Moitte, Jean Guillaume, Bildhauer , geboren zu Paris 1747, gestorben 1781.
Von früher Kindheit an versuchte Jean Guillaume kleine Bilder in Wachs zu formen,
daher ihn sein Vater, der Kupferstecher Pierre Etienne, dem Bildhauer Pigalle zum Unterrichte übergab.
Nachdem er drei Jahre in dieses Meisters Schule zugebracht hatte, ward er Zögling
bei Moine’s, bei welchem er bis zu seiner 1771 erfolgten Reise nach Rom blieb.
Wenn er den Grundsätzen seines ersten Meisters folgte, so musste er eine tro-
Moitte, Jean Guillaume.
eigene Manier annehmen, der es zwar nicht an Wahrheit, aber an Erhabenheit und Grösse gebrach. Follgte er seinem zweiten Leh- rer, so ermangelten seine Arbeiten der Reinheit und der Wahr- heit. Er bildete sich also selbst, übertraf Le Moine in jeder Hinsicht, und hatte einen bessern Styl als Pigalle. Gleich anfangs machte er schnelle Fortschritte in den Schulen der Akademie; im Jahre 1766 empfing er Preismedaillen, den Preis für den Kopfaus- druck (tête d’expression), und den zweiten großen Preis. Der Verdruss, nicht den ersten erhalten zu haben, der ihm dann zwei Jahre später zu Teil wurde, wirkte sehr nachtheilig auf seine ohnehin schwächliche Gesundheit, so dass er später ( ) Rom verlassen musste, ohne die Studien vollendet zu haben, welche für den Gehalt und die Richtung seines Talentes entscheidend seyn konnten. Der Kummer, Italien unter solchen Verhältnissen ver- lassen zu müssen, (denn Rom und die alten Meisterwerke hatten seine Augen geöffnet), war so gross, und wirkte so furchtbar auf ihn, dass bei der Rückkehr über den Mont Cenis nur die sorgsame Aufsicht seiner Begleiter ihn von Angriffen auf sein eigenes Le- ben zurückhalten konnten. In der häuslichen Ruhe, deren er nach seiner Rückkehr genoss, zeichnete Moitte mit der Feder ver- schiedene große, in schönem Styl entworfene Friese, die bei den Künstlern Aufsehen erregten. Konnte er gleich in Rom wegen seiner Krankheitsanfällen weder modelliren, noch in Marmor ar- beiten, so waren darum sein Kopf und seine Zeichnungshefte nicht leer geblieben. Der königliche Goldarbeiter Auguste verband sich mit ihm, um jene Zeichnungen für seine schönsten Werke zu er- halten, die ihm einen bedeutenden Vorrang vor allen übrigen Kunstgenossen sicherten. Moitte lieferte vielleicht bei tausend sol- chen Zeichnungen, und theilte dadurch einer Luxusware, in wel- cher grosse Meister sich jederzeit auszeichneten, ein Verdienst wie- der mit, das sie in Frankreich seit länger als einem Jahrhundert verloren hatte. So galt Moitte nunmehr für einen, in Hinsicht auf Styl, Reinheit und Composition, sehr vorzüglichen Zeichner; dies machte ihn aber noch nicht zum Bildhauer. Im Jahre 1785 wurde er Beisitzer der Akademie, um aber wirkliches Mitglied der- selben zu werden, war ein in Marmor gearbeitetes Aufnahmsstück erforderlich, eine Sache, die er bis zum Ausbruche der Revolution verschob, wo sich die Akademie auflöste. Die Gelegenheit, wo Moitte seine ganze Stärke erproben konnte, zeigte sich nun end- lich, als im Jahr 1792 die Kirche der heil. Genovefa eine neue Bestimmung erhielt. Ihm wurde der grosse Fronton übertragen, wozu die Zeichnungen seiner schönen Friese ihn empfohlen hat- ten. Durch dieses Werk, welches das schönste Denkmal dieser Art ist, das die neuere Kunst bis auf ihn zu Stande brachte, grün- dete der Künstler den Ruhm bei der Nachwelt. Dieses Basrelief, von ausserordentlicher Grösse, ist ein Gegenstand ungetheilter Ach- tung, und seiner Vorzüge wegen allgemein bekannt. Die Kirche wurde in ein Pantheon umgeschaffen, und so stellte der Künstler das Vaterland vor, das an die Bürgertugend und an das Genie Kronen vertheilt. Dahin bezogen sich auch alle Bildsäulen und Basreliefs, welche von aussen und im Innern den Tempel schmück- ten, die aber 1830 in der Juliusrevolution sehr beschädigt wur- den. Eben dieser Künstler verfertigte auch die Statue Cassini’s, die ein seltenes Verdienst in den nackten Partien hat, und seinem Ur- heber zur Ehre gereicht. Das vollkommenste seiner Werke ist aber vielleicht eines der Basreliefs des Louvre. Was er an Wissen- schaft, Styl und Geschicklichkeit vermochte, hat er auf diese Ar-
F. Beit verwandt. Es stellt die Muse der Geschichte vor, an Tafeln
gelehnt, auf die sie die Worte: „l’an VI. et Napoleon: le grand“ eingräbt. Verwandte geschichtliche Gegenstände sind auf dem Ab-
‚. tique und grosse historische Personen, wie Moses, Numa, Lykurg
:‚'-in den Feldern angebracht. Mit vieler Vorliebe arbeitete er ein
für das Senats-Museum, jetzt in Luxembourg befindliches Basrelief,
das Vaterland darstellend, wie es seine Kinder zu seiner Ver-
theidigung aufruft. Es wurde nicht in Marmor ausgeführt. Eben
‚‚dieser Künstler verfertigte auch das Grabmal des General Leclerc
in der Genovefenkirche zu Paris. Während seiner letzten Lebens-
‚. jahre war Moitte mit überaus vielen Arbeiten beschäftigt, von
„ denen die meisten unvollendet geblieben sind. Seine grossen Bas-
‚reliefs für die Säule zu Boulogne, vorzüglich aber die Statue zu
Pferde des Generals d’Haupoult, hätten seinen Ruhm vollendet.
‘.-Der Tod raubte ihm dieses letztere Denkmal; er hat davon nur '„ das Modell im Kleinen verfertigt. Es gibt indessen noch mehrere “ vollendete Werke von diesem Künstler: Die Statue des General ; Custine, welche er, so wie jene Cassini’s auf Befehl der Regie-
rung ausgeführt hatte; eine Vestalin mit der Opferschale; ein Opfernder; mehrere Basreliefs für die Barrieren zu Paris und für das Schloss Ile-Adam; die colossale Figur der Bretagne und Nor-
‚mandie an der Barriere Bons-Hommes; eine Reiterstatue Napo- ‚leons etc. Sein Modell zur Statue des J. J. Rousseau, der über
den Emil nachsinnt, wurde später ausgeführt und selbe im Gar- ten der Tuilerien aufgestellt.
Moitte war Professor an der Maler- und Bildhauerschule zu Paris, Mitglied des Instituts und Ritter der Ehrenlegion. Seiner
wurde häufig in französischen Blättern erwähnt, auch im Kunst- blatt ist er gewürdigt, und Gabet führt die meisten seiner Werke an.
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