Moller, Johann

Moller, Johann, Maler, der nach Nicolai um 1622 in Berlin lebte. Moller, Georg, Dr., grossherzoglich hessischer Hofbaudirector und

Oberbaurath zu Darmstadt, wurde 1784 zu Diepholz im Hanoverschen geboren, und Weinbrenner hat die Ehre, in ihm einen der berühmtesten Architekten der neueren Zeit herangebildet zu haben. Er war von 1802 – 1807 in der zahlreichen Schule dieses Meisters, begab sich dann nach Italien , wo er drei Jahre den architektonischen Studien oblag, und 1810 trat er als Hofbaumeister in grossherzoglich hessische Dienste, als welcher ihm jetzt ein weites Feld geöffnet wurde. Mehrere bedeutende Gebäude verkünden seinen Namen, von denen die meisten nach seinen Plänen von Grund aus gebaut wurden, wie die katholische Kirche, das Casino und das Theater zu Darmstadt, das Theater in Mainz u. a.; andere dagegen erhielten durch ihn eine bedeutende Restauration, wie die Ostseite des Domes in Mainz . Mehrere dieser Gebäude sind uns auch in Abbildungen vorhanden, indem Dr. Moller mit dem Landbaumeister Franz Heger Entwürfe ausgeführter und zur Ausführung bestimmter Gebäude herausgab. Das erste Heft erschien (1825) zu Darmstadt bei Leske, und es enthält die Abbildung des von 1818 – 1820 erbauten Hoftheaters in Darmstadt. Dieses, dem Plane nach sehr regel- und zweckmässige Gebäude, ist ein Obelisk mit sechs Säulen auf der vorderen Seite, mit äusserst geziemendem Vestibulum, und mit zwei grossartigen Treppen versehen. Jedenfalls ist dies ein erfreuliches Werk der wiederaufblühenden Baukunst; es entging aber doch der Critik nicht, welche sich im Kunstblatte von 1827 weitläufig aussprach. Das zweite Heft zeigt auf den vier ersten Blättern die von 1823 – 24 von Moller erbaute katholische Kirche in Darmstadt, wo er aus beschränkten Geldmitteln eine möglichst würdige und prächtige Kirche in bedeutenden Dimensionen, auf einem erhabenen, grossen Platze erbauen sollte. Hier wendete Moller nicht die Form der Basilika an, sondern eine Rotunde, da er diese jenen Bedingungen entsprechender fand, weil die Rotunde mit den wenigsten Umfassungsmauern den grössten Raum einschliesst, die Erbauung des Turmes spart, und die Kosten der Bedachung erleichtert. Auch dieses Gebäude ist im Kunstblatte von 1828 näher besprochen. Ein drittes Gebäude von Bedeutung, das neue Theater in Mainz, vollendete Moller 1833. Schon im Voraus hatte sich in Mainz die allgemeine Stimmung für dieses Gebäude ausserordentlich vortheilhaft ausgesprochen, und wenn in früheren Jahrgängen des Kunstblattes sich hin und wieder eine Stimme erhob, die dies oder jenes anders haben wollte, so heisst es 1853 in demselben Blatte, dass hier der Erfolg alle Erwartungen gerechtfertigt habe. – Da heisst es, es würde zu wenig gesagt sein, wenn man behaupten wollte, dass Moller nur die Erfahrungen, welche er bei dem früheren Baue des Darmstädter Theaters gemacht habe, mit Einsicht und Vortheil zu benützen gewusst hätte; denn das neue Theater zu Mainz unterscheidet sich wesentlich von jenem ersteren, und der Referent im Kunstblatte meint, es dürfe wohl unter allen neuern Theatern Deutschlands eines der vorzüglichsten sein, worin man ihm sicher beistimmen werde. Zwei Haupttheile, Bühne und Parterre, bestimmen durch ihre notwendige Form die Ausdehnung des Gebäudes, welches in zwei Flügeln zwei geräumigen und geschmackvollen Haupttreppen enthält, die ebenso schon als nützlich ihrer Bestimmung entsprechen. Keine gelogene Architektur, heisst es im Kunstblatte, kein griechisches Portal, keine überflüssige Fassade zeige sich hier als fremder Schmuck, sondern nur in der eigenen Gediegenheit beurkunde sich die Schönheit der Erfindung. Die Hauptansicht des Theaters bietet einen Halbzirkel, der durch die Form des Parterres

bedungen ist: mit drei Etagen hinauf voll gezierter Bogenfenster, und einem fortlaufenden Rie, der den davor liegenden Platz beherrscht. Dass auch das Innere des Gebäudes wohl bemessen, zweckmäßig, wohlgefallig, heiter sich ausübt, ist nicht minder hervorgehoben, und ein Hauptvorteil ist es, dass das Gebäude auch in akustischer Hinsicht nichts zu wünschen übrig lässt. Zu den schönsten Eigenthümlichkeiten dieses originellen Gebäudes gehört dann die halbrunde Gallerie (Foyer), welche von einer Haupttreppe zur andern führt und mit dem Balkone verbunden ist, und so einen längeren Spaziergang bildet; Was fünfte Heft seiner Entwürfe gibt dieses Theater in Abbildung. Im Jahre 1836 fertigte er den Plan zum Bau eines neuen herzoglichen Residenz- schlosses in Wiesbaden.

Dr. Moller’s Ruhm als praktischer Architekt ist seit Jahren be- gründet, und seine Verdienste für die Baukunst sind mannichfaltig. Wie er in einer Residenzstadt, deren Straßen sich täglich mehr ausdehnen, für sein architektonisches Talent erwünschte Gelegen- heit fand, so beschäftigte er sich auch mit Abbildung altdeutscher Bauwerke, und das BoisserGe’sche Prachtwerk über den Cölner Dom wird von seinem Fleisse und seiner Genauigkeit, so wie von seinem Geschmacke das unzweifelhafteste Zeugniss ablegen. Nach seiner Zeichnung stach Leisnier die innere Ansicht der von dem Ver- fasser ergänzten Vorhalle, beleuchtet durch ein großes, reich mit Steinwerk verziertes und mit Malereien geschmücktes Mittelfenster, und die geöffnete Thüre, in welche eben eine Prozession hereinführt. Dieses Blatt ist vielleicht das schönste Werk, was die Kupferstecherkunst im Fache der Architektur in so großem Maasse hervorgebracht hat. Dr. Moller kam auch in den Besitz des Originalrisses des Cölner Domes, und davon gab er in Dr. BoisserGe’s Werk ein Facsimile. Auch ein selbstständiges Werk bildet dieser Riss unter dem Titel: Die Originalzeichnung des Domes zu Cöln in 9 Blättern, roy. fol. Näheren Aufschluss über das Werk geben Bemerkungen über die aufgefundene Originalzeichnung des Domes in Cöln. Darmstadt 1818. Fol. Dana haben wir in zweiter Auflage: G. Moller’s Facsimile der Originalzeichnung des Domes zu Cöln, 9 lith. Blätter in roy. fol. mit Text. Darmstadt 1853.

Ferner verdankt ihm die Geschichte der deutschen Baukunst die schönsten Beiträge, indem er die alten Gebäude seines Bezirks in Mainz, Oppenheim, Worms, Speyer, Frankfurt u. s. w. zeichnete und in Kupfer stachen liess. Zu diesem Werke veranlasste ihn die Betrachtung der Dome in Straßburg und Freiburg, und so ent- stand ein Prachtwerk mit dem Titel: Denkmäler deutscher Baukunst. Auch unter dem Titel: Beiträge zur Kenntnis der deutschen Bau- kunst des Mittelalters, enthaltend eine chronologisch geordnete Reihe von Werken aus dem Zeitraume vom 8. bis zum 16. Jahrhunderte. Moller hat bei aller Anerkennung des Kunstwerthes der gotischen Baukunst, doch die Ansicht, dass dieselbe nicht dazu geeignet sei, wieder allgemein eingeführt zu werden, er glaubt aber dagegen, dass ihre Constructionsart, welche irriger Weise zugleich mit der gotischen Baukunst selbst verlassen wurde, in technischer Hinsicht die grösste Achtung verdiene. Die ausserordentliche Leichtigkeit und Festigkeit der gotischen Gebäude beruht, seiner Meinung nach, auf Anwendung eines sehr einfachen Princips, welches er das Netz- oder Knotensystem nennt, und dessen Annahme sowohl in der Civil-, als in der Brücken- und Schiffsbaukunst den grössten Vorteile seyn würde. Dieses Princip ist auch bereits mit glück-

Jichem Erfolge an der Kuppel der katholischen Kirche und am Dach der neuen Kanzlei zu Darmstadt, an der eisernen Kuppel des Doms zu Mainz und an dem Dache des Theaters dasefbst‚ wie an mehreren Brücken und Thürmen angewendet worden. Im Jahre 1827 machte Moller eine Reise nach Paris und 1830 nach London, grösstentheils um sich mit den neuen französischen und englischen Constructionen näher bekannt zu machen, wodurch er die Ueberzeugung erhielt, dass in diesen Ländern jenes System nicht angewendet wird, und diess bestimmte ihn, seine Ansichten über dasselbe bekannt zu machen. Schon im Texte zum Münster ‘ von Freiburg hatte er dieses zum Theil gethan, Ausführlich verbreitete

er sich aber in den Beiträgen zur Lehre von den Constructionen, und man erkennt jetzt, von welch besonderem Vorzuge sein motivirtes System der Constructionen ist. Zu H. Ritgen’s Beiträgen zur Wür- digung des Antheils der Lehre von den Constructionen in Holz und Eisen an der Ausbildung des Charakters neuerer, zeitgemässer Baukunst, schrieb Moller die Vorrede, Darmstadt 1835. roy. 8. Dr. G. Moller ist auch Mitglied mehrerer Akademien. Dann wur- den ihm noch andere Ehren zu Theil; so überreichte ihm die Stadt Mainz 1833 das Diplom eines Ehrenbürgers.

Dr. Moller’s Prachtwerke der Baukunst erschienen unter folgenden Titeln:

Denkmäler der deutschen Baukunst, dargestellt von Dr. Georg Moller, hess. Oberbaurath. Auch unter dem Titel: Beiträge zur Kenntniss der deutschen Baukunst des Mittelalters, ent-

haltend eine chronologisch geordnete Reihe von Werken aus dem Zeitraume vom 8. bis zum 16. Jahrhundert. 22 Hefte in 4 Bänden mit 127 K. in gr. Fol. nebst Text. — In diesem Werke ist die Kirche der heil. Elisabeth zu Marburg, der Dom zu Limburg an der Lahn und die Kirche des heil. Paul zu Worms, und der Münster zu Freiburg im Breisgau

abgebildet und beschrieben. Preis 45 Thlr.

Als erläuternder Text dazu gehört: Ueber altdeutsche Baukunst. Leipzig 183t.

Die Originalzeichnung des Doms zu Cöln, 9 Blätter in roy. Fol. mit Text in 4. Preis 12 Thlr. Ein Gegendruck der 7 Blattaufrisse kostet 8 Thlr. 32 gr. Ein vollständiges Exemplar mit dem Gegendruck 16 Thlr. 8 gr. Die zweite Auflage ist von 1837. s., S. 370

Beiträge zu der Lehre von den Constructionen von Dr. G. Moller. 1tes Heft, Dom zu Mainz, persp. Ansicht der katholischen Kirche zu Darmstadt etc. Darmstadt 1833. gr. Fol. Im Jahre 1830 erschien das 5te Heft.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_AY_rAAAAMAAJ/