Montmorillon, Ludwig Albert von, Zeichner und Kupferstecher , Sohn des Marquis Saladin de Montmorillon, wurde 1704 zu Erlangen geboren, wo sein Vater als französischer Emigrant in traurigen Verhältnissen lebte. Bei dieser Calamität traf auch noch unsern Künstler als Kind das Unglück, dass ihm durch Misshandlung der Magd das rechte Achselgelenk ausgedreht wurde, und dieser Arm wurde ihm in Folge schlechter ärztlicher Behandlung für jede Beschäftigung unbrauchbar. Dies konnte indessen seine Liebe zur zeichnenden Kunst nicht hemmen, und Montmorillon ergab sich derselben unter Leitung des Baron von Lütgendorf mit altem Eifer. Seine linke Hand war von Jugend auf geübt, und so fand er dadurch bei seiner Kunstübung kein großes Hindernis. Er fing auch in Öl zu malen an, und hatte als Historiker bereits schöne Proben gegeben, als sein Lehrer zu seinem Leidwesen sich nach Prag begab. Zum Glücke war gerade damals Direktor Albert Reindl von Paris zurückgekehrt, und so fand v. Montmorillon in dessen Kunstschule Aufnahme. Jetzt entschloss der junge Künstler sich zur Kupferstecherkunst, in welcher er in etlichen Jahren die erfreulichsten Fortschritte gemacht hatte. Endlich begab er sich nach München , um unter Leitung des Professors Carl Hess seine Studien fortzusetzen. Dabei übte er sich stets im Zeichnen, so wie man denn fast auf jeder Kunstausstellung in München treffliche Zeichnungen von diesem Künstler sah. Eine vorzügliche, große Zeichnung, nach dem Marc-Antonschen Stich von Rafael’s Abendmahl, ist im k. Handzeichnungs-Cabinete zu München. Er befasste sich auch schon früher mit der Lithographie, in welcher ihn die damals errichtete Zeller’sche Kunsthandlung beschäftigte, allein kein guter Künstler verwendete in jener Zeit schon gerne seinen Fleiß auf diese junge Kunst, weil gar häufig die Zeichnung durch Unbeholfenheit des Druckes und der Ätzung zu Grunde ging. Später lernte Montmorillon den berühmten Kupferstich-Restaureur M. v. Hermann kennen. Dieser nun teilte ihm die Vortheile seiner Kunst mit, und so leistete hierin auch unser Künstler in kurzer Zeit Ausgezeichnetes. Die berühmtesten Cabinete des In- und Auslandes vertrauten ihm Blätter zur Restaurierung an. Im königl. Kupferstich-Cabinet zu München, in der berühmten, jetzt dem königl. preussischen Cabinet einverleibten Sammlung des Herrn von Nagler, in andern deutschen und englischen Sammlungen, und besonders im königl. französischen Kupferstich-Cabinet, findet man von ihm meisterhaft restaurierte Blätter. Montmorillon musste bei dieser Gelegenheit öfter abgerissene Teile der Blätter ergänzen, und er that dieses jedesmal vollkommen im Charakter des Originals der verschiedenen Meister, was nur einem ausgezeichneten Zeichner in solchem Grade gelingen kann.
Diese Beschäftigung führte ihn jedoch mehrseitig von seiner Hauptbeschäftigung, der Kupferstecherkunst, ab, und überdies wurde er 1832 seiner chalkographischen und anderer Kunstkenntnisse wegen, auch als Kunstschätzer beim königl. Kreis- und Stadterichte verpflichtet. Im Jahre 1835 vereinigte er sich mit Franz Haban, seinem ehemaligen Mitschüler an der Kunstakademie in München, zur Errichtung einer Niederlage von Kunstgegenständen, welcher er jetzt, nach dem Tode Haban’s, allein vorsteht.
Ueberdies befasst sich v. Montmorillon auch mit dem Zeich-
Montorfano, Giovanni Donato. | 433
nützungsunterrichte. Schon 1822 wurde ihm die Erlaubnis hierzu durch königl. Regierungs-Rescript zugesichert; und der König Ma- ximilian beglückte ihn mit einer Pension. Zur öffentlichen Anstellung gelangte er aber erst 1857, wo er die Stelle des verstorbenen Professors Jönna’ss an der königl. Pädagogie erhielt, nachdem er seit 1828 als Assistent daselbst Unterricht ertheilt hatte.
Von seinen Kupferstichen und Lithographien erwähnen wir:
- Die heil. Familie nach Andrea del Sarto’s Bild in der königl. Pinakothek, gr. fol.
- Die heil. Familie nach Luini’s Gemälde aus der Sammlung des Staatsraths von Kerschbaum, kl. fol.
- Die Madonna mit dem Kinde, nach Murillo’s lieblichem Bilde der herzoglich Leuchtenberg’schen Sammlung in Mün- chen, das neueste Werk des Künstlers, fol.
- Das Bildnis des Giorgione, nach diesem Meister 1817, 4.
- Die Madonna mit dem Jesuskinde, nach Cipriani, eines der ersten Blätter des Künstlers und selten, da die Platte ver- nichtet wurde, kl. 8.
- Petit écolier, nach Poelemburg. Selten, weil die Platte ab- geschliffen wurde, 8.
- Das Bildnis nach Oda Castelfranco, Selten, weil die Platte abgeschliffen wurde, gr. 4.
- Le Christ aux Anges, nach Edelink lithographirt, eines der ersten großen Blätter, die (1821) in München auf Stein ge- zeichnet wurden, gr. roy. fol. Der Stein ging zu Grünäe.
- Das Bildnis Rafael’s, nach Rafael’s Bild in München litho- graphirt, fol.
- Eine Menge anderer lithographirter Blätter, Historien und Bildnisse, für verschiedene Kunsthandlungen ausgeführt.
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