Moritz oder Morits, Louis

Moritz oder Morits, Louis, Maler und Bildhauer, wurde 1772 im Haag geboren, und von seinen Eltern zum geistlichen Stande bestimmt. Desswegen besuchte er zu Nassau Herborn die lateini- sche Schule, betrat später auch die akademischen Hörsäle; allein seine vorherrschende Neigung ging zur Kunst, und so beschäftigte er sich viel eifriger mit dem Zeichnen, als mit der Theolo- gie. Anfangs waren es besonders Pferde , die er in jeder Lage zeichnete und nachzeichnete; er gab sich ganze Tage dieser Lie- bhaberei hin, so dass endlich sein Oheim in Herborn dem Vater rieth, seinem Sohne Unterricht in der Kunst erteilen zu lassen. Allein dieser war damit nicht einverstanden, und, selbst Militär, wollte er lieber, dass der Jüngling Kriegsdienste nehme, als Ma- ler werde. Er ließ ihn desswegen nach dem Haag kommen, aber auch da hatte der junge Moritz am Zeichnen viel größere Lust, als am Exerziren. Hier lernte er den Dirk van der Aa kennen, der ihm Unterricht ertheilte und seine Kunstkammer öffnete. Alles aber nur ohne Wissen des Vaters, der immer noch dem Wunsche des Sohnes entgegen war, und den Befehl gab, alle seine Kunst- arbeiten zu vernichten. Diese bestanden in Zeichnungen, in Bild- werken von Stein und Elfenbein, und in Bildnissen, die er malte. Da er von Zeit zu Zeit das Theater besuchte, so fing er auch an, sich eine eigene Bühne einzurichten, und die Decorationen der- selben zu malen, was endlich, da die Missbilligungen im väter- lichen Hause kein Ende nahmen, zur Folge hatte, dass er selbst beim Theater zu Amsterdam Dienste suchte. Nebenbei hatte er Gelegenheit, sich in der Malerei zu vervollkommnen, und in kurzer Zeit fand er durch die Bildnismalerei seinen Unterhalt. Moritz verliess jetzt die Bühne, und begab sich nach Leyden, um die Akademie daselbst zu besuchen. Er malte da neben andern die Bildnisse der berühmten Professoren Wyttenbach und Rau, ge- wann zwei akademische Preise, und hatte bereits den Ruf eines geschickten Künstlers, als er nach Amsterdam zurückkehrte, um daselbst sich häuslich niederzulassen. Er malte da ebenfalls Bild- nisse und Familienstücke, fing aber auch an, im historischen Fa- che seine Kräfte zu versuchen, und wählte häufig Scenen, wo er Pferde anbringen konnte. Im Jahre 1809 erhielt er den Ehrenpreis der Gesellschaft „Felix Meritis“, mit einem Gemälde, welches die Gefangennahme der Cleopatra durch Proculus vorstellt, und 1816 erhielt er das fünfte Mal die goldene Ehrenmedaille jener Gesellschaft. Das erwähnte erste Preisbild, und ein anderes, wel-

Moritz, Anna. – ]

Das Gemälde, das den Tod des Antonius vorstellt, besitzt Mr. Fallde zu Amsterdam. Ein späteres Werk von Bedeutung ist das Gemälde des Diomedes, dem der zu seinen Füßen niederschlagende Blitz die Pferde scheu macht, 1810 gemalt. Hierauf malte er neben Bildnissen die Maria Magdalena; Iphigenia in Aulis, nach Racine’s Tragödie, 1813; das Innere eines Pferdestalles; einen Halt von Kosaken in einer bergigen Landschaft, 1815; eine Feuersbrunst bei Mondbeleuchtung, 1816, und etliche kleinere Bilder. Im Jahre 1818 trat er mit Odevaere in Wettbewerb, indem beide Künstler die Schlacht von Nieuwpoort 1600 malten. Das Bild unsers Künstlers ist 14 rheinische Schuh breit und 20 hoch, so dass die Figuren und Pferde, welche darin vorkommen, in natürlicher Größe erscheinen. Man betrachtete dieses Werk auf der Kunstausstellung mit allgemeinem Beifalle, und es wurde der Wunsch laut, dass Moritz öfter Gelegenheit finden möge zu ähnlichen vaterländischen Darstellungen. In de Bast's Annales du Salon de Gand p. 42 ist dieses Gemälde im Umriss gestochen. In der katholischen Kirche zu Amsterdam sind ebenfalls zwei große Bilder von Moritz, die Kreuzigung Christi und die Abnehmung vom Kreuze. Sein Bild des Kriegsrathes der Nationalgarde von Amsterdam, 1826 gemalt, ist eines der besten Werke dieser Art. Kleinere Malereien gingen in den Privatbesitz über, im In- und Auslande. Solche sind in den Sammlungen von Brentano und Bounebakker zu Amsterdam, in jener von Kleijnenberg zu Leyden etc. Das Bild des reuigen Petrus, ehedem im Cabinet Oosthuyzen im Haag, hat Forsell. In dem 1810 gefertigten Panorama von Waterloo führte er die Figuren aus,

Seine Gemälde sind zahlreich, und sie nehmen unter den Erzeugnissen der neueren Schule einen ausgezeichneten Rang ein. Sie erfreuen durch ihren Reichthum der Erfindung, durch die schöne Anordnung, durch Wahrheit, Kraft und Lebendigkeit des Ausdruckes, durch richtige Beobachtung des Costüms, und durch Korrektheit der Zeichnung. Übereinig empfehlen sich seine Werke auch durch eine liebliche, harmonische Färbung. Moritz wurde durch sich selbst, was er ist, ohne Italien und Frankreich gesehen zu haben. Wenn man irgendwo liest, dass er dort gewesen, so ist es unrichtig. Wahr aber ist, dass er tausend Hindernisse überwinden musste, um zum Ziele zu gelangen.

Dann finden sich von ihm auch schöne Bildwerke in Marmor und Elfenbein. Math. von Nordt besitzt mehrere Elfenbeinarbeiten dieses Künstlers. Eine Leda und eine schlafende Nymphe führte er in Marmor aus, und eines von diesen Bildwerken kam nach München,

Ferner ist Moritz auch ein ausgezeichnetes mathematisches Genie. Er hat zwei Automaten verfertigt, die Bewunderung erregten. Als Mann von solchem Talente wird er daher nicht nur im Vaterlande, sondern auch im Auslande mit Ruhm genannt.

Moritz wurde Mitglied der IV. Klasse des k. niederländischen Instituts,

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