MOOR, Antonis de, auch Moro, More und Mor geschrieben, Maler von Utrecht, wurde 1512, oder nach anderer Angabe, oder 1519 geboren. Anfangs hielt er sich an die Lehre seines Mei- sters Jan Schoorel, zog aber nebenbei auch fleißig die Natur zu Rathe, und so wurde er bei noch regelmässigeren Studien in Ita- lien bald ein ausgezeichneter Künstler, besonders im Bildnisse, welches er nicht nur sprechend ähnlich, sondern auch mit einer
eigenen Anmuth gleichsam wie lebend darzustellen wusste.
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Moor, Antonis de. / 439
geni des Portraits der ersten Braut seines Sohnes Philipp; der Prinzessin Marie von Portugal , nach Lissabon senden wollte. Moro kam glücklich in Lissabon an, und malte nicht nur die Prinzessin, sondern auch ihre Eltern zur allgemeinen Zufriedenheit, und ward mit kostbaren Geschenken überhäuft; Nächstdem malte er noch viele Vornehme des Lissaboner Hofes, und endlich kehrte er wieder bei seinem Kaiser an. Moro malte nun in Madrid das Portrait Philipp’s II., als dieser 25 Jahre alt war, und wurde dann nach England gesendet, um das Portrait der Königin Marie, Philipp’s zweiter Braut, zu fertigen. Das Bildnis dieser Königin, eines seiner gelungensten, wurde sehr freigebig belohnt. Er erhielt dafür, außer einer schweren goldenen Kette und 100 Pfund Sterling, noch eine jährliche Rente von ebenfalls 100 Pfund, dann auch überdies bedeutende Geschenke von mehreren fürstlichen und vornen Personen, denen er Copien von diesem Bilde überreichte. In seinem Vaterlande, wohin er von England zurückgekehrt war, trat Anton Moro, nachdem Karl V. dem Throne entsagt hatte, in Dienste dessen Sohnes Philipp II., und ging 1559 mit seinem Herrn nach Madrid, wo er eine Zeitlang am Hofe verweilte. Dieser grausame Despot, bei dessen bloßem Namen sonst Alles zitterte, würdigte den Maler einer besondern Vertraulichkeit im Umgange. Einst, als Anton Moro im Beiseyn des Königs malte, klopfte ihn dieser im freundlichen Gespräch ein paar Mal auf die Achsel, und der Maler vergaß sich unglücklicher Weise so sehr, dass er diese Vertraulichkeit erwiderte, und zwar mit dem Malerstock, den er eben in der Hand hielt. Wunderbar genug schien der König dieses unvorsichtige Benehmen seines Lieblings gar nicht zu bemerken, doch hatte sein Aufenthalt in Madrid am längsten gedauert. Ob indessen diese bloße unkluge Vertraulichkeit des Malers gegen den König der Anlass zu seiner Verfolgung von Seite der Inquisition, oder vielmehr die angedrohte Verfolgung die Erfindung eines Neiders war, um auf diese Weise den lästigen Günstling zu entfernen, scheint nicht ausgemacht zu seyn. Ein Grosser des Hofes entdeckte ihn in der Gefahr, in welcher der Künstler schweben sollte, und bewirkte, um denselben zu retten, unter irgend einem passenden Vorwande, vom Könige einen Urlaub für den Maler, den dieser mit dem Versprechen, bald wieder zurückzukehren, schnell benutzte, ein Schiff bestieg, und seinem Vaterlande zusegelte, ehe die Inquisition Zeit hatte, ihn zu fassen. Dieses muss um das Jahr 1560 gewesen seyn, und Moro’s Aufenthalt in Spanien kaum ein Jahr gewährt haben, da er in der Heimath noch 1560 das Bildnis seines alten Freundes und Lehrers Schoreel malte.
Jetzt lebte Moor in Utrecht, bis ihn eine Botschaft des Herzogs von Alba nach Brüssel rief. So wie König Philipp, so war auch der nicht minder furchtbare Alba dem Künstler zugethan, und überhäufte ihn mit Beweisen seiner Huld. Er machte ihm nicht nur bedeutende Geschenke, sondern übertrug ihm auch eine Stelle bei dem Steuerwesen in Westflandern, bei der es viel einzunehmen und wenig zu tun gab, so dass der Maler wie ein kleiner Fürst leben konnte, und immer mit stattlichem Gefolge und vielen schönen Pferden in Brüssel einzog. Auch seine Kinder, deren er viele hatte, wurden alle durch Canonicate, Präabenden und auf andere Weise sehr reichlich und anständig versorgt. Dafür malte A. Moro Alles, was sein Beschützer von ihm verlangte, besondere alle schönen Damen, welche der Herzog von Alba nach seiner Art liebte, und deren nicht wenige waren. Auch König Philipp ließ
Moro, Antonis de.
seinen Maler zur Rückkehr nach Madrid ermahnen, doch mit Hilfe des Herzogs von Alba konnte er immer den Anforderungen des Königs geschickte Wendungen ausweichen. Er starb 1575 oder 1588 in Antwerpen, wohin er berufen worden war, die Beschneidung Christi für die dortige Frauenkirche zu malen, denn Moro war auch in geschichtlichen Darstellungen ein grosser, geachteter Meister, und hatte deren viele für seinen König und auch sonst gemalt; unter andern eine meisterhafte Kopie der Danae von Tizian, welche nach Madrid kam. Das Gemälde blieb nach dem Tode des Meisters unvollendet in Antwerpen. Ueberhaupt sind seine Gemälde jetzt so selten, dass man erzählt, ein Kauf- mann in Paris habe eine grosse Summe Geldes erworben, indem er ein Bild von ihm auf dem Jahrmarkte von St. Germain öffentlich zeigte, welches den Heiland zwischen den Aposteln Petrus und Paulus darstellte. Von diesem Bilde gibt Landon, Annales XV. 25, einen Umriss. Der grösste Theil seiner Gemälde, die er in Spanien zurückliess, bestand aus Portraits, von denen die mei- sten in dem Brande des Schlosses Pardo untergegangen sind. Die kleine Anzahl der Bildnisse, die sich noch erhalten haben, be- finden sich im Schlosse zu Madrid. Unter diesen sind die Bild- nisse: zweier sitzender Frauen, deren eine eine Rose, die andere einen Hund hält, welche im Jahre 1705 von Vazquez, Vater und Sohn, in Kupfer gestochen wurden.
In der k. k. Gallerie zu Wien sind sieben Bildnisse von diesem Künstler, neben andern jenes der Herzogin Margaretha, Tochter Carl V.
In der ehedem zu Söder befindlichen Gallerie waren die Bild- nisse zweier Canonici auf einer Tafel, ein von Fiorillo II 441 schriftlich gerühmtes Werk.
Im Museum zu Berlin ist das Bildnis eines ältlichen Herrn, mit einer Adresse in der Hand, die wahrscheinlich den Träger selbst als Sekretär Aerntsz von Delft bezeichnet.
In der florentinischen Gallerie ist das eigene Bildnis des Künst- lers. Auch in England finden sich Werke von Moro,
Im Schlosse zu Hamptoncourt ist das Portrait der Königin Maria der Katholischen, halbe Figur in Lebensgrösse, einen Brief in der Hand mit spanischer Adresse an sie, womit wohl ein Brief ihres Gemahls, Philipp’s II., gemeint ist, auf dessen Veranlassung sie von dem hochgeschätzten Moro gemalt wurde. Die Be- handlung dieses Bildes ist nach Dr. Waagen (Kunst etc. I. 383) so ausführlich, die Fleischteile von blassem, aber tiefem, schattigem Tone, die Hände sehr fein. Leider hat das Bild etwas ge- litten. Auch die Bildnisse Carl V. und des Herzogs von Alba sind daselbst von Moro. In der Sammlung Carl I. von England waren die Bildnisse Philipp’s II., ein Geschenk des Grafen Arundel an denselben; jene der Maria, Königin von England, und der Groß- ältern des Herzogs von Savoyen. Kein Bildnis des Herzogs von Savoyen ist jetzt im Windsor.
In der nach England verkauften Gallerie Orleans war des Künst- lers eigenes Bildnis. In der Sammlung zu Castle Howard sah Dr. Waagen wieder das Bildnis der Maria der Katholischen in präch- tiger Kleidung, halbe Figur, eines Holbein würdig. Im reichen Schmucke ist noch Gold gebraucht. Die Züge sind von anderen Portraiten dieser Königin abweichend. In der Sammlung zu Althorp
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