Morland, Georg, Maler, geboren zu London , gestorben . Sein Vater bestimmte ihn früher für die Kunst, da der Knabe große Fähigkeiten dazu verrieth, und so nun kam er bei Zeiten in die Schule der Malerakademie in Somersethouse. Die Fortschritte, welche er hier machte, waren bedeutend; bei allem Muthwillen, der ihn beseelte, und vielleicht war dies die Ursache, dass ihn der Vater nach einigen Jahren wieder in seine eigene Zucht nahm. Er liess ihn jetzt mehrere Bilder von Hobbema, Ruys- dael, Potter, du Jardin, van de Velde u.s.w. copiren, was ihm so gut gelang, dass die Kopien nicht selten für Originale verkauft wurden. Zum Künstler schien Morland geboren zu sein, sein Leben blieb aber beständig ungeregelt. Im zwanzigsten Jahre zog er nach Harrow, und heiratete die Schwester des Kupferstechers Ward; allein seine Ehe ward unglücklich, meist durch seine Schuld. In London , wo er sich später wieder einfand, wich er gänzlich von der Bahn der Solidität. Schon in Harrow hatten ihn seine beiden Bilder des fleissigen und trägen Handwerkers bekannt gemacht, es steigerte sich aber in London sein Ruhm noch mehr, als er 1780 die Gemälde des Sklavenhandels und der afrikanischen Gastfreundschaft zur Ausführung gebracht hatte.
Als Künstler von Ruf konnte er es wagen, hohe Preise zu setzen; allein je mehr Summen ihm zuflossen, desto mehr Schmarotzer und liederliche Kunden drängten sich um ihn, desto mehr kaufte er Pferde, desto häufiger trieb er sich im Depot Schenken herum. Seine Gesellschaft waren Leute der niedrigsten Classe, und nicht selten war er in der Kueipe, unter lärmenden Matrosen und Fischern einer der tobendsten. Bei solcher Gelegenheit war er taub für
Morland, Georg. | ediere Freundschaft. Auf solche Weise ging das Erworbene bald
wieder zu Grunde, und Morland stürzte sich in wunderschöne Schulden, welche ihn 1800 in die Kings-Bench brachten. Er malte da während eines Zeitraumes von zwei Jahren eine unglaub- liche Menge Bilder, deren man einige Teniers vollkommen wür- dig hielt, so wie er denn selbst nicht selten der englische Teniers genannt wurde. Endlich wurde er wieder frei, allein die alte Ge- wohnheit hatte ihn nicht verlassen, und so musste er 1804 wieder in das Spunginghouse einzuziehen, das er nie mehr verließ; denn als der Künstler hier ein Gemälde vollenden wollte, wurde er vom Schlage berührt, und nach zehn Tagen war er eine Leiche.
Morland’s Gemälde bieten gewöhnlich Scenen des gemeinen Le- bens dar, Vorfälle in den Trinkgelagen, denen er beigewohnt hatte. Keiner malte je plumpere Bauern, besoffenere Matrosen, treuere Esel, fettere Schweine, als dieser Morland, wie seine Bio- graphen erzählen. Merkwürdig ist es, dass der Künstler bei seiner vollen Besoffenheit doch die Umgebung so meisterhaft und charakteristisch auffassen konnte. Sein Naturell scheint ihn zur niedrigsten Gesellschaft gezogen zu haben, wo er Nahrung für seine Kunst fand, die sich selten über das gemeine Leben erhob. Als ihn daher einst ein Freund vergehens eine Stunde der Schenke zu entziehen suchte, und ihn in seinem nüchternen Zustande fragte, wie es denn möglich sei, sich solcher Liebe zum gemeinen Volke hinzugeben, zog Morland eine seiner besten Zeichnungen hervor, die gerade eine Scene jener besoffenen und lärmen-der Brüder mit allen Accidenzien vorstellte, und fragte den wohlmeinenden Freund, wie er denn splches finden könne, wenn er es nicht in Mitte der Gemeinheit suche? Diese Zeichnung war die Skizze zu einem sei- nen besten Bildern. Die 100 Gemälde, welche Morland in der ehemaligen Poetengallerie zu Macklin ausgestellt hatte, kaufte 1805 ein Privatmann. Selbst in Gottes schöner freier Natur vergass er nie zu zeichnen. Wenn er daher im Sommer, wie alljährlich es geschah, auf der Josel Wight die schönsten Aussichten zeichnete, ging er doch gleich wieder die gemeinsten Alehäuser auf, um dort von den Excursionen auszuruhen. Das Leben des Künstlers ist in seines vertrauten Freundes W. Colling’s Memoirs of a painter, 3 Vall, Landon 1805 beschrieben. Colling widerspricht, was J. Hassel in den Memoirs of the life of the late George Morland, und Andere über ihn geschrieben, als verläumderisch. Andere glaubten dagegen, dass Morland Colling’s Biographie kaum ver- dient habe.
Das ähnlichste Bildnis des Künstlers soll jenes seyn, welches R. Müller gemalt und W. Ward gestochen hat. Da Morland der größte Trinker Englands war, so hat man auch sein Bildnis mit einem Glase in der Hand.
Eine große Anzahl von Werken dieses Künstlers wurden gesto- chen, meistens in Mezzotinto und in Punktiermanier.
T. Gaugain stach zwei hübsche Pendants; The lass of Liviag- stone und Ramsays songs, dann: How sweet is the love that meets return.
W. Bernard stach 1802 zwei Blätter: Sommer und Winter. Ein 1806 von Th. Wilson gestochenes Blatt hat die Aufschrift: A Series of Prints illustrative of a country life, by Morland.
Was W. Ward, J. R. Smith, J. W. Reynolds, T. Rowlandson, E. Scott, G. Keating, F. D. Soiron, B. Müller, M. C. Prestel nach ihm gestochen haben, s. in den Artikeln dieser Künstler.
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