Moosbrugger, nicht umhin

Moosbrugger, nicht umhin, selbst den Sohn zur Kunst zu führen.

— Er konnte sich auch bald der Fortschritte desselben erfreuen, und das Talent des jungen Künstlers entwickelte sich in München , wo er zuerst die Akademie besuchte, in kürzester Zeit. Das hei- tere Künstlerleben sagte seinem beweglichem Geiste ungemein zu; er weilte gerne im Kreise froher Freunde, die ihn seiner Einfälle und seiner glücklichen Laune wegen liebten, und selbst die Hän- del, in welche ihn seine Lebhaftigkeit verwickelte, zogen für ihn nie traurige Folgen nach sich. Seine vorherrschende Leidenschaft blieb aber immer die Kunst, und schon in München malte er meh- rere treffliche Bilder, deren er einige in Karlsruhe vollendete. Der Bockkeller, der Invalide, der Tänzer , der Brettspieler, die Kameraden, mehrere Bildnisse, zogen daselbst auf der Kunstausstellung die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, da sich in allen die schönste Gabe lebendiger, geistreicher Auffassung, und ge- nialer Behandlung unverkennbar aussprachen. Im Herbst 1827 trat Moosbrugger die Reise nach Italien an. Im Gebirge bei Bologna , als er eben den Sonnenuntergang betrachten wollte, forderten ihm 2 Räuber die Börse ab, und Moosbrugger versicherte später, die Kerle seien so prächtig und höflich gewesen, dass er sie gern gezeichnet hätte, wäre er nicht durch die vorgehaltenen Pistolen gehindert worden. Indessen entwarf er doch eine flüchtige, ausdrucksvolle Skizze von dieser Scene.

In Rom lebte Moosbrugger ganz der Kunst. Er besuchte die französische Akademie, studierte die Kunstschätze, noch mehr aber das eigenthümliche Leben und Treiben des Volkes unter jenem schönen Himmel. Er fertigte eine Menge Zeichnungen und Ge- mälde in jenem Lande. Koch, der nicht selten auch den Künst- ler tadelte und corrigirte, riet ihm oft, in Italien zu bleiben, allein die Heimath zog ihn zu mächtig an. Moosbrugger verließ

daher zunächst Rom, um in den heißen Sommermonaten des Jahres 1828 im Sabinergebirge Landschaftsstudien zu machen, deren die meisten in Civitella und Olevano entstanden. Im Herbst desselben Jahres ging der Künstler nach Neapel, wo sich ihm neuer Stoff zu seinen vorzüglichsten Bildern bot. Das treffliche Bild des Improvisatore, im Besitze des Großherzogs von Baden, malte Moosbrugger in Neapel. Das regere Volksleben und die schönere Natur zog ihn hier mehr an, als in Rom, doch kehrte er 1829 nach Deutschland zurück, mit einem reichen Reichthum von Studien. Mehrere führte er zu Constanz, im Hause seines Vaters in

Öl aus, und diese fanden auf der Carlsruher Kunstausstellung von 1830 den lauten Beifall der Kenner und Dilettanten. Besonders bewunderte man den Improvisator im Golf zu Neapel, mit einer meisterhaft arrangierten Gruppe; zwei Räubergruppen; das Brustbild einer Römerin, und das Atelier des Künstlers, fast noch vorzüglicher, als der Improvisator. Zu Carlsruhe componirte er noch eines seiner größten und trefflichsten Bilder, sein letztes Ölgemälde, eine schöne Landschaft bei Civitella, mit einem alten Raubschloss im Hintergrunde, das von Soldaten beschossen wird. Gebundene Banditen werden herausgeschleppt, und zum Marienbilde des Vorgrundes flüchten Greise, Kinder und Priester.

Dieses Bild ist von vorzüglicher Ausführung.

Der Künstler und das Publikum erkannten, dass ein solches Talent für seine Wirksamkeit eines größeren Schauplatzes bedürfe, und so entstand in Moosbrugger der Gedanke, nach St. Petersburg zu gehen, in der Hoffnung, dass ihm dort ein Glücksstern aufgehen werde. Mit Empfehlungsschreiben seines Fürsten versehen, trat er im August 1830 mit seinen vorzüglichsten Ölgemälden die Reise an. In Lübeck ging er zu Schiff; allein er hatte den glücklichen Gedanken, mit einem Kauffahrer zu reisen, und musste zwei Wochen immer seekrank zubringen. So kam er schon leidend in St. Petersburg an, wo er die ersten acht Tage der teilnahmslosen Pflege fremder Hände hingegeben war, bis endlich Emil Jacobs, der einige Wochen früher ankam, glücklich auffand; die liebevollste Sorgfalt vermochte ihn nicht mehr zu retten, und am 17. Oktober desselben Jahres entfiel sein frisches, kräftiges Leben. Die Nachricht von seinem Tode war denen, die den Menschen liebten und den Künstler ehrten, eine Trauerkunde. Wie ersterer war, und was den Künstler berührt, erzählt Hofrath Schreiber im Kunstblatte von 1833 No. 101.

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