffliches leisten. BKEinige ‚sei- ner Bilder fanden Cipriani und Moser so schön, dass sie den jun- gen Künstler dem Herzoge von Richmond empfahlen, der ihm seine Gallerie öffnete, und ihn auch gerne in seine Dienste ge- nommen hätte. Das erste Gemäldde, welches seinen Ruf gründete, ist ein zu Chipping-Wycambe befindliches Altarbild, welches die Bekehrung der Britten durch den heil. Paulinus vorstellt. Die Historienmalerei war indessen nicht sein Hauptfach, obgleich sich auch solche Bilder von ihm finden; er malte häufig Schmuggler, Gauner u. dgl. Gesindel, mit grosser Naturwahrheit, besonders wenn er seine Helden darstellte, wie sie auf den Raub ausgehen, auf öffentlichen Plätzen unwissende Bauern überlisten u. s. w. Im Jahre 1774 fertigte er einen Cyclus von vier Bildern, welche er die Stufenfolge des Lasters, oder den Weg des Verderbens betitelte, und vier Momente aus dem Leben eines Räubers, von seiner Au- werbung bis ins Gefängnis vorstellen. Hierauf versuchte er es den Weg zur Tugend zu malen, was ihm aber nicht gut gelang, da er selbst von jenem Wege ziemlich fern war. Er führte lange ein ausschweifendes Leben, das er aber änderte, als ihm sein Freund Dr. Bates zu Aylesbury eine geräumige Wohnung und
eitien schönen Gärten einräumte. Jetzt änderte sein ganzes
Wesen, er wurde fromm und ordentlich, und erwarb sich die all-
gemeine Liebe und Achtung. Doch starb er in der Blüthe der
Jahre 1779. In der letztern Zeit seines Lebens malte er viele Bild-
nisse, und gewann dadurch Beifall und Vermögen. Zu seinen
Hauptwerken zählt Fiorillo König Johann, der die Magna Charta
unterzeichnet, die Schlacht bei Agincourt, ein allegorisches Bild
auf die Gesundheit, zwölf Charaktere nach Shakespear, nebst der
tragischen und komischen Muse, der Malerei und Dichtkunst; Ho-
mer, der den Griechen seine Gesänge declamirt; eine Zauberin,
die von einem Mädchen um ihr Schicksal befragt wird; Pompejus,
der von einer Wahrsagerin den Ausgang der Schlacht von Phar-
salia erfahren will etc. Anderwärts werden seine Schnügler- und
Banditenscenen besonders erhoben. Nach seinem Carton malte
Pearson 1776 die Fenster der Capelle des Brazenose-Collegiums
zu Oxford, und auch den Carton zum großen Fenster der Kath-
edrale von Salisbury, welches Jarvis malte, fertigte er. Paton be-
diente sich seiner, um die kleinen Figuren zu malen, in den be-
rühmten Seeschlachten, die er für die Kaiserin von Russland malte.
Die Werke dieses Künstlers sind zahlreich, denn er malte
nicht selten sogar mit Eile. In diesem Falle ist die Composition und
Zeichnung nicht genau studirt, geistreich ist er aber immer, und
den Pinsel wusste er mit Freiheit und Meisterschaft zu führen.
Indessen wurden seine Zeichnungen oft noch höher geschätzt, als
seine Gemälde. V. Green hat sein Bildnis gestochen.
Mehrere seiner Bilder wurden gestochen; von Haynes: die oben
erwähnte Predigt des heil. Paulinus; von R. Blyth: Homer, seine
Gedichte recitirend; von V. Green: Mr. Powel in der Rolle von
König Johann, und Mr. Benslay in jener von Hubert; von W.
Dickinson: Mr. Persons und Mr. Moody im Charakter von Var-
land und O. Flaherty, Westindier Act. IV. S. 0; von Dixon: das
Mädchen, welches eine Wahrsagerin befragt; von R. Dunkarton:
Pompejus, welcher die Erichtho um den Ausgang der pharsalischen
Schlacht fragt; von T. Burke: die Schlacht von Agincourt; von
W. Ryland: die Bestätigung der Magna Charta durch König Jö-
hann; von Woollet und Bartolozzi: Odys und Acneas, mit Jones
gemalt; von Woollet und Pouncy: Meleager und Atalante;
von Haynes ferner mehrere Banditenscenen: Banditti at Market,
Banditti Gambling, Banditti going out, Banditti returning; dann:
The captive, Soldiers Courtship, Soldiers Family, Soldiers Death,
Soldiers Funeral; Fishermen, mehrere Büsten und einzelne Figuren,
dann a Book of etchings, from the Designs of the late Mr. Mor-
timer, 12 Blätter in fol. Zwei Blätter sind von Mortimer selbst.
Grignon und Hall stachen Titelblätter nach ihm, zu Milton’s und
Pope’s Werken, Ravenet das große Titelblatt des zweiten Bandts
der Boydell’schen Sammlung u. s. w.
Mortimer hat selbst geistreich in Kupfer radirt, seine Blätter
sind aber selten geworden.
- The Virgin teaching S. John. Guercino pinx, geätzt und in
Aquatinta, qu. fol.
- Six Heads, Charakters from Shakespeare Number I. J. Morti-
mer fec. 1775, radirt in Oval, schöne Blätter; fol.
- Six Heads. Characters from Shakespeare Number II., schöne
Blätter, fol.
- Eine Folge von 16 Blättern, Banditen, Seeungeheuer, alle-
gorische Figuren etc. in Salvator Rosa’s Geschmack.
dem ersten Blatte steht: To Sr. Josua Reynolds etc., fol. 4. und qu. 4.
Nature and Genius introducing Garrick to the Temple of Sha- lom (ca. 1779) fol.
Studium von zwei nackten Figuren, mit der Unterschrift: Designs by Mortimer, Fuseli etc., qu. 4. Sehr selten, besonders ohne Schrift und Einfassung.
Drei Herren in verschiedenen Stellungen auf einem Blatte. The political moon or the present state of the majesty etc. fol. Sehr selten und wahrscheinlich von ihm.
Zwei Blätter in dem von Haynes gestochenen Zeichenbuche nach Mortimer: A Book of etchings, from the Designs of the late Mr. Mortimer, fol.
Mortimer und Storr, zwei ausgezeichnete jetzt lebende englische
Goldschmiede, die zu London eine Manufaktur errichteten, aus welcher prachtvolle Werke hervorgehen. Im Jahre 1836 vollendeten sie zwei prächtige Candelabre, nach den Zeichnungen des Bildhauers Chantrey. Einer derselben ward von den Damen von Norfolk dem Arzte Sir Charles Clarke verehrt. Er ist zu neun Lichtern eingerichtet und der Fuß dreiseitig. Die Ecken bilden Engelfiguren; auf der einen Seite sieht man die Parabel vom barm- herzigen Samariter, auf der zweiten das Wappen des Arztes, und auf der dritten ist die Inschrift. Die Mitte des Leuchters bildet eine Aesculapsstatue. Der zweite Candelaber, welchen die Zöglinge des Gymnasiums in Winchester ihrem Rector Dr. Williams zum Geschenke machten, hat dieselbe Form. Am Fuße ist aber die Gruppe Telemach und Minerva angebracht, und statt der Sta- tue des Aesculap sieht man die Figur eines Bischofes. Jeder dieser Candelaber kostete 500 Pf. St. Kunstblatt 1836.
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