Mongez — Mme. Angélique, geborne Levol

Mongez — Mme. Angélique, geborne Levol, Historienmalerin, wurde 1776 zu Paris geboren, und nachdem der Sturm der Revolution sich abgelegt hatte, erlernte sie bei David, und dann bei Regnault die Malerei. Im Jahre 1802 gründete sie ihren Ruf durch ein Bild mit lebensgrossen Figuren, den Ulysses vorstellend, wie er den Astyanax, den er im Grabe seines Vaters Hector entdeckt, der Mutter entreisst. Dieses Bild setzte in Erstaunen, und man fand darin die Anordnung vortrefflich, eine genaue Beobachtung des Costums, Freiheit in Führung des Pinsels, und man wünschte nur eine grössere Selbstständigkeit, weil sich Mme. Mongez zu ängstlich an David hielt. So berichtet Fiorillo, und er glaubt es selbst; allein strengere Richter sagen, das Gemälde sei in der Gruppirung, im Costum und der Zeichnung fehlerhaft, die Figuren handeln wie gestellte Modelle, und die Stellungen seien theatralisch. Landon, der ebenfalls Alles gut findet, nur mehr Kraft des Ausdruckes wünscht, hat das Bild in den Annales IV. 64 abgebildet. Er nimmt die Künstlerin auch gegen einige Angriffe in Schutz, weil jene Critiker z. B. die Andromache gerne grimmi dargestellt sehen wollten, u. s. w. Das zweite Hauptbild stellt Alexander vor, wie er an der Leiche des Darius weint, und auch dieses erklärt Fiorillo als Werk von grossem Style, in welchem nur die Färbung etwas hart sei. Landon (Annales VI. 135) urtheilte richtiger, wenn er sagt, dass der strenge Kunstrichter den Ausdruck kalt, die Stellungen theatralisch, das Colorit röthlich finde, und dass die Künstlerin noch immer ihren Meister David sklavisch nachahmte, gesteht er ebenfalls zu. Die Wahl des Gegenstandes nennt er glücklich, den Styl der Zeichnung gut, und dann ruft er aus: „elche andere Schule hat solche Werke, von weiblicher Hand geschaffen, aufzuweisen?“ So möge man denn der heroischen Dame auch etwas durch die Finger sehen. Ein drittes Gemälde, welches sie 1800 zur Ausstellung brachte, stellt Theseus und Perithous vor, welche den Händen der Räuber zwei Frauen entreissen, symbolisch, wie sie der Erde Sicherheit des Lebens und der Ehre geben. Auch dieses Gemälde wurde wieder bekritisiert; so heisst es im Pausanias Francias, dass sich die Künstlerin eigentlich nie recht auf die Composition vorbereitet habe, weshalb es dem Bilde vorerst an Einheit der Handlung mangle. Dann seien die Charaktere einförmig; einer der Räuber lächle, — vermutlich über die ungeschickte Art, wie Perithous ihm die Beute entreissen will; aus übertriebenem Anstandsgefühl seien die Personen so gestellt, dass man die Charaktere ihres Geschlechtes nicht erkennen könne u. s. w. Einige Vortheile wurden aber dem Werk

Mongez. — Mongin, Pierre.

doch zugestanden; dass es im großen Stil gezeichnet und ebenso sicher als sorgfältig ausgeführt, im Hauptton harmonisch sei. Die Frauenköpfe fand man fast — schön, und den Ausdruck des Kopfes des einen der Räuber trefflich kernhaft. Die erste Rolle, welche diese Künstlerin spielte, war also durchaus eine kühne, eines Mannes würdige, und sie musste sich daher manchmal sa- gen lassen, dass selbst ein Künstler in solchem Kampfe nur mit

ihre ehrenvoll hätte bestehen können. Allein es war damals Mode, dass Damen als Kunstamazonen auftraten, unter welchen Mme. Mongez sicher die begabtere war. Sie fuhr demnach auf ihrer Bahn fort, und alle ihre Bilder gehören dem Gebiete der ernsten Historie an. Im Jahre 1808 sah man auf dem Salon ein Ge- mälde mit 13 lebensgroßen Figuren: Orpheus, der durch sein Spiel von den Richtern der Unterwelt die Euridice zurück fordert, Orpheus Gestalt fand man lieblich, und Proserpina, an der Seite des finstern Pluto, in süsse Erinnerungen versunken, denn Amor selbst greift mit in die Saiten. Unter den Zuschauern war einmal auch Napoleon, man weiss aber nicht, ob auch er diese Liebe so reizend gefunden, obgleich er das Bild anzukaufen befahl. Bei dieser Gelegenheit gestanden die Kunstrichter unserer Dame zwar viel Phantasie zu, in Composition und Färbung war aber wieder vieles zu tadeln. Landon spendet ihr aber immerhin ehrenvolles Lob, indem er sagt, dieser Gegenstand erhebe nichts Geringeres, als den ganzen Reichthum einer poetischen Ader, ein Gefühl des Ideal-Schönen, um in der Wahl der Formen, im gehörigen Ausdrucke das Maass zu beobachten, er gestatte eben so wenig etwas Schwächliches, als etwas Allzuschreiendes, Madame Mongez habe aber die meisten dieser Bedingnisse erfüllt, und noch mit weit Wenigerm hätte ihr Werk Aufmerksamkeit erregt. In der Ausführung gewahre man wohl einige Ungleichheit, aber man er- kenne im Ganzen einen gebildeten Geist, einen gereinigten Styl, und besonders in den Contouren des Nackten jene Meisterhaftig- keit, die von einer vortrefflichen Schule zeige. Die Figuren des Amor, der einen Parze —, die hässliche nicht mitgerechnet —, des Pluto und der Proserpina dürfte jeder geschickte Maler als die seinigen erkennen; nur die Carnation gehe ein wenig in Graue oder Violett, und der Farbenton dürfe überhaupt etwas kalt zu nennen seyn, aber im Ganzen sowohl, als in den Theilen finde man ein Relief von seltener Kraft. Dann bedauert Landon, dass die Hauptfigur eben nicht die gelungenste ist. Dieselben Vorzüge, neben den der älteren französischen Schule anklebenden Mängeln, haben auch ihre späteren Werke. Dahin gehören: der Tod des Adonis, 1810; Perseus und Andromeda, 1812; Mars und Venus, im Besitze des Grafen Sommariva, 1814 gemalt, im großartigen Stil, bräunlich im Tone, aber in der Gruppirung nicht ganz natürlich; St. Mar- tin den Mantel theilend, um die Blösse des Armen zu bedecken, 1810, und die sieben Heerführer vor Theben, 1827, beide mit lebensgroßen Figuren, und auch in der Farbe lobenswerth. Man hat von dieser Künstlerin auch ein grosses Bildnis Napoleon’s, welches sie im Auftrage der Stadt Avignon malte, und ihr Bildnis Ludwig XVIII. kam nach Toulouse.

Moggi, s. Mongez. Mongin, Pierre, Landschafts- und Genremaler, geboren zu Versailles 1762, gestorben daselbst 1826. Dieser Künstler, dessen Bildungsgeschichte unbekannt ist, hinterließ eine bedeutende Anzahl

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