Mitterer, Hermann Joseph

Mitterer, Hermann Joseph, Maler und Lithograph , ein um den öffentlichen Unterricht, vorzüglich in technischer Hinsicht, und die erste Cultur der Lithographie in München hochverdienter Mann, war der Sohn eines Krämers von Osterhofen in Nieder- bayern, und im Jahre 1764 geboren. Nicht ohne Kampf mit miss- lichen Umständen machte er in der Mathematik, Physik, in der Zeichnungs- und Malerkunst die besten Fortschritte, fühlte sich daher mehr für das Kunstfach berufen, als für die Theologie, und widmete sich ganz dem Zeichnen, der Architektur und der Technik. Im Jahre 1791 erhielt er die Anstellung als Zeichnungslehrer am Gymnasium zu München mit einem jährlichen Gehalte von 150 fl. Im nächstfolgenden Jahre errichtete er mit Genehmigung des churfürstlich bayerischen geheimen Schulkuratoriums eine Feiertagszeichnungsschule für Künstler und Handwerker, und gründete auf diese Weise mit Prof. Kefer, der die erste Feiertagsschule für Gesellen und Handwerksjungen in Elementargegenständen eröffnete, die im In- und Auslande ruhmlichst bekannte und vielfältig auch nachgeahmte Feiertagsschule. Im Jahre 1803 fing Prof. Mitterer an, in den geräumigen Lehrsälen des neuen Schulhauses die Bau- handwerker im Zeichnen zu unterrichten, die gegenwärtige k. Bau- gewerksschule verdankt aber dem k. Baurathe Dr. Vorher ihren Flor. Später verband Mitterer mit der so gemeinnützigen b. Feiertagsschule die so höchst notwendige Bosirschule. Bei einer großen Schülermenge fehlte es nun an einer hinreichenden Anzahl von Zeichnungsvorlagen; Mitterer machte sich daher an die Arbeit, die nötigen Zeichnungsmuster in Vorlagen nicht nur für die Zeichnungsschule, sondern für alle Kunstschulen im ganzen Reiche zu bearbeiten, wenn das k. Generalkommissariat zu diesem Zwecke das Arkanum

der Lithographie zur Schule aufzukaufen: würde, was auch 1808 geschah. Diese Kunst war damals noch in ihrer Kindheit; ganz schwach und unmündig erhielt die Schulkommission dieses neue Geschöpf aus den Händen ihrer Erfinder, die es Anfangs nur zum Musikcopiren und Abdrücken benutzten; weder Kreiden noch Vintenrecepte waren zuverlässig und hinreichend; Kunstarbeiten damit zu verfertigen. Nach langem rastlosen Bemühen und vielen Experimenten gelang es endlich dem hochverdienten Mitterer, die Ingredienzien nach einem bestimmten Maasse, nach Zahl und Gewicht zu bestimmen und gehörig zu mischen; so dass damit auch Baupläne und freie Handzeichnungen auf Stein gebracht und davon rein abgedruckt werden konnten. Er ruhte nicht, bis er die Lithographie zu einem so hohen Grade von Vollkommenheit gebracht, dass man damit alle Kunstartikel der technischen und freien Handzeichnung, ja selbst Porträts auf Stein zeichnen und davon meisterliche Abdrücke machen konnte. Mit zahllosen Hindernissen, theils chemischen, theils mechanischen, hatte Mitterer zu kämpfen; allein er besiegte sie alle, und hat sich dadurch unsterbliche Verdienste erworben. Er begründete dadurch die nun durch ganz Europa rühmlichst bekannte erste lithographische Kunstanstalt an der männlichen Feiertagsschule zu München, die er 1815 als sein Eigenes an sich kaufte. Seine vielen produzierten lithographischen Arbeiten bleiben in der Geschichte der bildenden Künste ein ewig unzerstörbares Denkmal, das er sich selbst erbaut hat. Während des französischen Krieges wurde diese lithographische Anstalt von berühmten Künstlern, Offizieren und Generalen besucht. Keiner davon zeichnete in einer halben Stunde einen Kosaken auf Stein, und ließ sich in der zweiten davon Abdrücke machen, die er mit nach Paris nahm. Die ersten Probearbeiten, die aus dieser Kunstanstalt hervorgingen, waren eine auf Abonnement erschienene Sammlung von auserlesenen Prachtblumen, von C. Mayrhofer nach der Natur gezeichnet. S. Mayrhofer.

Das vorzüglichste Bestreben dieser nun als Eigentum dem P. Mitterer angehörigen Anstalt ging dahin, diejenigen Werke zu erzeugen, die für die verschiedenen Zweige des Kunstunterrichts nützig waren. Unter seiner Leitung ging auch die vortreffliche Flora monacensis in vier Foliobänden hervor, von Mayrhofer, nach der Natur gezeichnet und vom Direktor v. Schrank mit lateinischen und deutschen Text begleitet, Ihrer Majestät der Königin gewidmet; ferner die 130 ganz der Natur getreuen Abbildungen der Säugetiere, von Mich. Schmid mit unermüdetem Fleiße auf Stein gezeichnet und von seinem Bruder, Joseph Karl Schmid, mit naturhistorischer Beschreibung begleitet, wozu Mitterer noch die Fische, Insekten, Mollusken und Crustaceen nachtrug. Für den Religions- und Elementarunterricht in der biblischen Geschichte wurden von verschiedenen guten Meistern 36 Bilder in gr. Medianformat aus der Jugendgeschichte und dem öffentlichen Leben Jesu bearbeitet, und viele einzelne geistliche Bilder nach berühmten Meistern lithographiert; dann auch viele einzelne Köpfe nach Rafael in gr. reg. folio. Von Mitterer haben wir auch: eine Anleitung für Figurenzeichnung, 2) zur Tierzeichnung, 3) zur Landschaftzeichnung, 4) zur Blumen- und 5) zur Ornamentenzeichnung, Dann eine Anleitung zur Geometrie für Künstler und Werkleute, gr. med. Octav, mit lithogr. Figuren von Mitterer in den Text eingeschaltet, das erste Werk dieser Art vom Jahre 1809; Anleitung zur bürgerlichen Baukunst und Bauzeichnung, wovon 1834 bereits die vierte Auflage da war; die deutsche Zimmerwerkshand.

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