Molitor, Martin von

Molitor, Martin von, Landschaftsmaler und Radierer , geboren zu Wien 1750, gestorben daselbst 1812. Er war der Sohn adeliger, aber unvermöglicher Eltern, und erst im 17. Jahre, nachdem er das Lyceum absolviert hatte, widmete er sich der Kunst, in welcher die Fortschritte so bedeutend waren, dass man ihn bald den besten Schüler des Christian Band nannte. Sein überlegenes Talent und die beständige Übung nach der Natur führten ihn zur Vollkommenheit. Seine Werke sind zahlreich; sie fanden Bewunderer und Käufer, so dass jedes Cabinet in Wien solche besass, sowohl in Öl als in Gouache. Die Bilder der letztern Gattung sind auf blauem Papier ausgeführt, in einer ihm eigenthümlichen Manier, und sie wurden so begierig gesucht, dass er die letzten zwölf Jahre seines Lebens die Palette nicht mehr ergreifen konnte. Die schönsten und größten dieser Zeichnungen besass der Herzog Albert von Sachsen-Teschen; auch der Graf Fries und H. von Barbolani erhielten Bilder von Molitor. Der eifrige Kunstsammler Rath von Hoppe erwarb sechs Gemälde von diesem Künstler, und eine Sammlung von 60 Zeichnungen jeden Formates, mit aller Verschiedenheit in der Zeichnungsweise. Der Kunstliebhaber Gabet, der auch schöne Blätter radirt hat, und einer der intimsten Freunde Molitor’s war, hatte einen Schatz von mehr oder weniger vollendeten Studien, die der Künstler auf seinen Excursionen in Österreich , Salzburg und Tirol gefertiget hatte. Darunter ist eine treffliche Folge von Kühen, Kälbern und Schafen, welche Molitor 1810 zu Brunn im Walde gezeichnet hatte. Alle diese Studien verbinden mit der größten Naturtreue eine ebenso leichte und geistreiche Behandlung.

Seine Gemälde sind geistreiche Compositionen von unerschöpflicher Mannichfaltigkeit. Er fasste die Natur von einer idealen Seite

Molitor, Martin v. 374

; auf, und wusste ihr so viel Reiz abzugewinnen, dass sie auf den Beschauer nie ihre Wirkung verfehlen; die Ölgemälde haben öfter einen etwas dunklen Ton, sie ermangeln aber nie der Harmonie. Bei seinen Gouachegemälden bediente er sich des Zinobers, des Ockers und der Sepia auf blauem Papier, höhte dann mit Weiss, und nahm zur Vertiefung Tusch. W R

M. v. Molitor war Ritter des k.k. Leopoldordens, Custos der k. Hof- bibliothek und Mitglied der k. k. Akademie zu Wien. Mehrere seiner Bilder wurden gestochen; von Gabet 30, von Gauermann 1, von Mössmer 4, von Seyffer 7, von Haldeuwang 2, von H. J. Schütz 2, von Piringer 18, von F. Brand 1, von Duttenhofer 12, von S. le Gros 2, von A. v. Bartsch 3, 0 AUL ..

Ein Künstler, der Crayon und die Feder mit solcher Sicherheit führte, musste auch die Nadel mit nicht geringerer Geschicklich- keit handhaben können. Seine radirten Blätter beurkunden Originalität der Ideen, die sich durch verständige Zeichnung auf dem gewähltesten Standpunkte aussprechen. Er führte die Nadel mit Eichtigkeit, und wusste doch glänzende Wirkung zu erzielen. Bartsch hat diese Blätter beschrieben, und jene, die nach Molitor gestochen wurden: Catalogue raisonné de l’oeuvre d’estampes de M. de Molitor ete, Nuremberg 1813. Nach diesem Verzeichnisse geben wir das folgende:

  1. Die Landstrasse, links zwei Weiber mit Bündeln, im Mittelfelde ein Mann zu Pferde mit dem Hunde. Links unten? Molitor, rechts der Buchstabe B. H. 2 Z. 5 L., Br. 1 Z. 10 L. .

Dieses Blatt dürfte nach Bartsch in der Sammlung des F. Gabet in Wien sich einzig vorfinden.

  1. Die zwei Bäume, links des Blattes auf einem Boden mit Kräutern und Büschen bewachsen, rechts vorn ist ein Stock und ein Baumstamm. H. 3 Z. 10 L., Br. 3 Z.

  2. Das alte Thor eines verfahllenen Gebäudes, der Bauer ordnet Garben, rechts vorn liegt ein anderer auf dem Boden, H. 4 Z. 6 L, Br. 3 Z. 4

  3. Der alte Weidenstamm mit wenig Ästen, rechts in der Ferne ein Felsen, links ein Hügel mit Pflanzen, Le Gros del.

Von Molitor nach der Idee desselben. H. 5 Z. 0 L., Br. 4 Z. 7 L.

  1. Das Weib mit dem Knaben zwischen dem Baume und der Hütte links des Blattes, H. 6 Z. 9 L., Br. 5 Z.

  2. Studium eines grossen Baumes, zu dessen Füßen ein junger Mensch mit gekreuzten Füssen sitzt. Der obere Theil des Baumes ist unvollendet. H. 7 Z., Br. 5 Z. 9 L.

  3. Die drei Kapuziner an einem kleinen Tische, aus der Zeit des Künstlers, und sehr selten. H. 1 Z. 2 L., Br. 2 Z. 11 L.

  4. Die von mehreren Bäumen versteckte Hütte, über den Fluss führt eine kleine Brücke. H. 2 Z., Br. 3 Z. 10 L.

  5. Die zwei Hütten rechts an einem Abhange, an jeder dersel- ben sind Bäume umfangen. H. 2 Z., Br. 3 Z. 11 L.

  6. Der Eimer am Pfahle, an welchem Garben aufgeschichtet sind, rechts neben dem Baume eine Hundshütte. Unvoll- endet. H. 3 Z., Br. 3 Z. 11 L.

Der steile Felsen in Mitte des Blattes, links ist eine Partie läufige, rechts erheben sich einige Fichten. H. 2 Z. 10 L., Br. 3 Z. 11 L.

Die Bäuerin mit einem Betrunkenen unter dem Eingange
eines verfallenen Hauses. Am Gemäuer sind mehrere Bäume,
H. 22 Z. 8 L., Br. 4 Z. 1 L.

Molitor, Martin v. 373

telgrundes und der Ferne. sind nur ‚schwach‘, angedeutet, da

‚das Scheidwasser nicht durchgegriffen hat. Die ersten Ab-

drücke sind sehr selten. H. 5 Z. 2 L.; Br. 7602./5 L.

  1. Die isolierte Strohhütte von Bäumen und Gesträuch umge-

ren. Links sind die Reste eines Zauns, und rechts vorn

liegt ein drrer Baum neben einem hoch dastehenden, mit

schr. leichter Nadel gefertiget. H. 5 Z., Br. 6602./5 L.

  1. Der Weiler: auf dem Gipfel eines großen steilen Felsens.

Links, wo der Weg geht, sind zwei Kühe, und rechts führt

eine Treppe bis hinauf; Unten am Felsen ist ein Zaun.

Nicht ganz vollendet. H. 6 Z., Br. 7 Z. 3 L.

  1. Die Mühle. hinter Felsen, deren Wasser in einer Leitung

nach links hinfliesst, wo es zwischen zwei Felsen einen Fall

bildet. Auf dem einen Felsen, in Mitte des Blattes, wachsen

eimige Bäume. H. 6 Z., Br. 7 Z. 2.3 L.

  1. Der Weg, welcher längs des Felsens hingeht, auf welchem

eine Hütte mit mehreren Bäumen steht. Links: im Vorgrunde

sind ebenfalls Felsenpartien; und in der Mitte sieht man

ein Weih mit dem Kinde und zwei Männer, zwei andere

Figuren gehen auf dem Wege. H. 5 Z. 5 L., Br. 7 Z. 4 L.

Die Eremitage. Der Einsiedler betet im Buche, und gegenüber

stürzt Wasser in die Felsenschlucht. H. 5 Z. 2 L.,

Felsige Landschaft, links an einem derselben zwei umgeris-

sene Baumstämme. Rechts vorn ist ein Felsenlager mit Durch-

sicht auf einen Wasserfall, gegenüber ist eine Eremitage

mit einem grossen Kreuz. H. 5 Z. 3 L.; Br. 7 Z. 5 L.

  1. Die drei Kühe, welche ein Bauer längs des Waldes hin-

treibt. Rechts vorn ist ein Strauch und in der Nähe der

Rest eines Zauns. H. 5 Z. 3 L.; Br. 7 Z. 5 L.

  1. Der durchbrochene Felsen, links Aussicht auf eine Gebirgs-

gegend. Am Fusse des Felsens ruht die Schaafheerde, im

Mittelgrunde sind zwei andere Schaafe, und im Vorgrunde

liegt der Hirte. H. 5 Z. 3 L.; Br. 7 Z. 6 L.

  1. Die am Ufer des mit Binsen bewachsenen Flusses weidende

Kuh. Links ist neben einem verstümmelten Baume ein Stock

in Mitte des Hintergrundes stehen zwei Hochstämme, und

rechts vorn sind zwei Stöcke mit Schilf umgeben. Rechts

oben stehen die Buchstaben M. M. H. 5 Z. 3 L., Br. 7 Z.

  1. Die vier Bäume links des Blattes auf einer Erhöhung neben

dem Canal. Im Vorgrunde sitzt rücklings ein Mann und dabei

ist ein Knabe. Auf der rechten Seite des Flusses sind Ge-

sträuche, die sich über die ganze Breite des Hintergrundes

verbreiten. H. 5 Z. 4 L.; Br. 7 Z. 7 L.

  1. Ein Titelblatt. Zwischen einem rohen Stein, vom einige

Schmarotzerpflanzen bedeckt, und einem kleineren länglichen

Steine fliesst ein Flüsschen, das eine Cascade bildet. Auf

der glatten Oberseite des größeren Steines steht: Paysages

dessines et gravés à l’aau forte par M. Molitor {7095. Auf

dem langen Steine liest man: A Vienne chez F. X. Stöckl,

Md: d’Estampes. H. 6 Z., Br. 8 Z. Zu diesem Titelblatte

gehören sechs Blätter, Nr. 36 —41 und 453 des Verzeichnis-

ses bei Bartsch und des unsrigen. Die ganze Folge bei

Weigel 11 Thlr. 8 gr.

Im ersten Abdrucke fehlt die Inschrift des Steines; diese

fehlt aber auch im zweiten Drucke, nur dass der Schatten,

‚ der‘ die rechte Seite des Steines bedeckt, mit der kalten Na- del überarbeitet ist, während er im ersten Drucke durch

‚ + reine Ätzung bewirkt wurde. Der dritte Druck hat die Schrift,

  1. Die Kuh auf der hölzernen Brücke, von einem Manne und einem Weibe, deren jedes einen Bündel trägt, getrieben. Die Landschaft ist felsig. Rechts im Mittelgrunde geht ein

‚ zweites Weib. H. 6 Z. 4 L., Br. 8 Z. 2 L.

  1. Der in die Ferne sich verlierende Fluss, dessen Ufer mit

Bäumen bewachsen sind. Rechts vorn ist eine Gruppe hohler

Bäume, an deren Fuß ein Weib mit der Butte sitzt. Ge-

ätzt und in Aquatinta übergangen. H. 5 Z. 9 L., Br. 8 Z.

6 L. Es gibt reine Ätzdrucke. Ein solcher bei Weigel

1 Thlr.; mit der Aquatintaüberarbeitung 16 gr.

Ein steiler, kahler Felsen, von mehreren Steinblöcken von ab-

gestürzten Steinen umgeben. Rechts stehen vier Kiefern,

in gleicher Manier, wie das obige. H. 5 Z. 9 L., Br.

8 Z. 8 L.

Eine reiche Landschaft, von Bartsch die Viehheerde genannt.

Diese, aus drei Kühen und sechs Schafen bestehend, treibt

‚. Links im Vorgrunde der Hirt dem Walde auf der Höhe ent-

lang. Rechts im Mittelgrunde ist ein Wasserfall, man sieht

das Mauerwerk eines alten Schlosses mit einem Turme,

und den Grund schliesst ein hoher kahler Berg. Dieses ist

eines der schönsten Blätter des Meisters, von trefflicher Vol-

lendung und von glänzender Wirkung. H. 5 Z. 9 L., Br.

8 Z. 0 L. Im ersten Drucke sieht man einige Lichtstellen,

die später gedeckt wurden, wie die Lichtseite des obern

Theiles des Felsens, der rechts des Wasserfalles ist, und die

grünen Partien zwischen letzterem und den Mauern, die

später mit der kalten Nadel überarbeitet wurden. Ein erster

Abdruck bei Weigel 18 gr. \ ' ;

  1. Die Ruine eines grossen Gebäudes auf dem Gipfel eines

mit Gebüsch bewachsenen Felsens. Links öffnet sich die Aus-

sicht auf eine Gebirg;:„end‚ rechts am Felsen hin führt

\ der Weg nach dem Walde im Grunde, und auf diesem

Wege geht ein Weib mit einem Knaben. H. 6 Z. 3 L.,

Br. 8 Z. 7 L.

  1. Ein unvollendetes Blatt, wo das Scheidewasser nicht ange-

griffen hat, so dass die Platte nach etlichen Abdrücken ver-

dichtet wurde. Man sieht nur das Dach einer Mühle und

fünf Bäume am Abhange des Berges. Gegen die Mitte zu

liegt ein Haufen Baumstämme, nur leicht umrissen. H. 6 Z.

8 L., Br. 9 Z. 4 L.

Dieselbe Darstellung vollständig, aber dennoch nicht ganz

vollendet, da es das letzte Werk des Künstlers ist. Man

sieht da eine Sägmühle, die fünf Bäume am Abhange und

die zusammengehäuften Baumstämme. Diese Gegenstände

sind sehr deutlich gegeben, nur nicht ganz vollendet. Links-

oben ist ein Gesträuch und auf dem Berge ein grosses Fel-

senstück. Am Fuße dieses Berges steht die Mühle. H. 6 Z.

6 L., Br. 8 Z. 8 L.

  1. Der ruhende Wanderer in einer holzreichen Landschaft,

links zwischen zwei Bäumen, mit beiden Händen den Stock

haltend, die Butte zu seinen Füssen. Im Mittelgrunde ist

eine Schaafherde, und zwei Kühe gehen längs einer Baum-

fanzung hin. Da sieht man auch die Mauer einer kleinen

restung. H. 6 Z. 7 L., Br. 9 Z. 9 L.

Die guten Abdrücke sind sehr selten; sie sind ganz leicht

avirt.

  1. Die drei Eremiten in einer felsigen Landschaft. Der größere Felsen nimmt fast die Hälfte des Blattes ein, und links zieht sich ein Wald darüber hin, bei dessen Eingang man die Statue der heil. Jungfrau bemerkt. Zwei Eremiten gehen

mit Schaufel und Rechen dem Gärtchen zu, rechts ist ihre Hütte am Felsen, und im Grunde von derselben Seite: liest der dritte in einem Buche. H. 9 Z. 8 L., Br. 9 Z. 10 L.

  1. Die Ruinen auf dem Berge, an dessen Fuß sich ein dichter Wald der Breite nach hinzicht. Im Vorgrunde rechts ist eine Gruppe von drei wenig belaubten Bäumen, und ein dürrer; in der Nähe steht ein Weib bei dem Fischer mit der Angelleine. H. 8 Z. 8 L., Br. 40 Z. 10 L. ;

  2. Die Familie, gegen die Mitte des Vorgrundes. Der Mann hat eine Kirbisflasche, die er für sein Weib, das mit dem

Kinde in den Armen auf dem Boden sitzt, im Flusse gefüllt zu haben scheint. In einiger Entfernung ist ein anderes Kind im Grase auf den Knieen. Im Mittelgrunde sind zwei alte Eichen, und nach rechts hin öffnet sich die Aussicht auf Berge. H. 8 Z. 8 L., Br. 10 Z. 10 L.

  1. Die Hirgin mit der Angelleine rechts an einem der großen Felsenstücke rücklings sitzend. Sie hat einen großen Korb neben sich, und rechts vorn sind drei Schafe am Baum- stamme. H. 8 Z. 3 L., Br. 11 Z.

  2. Die doppelte Cascade, gebildet durch das auf beiden Seiten eines Felsen herabstürzende Wasser. Am Gestade des da- durch entstandenen Baches sieht man die Halbfigur zweier

Mädchen und eines Knaben, und gegenüber ist eine Hütte auf dem Felsen. H. 8 Z. 4 L., Br. 11 Z.

  1. Der Stamm eines umgestürzten Baumes, der die ganze rechte Hälfte des Blattes einnimmt, und dessen geborstener Stock den gewaltsamen Umsturz beweiset. Auf dem Wege geht ein Weib mit einem Reisigbündel, und vor ihr her der Knabe mit dem Hunde. Dieses prächtige Blatt ist geätzt, und dann gab ihm Molitor einen graulichen Aquatintaton, mit einigen verständig angebrachten Höhungen. H. 8 Z. 9 L., Br. 11 Z. 8 L. .

Es gibt Abdrücke ohne Aquatinta – Lavirung. Dieses Hauptblatt gilt bei Weigel 1 Thlr.; im ersten Drucke 1 Thlr.

  1. Die Heerde von Kühen und einigen Schafen auf einer im Grunde von Wald begrenzten Wiese. „Durch eine Öffnung des Waldes sieht man auf eine andere Wiese und am Ein- gang dieser Teilung des Waldes ist der Hirt mit dem Kna-

en. Geätzt und in Aquatinta behandelt. H. 8 Z. 9 L., Br. 11 Z. 9 L. Die Aetzdrücke sind die ersten.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_AY_rAAAAMAAJ/