Minardi, Tommaso

Minardi, Tommaso, Zeichner und Maler von Faenza , einer der berühmtesten, jetzt lebenden italienischen Künstler, genießt seit Jahren zu Rom und in ganz Italien einen grossen Ruf, und in dieser Hinsicht ist sein Ruhm auch gerecht. In der Zeichnung steht er ganz da, denn diese ist von ausserordentlicher Correctheit, er mag sie nach fremden Vorbildern oder in eigener Composition geben. So wusste er z. B. in dem kleinen Umfange einer Composi tion die Energie und den erhabenen Charakter zu fassen, der uns in Michel Angelos jüngstem Gerichte zur Bewunderung hält.

Diese Zeichnung fertigte er mit wunderbarer Geschicklichkeit in Stiche für Giuseppe Longhi, allein leider verhinderte diesen der Tod an der Vollendung dieses Werkes. Er führte mehrere Zeichnungen zum Stiche aus; so stach P. Fontana den Laokoon für Caro’s berühmte Uebersetzung von Virgil’s Aeneide, Minardi zeichnet überhaupt fast allein; er malt jetzt nicht mehr, und hat es auch früher wenig gethan. Dagegen componirt er mit der Kreide die schönsten Bilder, mit den ausdrucksvollsten Figuren; und geht dabei mit einer Sicherheit und Correctheit zu Werke, die überraschend ist. Seine Landsleute stellen ihn daher höher, ja neben Landi, Podesti, Sabatelli, Palagi, Nenci u. a., sogar noch höher, als die gefeierten Künstler der modernen Zeit, was Ute Ucherälpler doch nicht so ganz richtig finden wollen. In dem Werke: Il progresso delle scienze, delle lettere e delle arti, Napoli 1853, p. 51, kann man es Wort für Wort gedruckt versichert lesen. Ein grosser Zeichner ist Minardi jedenfalls; er componirte früher im Geschmacke Michel Angelos, und so wie der grosse Buonarotto zuweilen durch andere Maler seine Zeichnungen Farben ausführen liess, so thut es auch Minardi. Mehrere seiner Compositionen sind von andern gemalt. ‚

Auch in des Grafen A. Raczynski’s Prachtwerk: Geschichte der neuern deutschen Kunst, deutsch vom Prof. v. B. ‚ ‚L. 683, wird der Künstler gewürdiget. Da heisst es: „Minardi steht an der Spitze der Puristen. Es hat sich nämlich Camaecini, Agricola, Podesti, Coghe, Bergamasco, Fioroni u. a. gegenseitig eine eigene Classe, die der Puristen gebildet, nach welcher man die moderne italienische Schule vortheilhafter kennen lernen kann, als durch die andere Partei. Die Puristen hoffen zunächst in einer Rückkehr zu der Weise älterer Meister, die verloren gegangene Einfachheit und Wahrheit bildlicher Darstellungen wieder zu gewinnen, und das Haupt derselben ist Minardi. ‚

Seine Kenntnisse und liebenswürdige Eigenschaften fast allgemein gerühmt werden. A. v. Raczynski sagt, Minardi habe gewiss eine klare Einsicht in die Bedürfnisse der Kunst, allein seine Zeichnungen zeigen, dass seine künstlerischen Kräfte mit seinen intellektuellen nicht gleichen Schritt halten können. Seine Einfachheit ist nach Raczynski mehr Monotonie, und seine Ruhe Lebloßigkeit. Der Verfasser der Geschichte der neuern deutschen Kunst hat das, dem Minardi von seinen Landsleuten gespendete Lob, schroff genähert, was wir weiter oben ebenfalls gethan haben; obschon noch immer jenes Lob im Vergleiche mit dem des kunstliebenden Grafen zu gross erscheint. ‚

In jener Zeit ging Minardi mit der Energie zu Werk, und dieses Feuer hat er gemässigt, als er einer puristischen Ansicht gelahrt war. ‚

Minasi ist Akademiker von St. Luca. Er leitete mit Salvagni die Zeichenschule jener Anstalt.

Schliesslich bemerken wir noch, dass der Künstler in Örloff’s Essai sur l’histoire de la peinture en Italie II, p. 4535 irrig Mainardi von Perugia genannt wird.

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