Mocetto, Girolamo, Maler und Kupferstecher , auch Mozzetto und Mozetto geschrieben. irrig aber Muciano und Moscianou enannt, weil Hieronymus Mosciano, H. Muziano ist, und wenn ihm Heinecke (Idde geönerale) den Beinamen Bresciano gibt, so verwechselt er den Mocetto ebenfalls mit diesem Künstler. Man glaubt, dieser Künstler sei um zu Verona geboren, und weil Lanri unter den Schülern des G. Rellini einen Girolamo Mocetto zählt, so glaubte man hierin den Veroneser erkennen zu dürfen. Vasari macht ihn zum Gehülfen Bellini’s, Lanzi zählt ihn aber nur zu den ersten und wenigen ausgebildeten Schülern jenes Meisters. Das Kupferstechen soll er nach Einigen bei Andrea da Murano oder bei Squarcione erlernt haben, und auch Zanetti (Cabinet Ci- cognara etc. p. 110.) kann diese Meinung nicht verwerfen, da Mo- cetto, wenn nicht älter als Mantegna, doch wenigstens ein Mit- schüler desselben bei Squarcione gewesen sein könnte. Wer ihn die Stecherkunst gelehrt habe, lässt Vasari im Ungewissen, als Maler beurkundete er aber einen Girol. Mocetto, den Schüler des Giambellini, von welchem sich auch Malwerke erhalten haben. Lanzi schreibt ihm ein mit datiertes Bild der Gallerie Corer zu, und ein anderes ebenfalls mit dem Namen und der Jahrzahl datiertes Gemälde ist in der Kirche der heiligen Nazarus und Celsus zu Verona, wie Maffei, Verona illustrata III. 138, benach- richtigt. In der Akademie zu Verona sieht man sein Bildnis.
Bartsch, P. Gr. XII. 215 f. beschreibt 8 Blätter von diesem Meister, allein die Kupferstichwerke Mocetto’s belaufen sich auf etwa 12 Stücke. Malpe II 76., glaubt, dass Mocetto auch in Hell- dunkel gearbeitet habe, und er legt ihm ein Blatt bei, welches den Einzug Christi in Jerusalem vorstellt, mit dem Zeichen an der Jahrzahl 1500. Diese Behauptung ist nicht ganz erwiesen, wäre es aber Tatsache, so gebührte dem Hugo da Carpi die Ehre der Erfindung nicht, denn das älteste Blatt desselben geht nicht über 1518 hin- aus. Die Kupferstiche dieses Künstlers sind in einer trockenen Weise behandelt, aber von so großer Seltenheit, dass man selbst in den berühmtesten Cabineten nur wenige findet. Die Nummern 1–8 sind im Peintre graveur beschrieben, die übrigen von andern Chalkologen.
- Judith steckt das Haupt des Holofernes in den Sack, wel- chen die alte Magd hält. Judith steht links, die Alte rechts, links gegen den Grund hin erhebt sich ein Baum, und rechts zieht sich fern hin ein Wald. Man legt dieses Blatt lqq:- wöhnlich dem Mantegna bei, Bartsch aber hält es für Mo- cetto’s Werk, H. 12 ä. 6 L., Br. 8 Z.
Schr selten ist der Abdruck ohne Baum und ohne Fern- sicht. Ein Anonymus hat das Blatt im Geschmacke des
- Die Taufe Christi. Der nackte Heiland steht im Jordan auf
einem viereckigen Stein, links giesst Johannes am Ufer des
Flusses die Schale mit Wasser über ihn aus. Am gegenüber-
seitigen Ufer stehen drei Jünglinge, von welchen zwei die
Kleider des Herrn halten. Der Jordan zieht sich in die
Ferne, und links am Berge steht eine Stadt. Gott Vater mit
dem heil. Geiste ist oben auf Wolken. Dieses Blatt hat viel
Schönes; die Anordnung der Figuren ist geistreich, die
Zeichnung korrekt. Es ist ohne Namen, aber Bartsch hält
es unbezweifelt für Mocetto’s Werk. H. 18 Z., Br. 15 Z.
- Die heil. Jungfrau mit acht Heiligen im Halbkreise gereiht.
Links ist Johannes der erste, der dritte ist Anton der Ere-
mit und der Franz von Assis der fünfte. Von den fünf an-
deren hat jeder ein großes Buch, über diesen Heiligen
schwebt die heil. Jungfrau in der Luft von Cherubim um-
geben. Im Grunde ist Landschaft mit Bergen; links der
Hirt mit der Heerde, rechts ein Reiter mit dem Stallknechte.
Dieses Blatt ist ohne Zeichen; man legt es oft dem B. Montagna bei, Bartsch aber erklärt es als Mocetto’s Werk.
H. 16 Z. 6 L., Br. 11 Z. 3 L.
- Die heil. Jungfrau auf dem Throne, mit dem Kinde auf dem
Schoß, hält ein kleines Buch in der Rechten. Ohne Zeichen.
H. 11 Z., Br. 7 Z. Heimecke schreibt dieses Blatt
dem Gio Maria da Brescia zu, Bartsch aber findet große
Ähnlichkeit mit der Judith.
- St. Johannes in der Wüste. Der Heilige steht in Mitte des
Blattes mit einem Gefäße in der Rechten, und mit der an-
deren den Mantel haltend. Um seinen Kopf flattert eine
große Bandrolle mit der Schrift: Ego vox clamantis in
deserto parate viam domini. Im Grunde ist Land-
schaft, links in der Ferne ein Mann zu Pferd. Rechts un-
ten ist das Zeichen. H. 11 Z. 5 L., Br. 8 Z.
Die Figur des Johannes hat G. Campagnola von der Ge-
genseite gestochen, mit anderem Hintergrunde. Es ist dies
erster Versuch in Punzenmanier.
- Ein nackter, links auf dem Boden sitzender Mann nach
rechts gewendet, die linke Hand auf dem mit Weinlaub be-
kränzten Kopfe, während er aus dem Krug in der Rechten
Wein auf den Boden schüttet. Ohne Zeichen, aber Bartsch
schreibt es unbedenklich dem Mocetto zu. H. 10 Z. 9 L.
- Das Opfer, nach Art eines antiken Basreliefs. Links scheint
der junge Priester Rauchwerk in das Feuer auf dem Altare
zu werfen, ein anderer Priester, im Profil, giesst Flüssigkeit
aus der Schale hinein. Am Fuße des Altares sind drei
Kinder, rechts des Blattes sieht man eine große Anzahl von
Figuren. Links unten ist das Zeichen. H. 7 Z. 4 L., Br. 6 Z.
- Die Schlacht von Reitern. Rechts vier Kämpfer zu Pferd,
und in der Mitte bedeckt sich ein Krieger im Fallen
mit dem Schild. Links vorn erhebt ein Gefallener den
raucht.
rechten Arm, und in der Mitte unten steht: HIERONIMUS. H. 10 Z. 2 L., Br. 15 Z. 3 L.
Dieses Blatt wurde bei der Veräusserung des Cabinetes Du- rand mit 180 Fr. bezahlt.
- Die Auferstehung Christi. Am Grab sind vier Soldaten, und
an demselben stehen die Worte: Hieronimus Mocetus. H. 16 Z. 7 L., Br. 11 Z. So ist im Catalogue du Cabinet de M. de Silvestre p. 181
gugegeb_gen. Oder ist dies Blatt von G. da Brescia, Bartsch F, Ze ;
Ein Zug von Reitern; links ein Soldat auf den Knieen, wie - er einen jungen Mann auf die Schulter nehmen will. In Mitte der Terasse steht: MOCETUS. Dieses Blatt wird in dem erwähnten Catalogue genannt, Nr. 9. ;
Die Verläumdung des Apelles. Links sitzt Midas auf dem Throne zwischen dem Verdacht und der Unwissenheit, die unter dickleibigen Weibern vorgestellt sind. Der langohrige Richter reicht dem Nichte zierlich die Hand, und dieser führt die Verläumdung, eine hohe weibliche Gestalt mit der Fa- ı ckel, wie sie die Unschuld bei den Haaren schleppt. Zwei andere Figuren folgen ihr, dann kommt die Strafe mit ver- schleiertem Haupte, wie sie die Tröstungen der Wahrheit anhört. Bei jeder Figur steht der Name, Die Scene geht zu Venedig auf dem St. Johann und Paulsplatz vor. Man
— sieht die Reiterstatue des Bart. Colleoni, die nach dem 1488 erfolgten Tod des A. Verocchio, welcher das Modell fertigte, von A. Leopardi gegossen wurde. H. 12 % Z., Br. 16 Z. 6 L.
Bartsch XI 113 setzt dieses Blatt unter die anonymen, und nennt es sonderbarer Weise: La Sottise sur le trône, Heineke legt dieses Blatt dem Baldiai bei, der es nach S. Botticelli gestochen haben soll. Zanetti sagt aber, der Ort der Handlung reiche hin, um es der venetianischen Schule zuzueignen. Ottley meint, das Blatt beziehe sich auf eine Satyre gegen Colleoni, die bald nach Einweihung des Monuments hörbar wurde. Das Blatt scheint also um 1490 gefertigt worden zu sein.
- Eine schlafende Nymphe, welche sich mit dem rechten Arme auf eine Urne lehnt, aus welcher Wasser in den Fluss strömt, an dessen Ufer sie ruht. Bei der andern Vase, aus welcher ebenfalls Wasser fließt, erhebt sich nur ein Manns- kopf, von dem man aber nur die Stirne und die Augen- brauen sieht. Rechts des Blattes, bei den Füssen der Nymphe, sitzt Neptun mit dem Dreizack auf einem Steine, wie er einen Fuß im Wasser hält, von einer seiner Seiten aus, zieht sich bis zum linken Schenkel der Nymphe ein Strich hin, der an eine Blutader erinnert, aber doch nur zu- fälliger Weise, durch Ausglitschen des Stichels, entstanden seyn könnte. Links nach dem Grunde hin sitzt ein Mann in antikem Costum, mit zwei Flöten in der Hand, wie er mit einer derselben auf den lüsternen Satyr deutet, welcher das Gewand hebt, womit die Scham der Nymphe bedeckt ist. Im Gehölze des Grundes sieht man die Terme des Priap. Im Wasser sind zwei Enten und zwei Fische, und ganz vorn am Ufer des Flusses sieht man zwei Kröten, welche eine große Schriftrolle halten, deren Charaktere schwer zu lesen
Bartsch, der (P. gr. XII 114) dieses Blatt zu den anonymen Blättern von 1500 zählt, gibt eine Kopie der Schrift, und Brulliot (Dict. des monogr. IN. p. 183) hat selbe ebenfalls sehr getreu copirt. Auch Ottley (An Inquiry etc. p. 516) handelt ausführlich von dieser schlafenden Nymphe.
Bartsch liest die ersten Worte für: Sepe eadem anastella, und er meint, der Künstler habe ausdrücken wollen, dass das Meer — hier Neptun — die Quelle aller Flüsse sei, welche Wald, Flur und Gärten beteuchten, dass sie aber wieder in das Meer zurückkehren, was durch die erwähnte Ader versinnlichet seyn sollte. Die Nymphe mit der Urne, oder eine Najade, stellt nach Bartsch die Flüsse vor; die Satyrn die Wälder mit den Giesbächen; der Priap die Quellen der Bäche, welche die Wiesen durchschneiden, oder die Fontaine des Gartens bilden etc.
Diese Erklärung passt wohl in einigen Dingen, sie genügt aber im Ganzen nicht.
Heinecke kennt keine Bedeutung der Vorstellung und hält ganz irrig den Stecher für einen Schüler der Zeit Marc Anton’s.
Ottley weiß ebenfalls keine Bedeutung, erklärt aber den Künstler mit großem Rechte für H. Mocetto.
Das Österreichische Archiv 1851 Nr. 25 gibt sub nomine Georg Haderer die deutlichste Beschreibung und wahrschein- lichste Entzifferung, und hält die Allegorie für das große Naturgesetz der Fortpflanzung durch die gleichen Gattungen, auch durch die Natur der Thier- und Pflanzen-Welt. Haderer erklärt die Schriftzeichen für einen schlecht construirten griechischen Hexameter, olmgefähr mit folgendem Sinne:
„Lass da, die Binde zu lüften, nach falschem Ziele be-
Bartesch konnte das Maß des Blattes nicht richtig ange- ben. Es ist 104 Z. hoch, 173 Z. breit. Wir wissen nur von zwei Abdrücken; der zweite wurde 1818 in Wien bei J. Grünling um 136 fl. erkauft. Das Blatt war in sehr schlechtem Zu- stande.
Die heilige Jungfrau auf dem Throne mit dem Kinde auf dem Schoß, welches mit der linken Hand segnet, und die Rechte auf ein kleines Buch legt. Auf der Stufe des Throns sind drei Engel mit musikalischen Instrumenten, und rechts sieht man den Evangelisten Johannes, im Profil nach links gewendet, wo ein anderer Heiliger im Buche liest, Dieser ist in dreiviertel Ansicht nach rechts gewendet. Un- ten in Mitte des Blattes ist das Zeichen des Künstlers, ver- kehrt zu sehen. H. 17 Z. 6 L., Br. 13 Z. 3 L.
Dieses Blatt wird nicht von Bartsch, sondern von Ottley (History of engraving 514) erwähnt, nach dem Abdrucke im Cabinet Sykes.
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