Mignard, Nicolas

Mignard, Nicolas, Maler und Radierer , genannt Mignard d’Avignon, geboren zu Troyes en Champagne gegen 1608, ge- storben zu Paris 1668. Dieser Künstler, der ältere Bruder des Po- ter Mignard, war der Sohn eines Edelmannes, dessen eigentlicher Name „Mores“ war. Er stammte aus England , trat aber mit sei- nen sechs Brüdern in Kriegsdienste Heinrich IV. von Frankreich , und dieser gab die Veranlassung zur Umtaufe. Als er einst diese tapferen und auch durch Wohlgestalt ausgezeichneten Männer beisammen sah, rief er aus: „Dies sind keine Mores (Mohren), sondern Mignards (hübsche und feine Männer)!“ Jetzt nannten sich die Brüder Mignard, was auch auf ihre Nachkömmlinge über- ging. Aus Nicolas wurde ein Künstler , und dieser erlernte die Anfangsgründe in seiner Vaterstadt, während Pierre in Bourges dem gleichen Studium oblag. Beide gingen dann nach Fontainebleau , um die Antike und die Malereien des Primaticcio, Rosso, N. del Abbate und Freminet’s zu studiren. Nicolas verweilte nicht lange an diesem Orte, sondern schickte sich zur Reise nach Rom an; allein er wurde zu Lyon mit Arbeiten aufgehalten, und noch mehr in Avignon beschäftigt, wo er sich auch verheiratete, und den Beinamen „Mignard d’Avignon“ erhielt. Seine Malereien da- selbst gingen in der Revolution zu Grunde. Sein Bruder Pierre war längst in Rom, endlich aber begab sich auch Nicolaus dahin, wo jetzt Albani und Annib. Carracci seine Vorbilder waren, die er aber bald wieder verließ, um nach Avignon zurückzukeh- ren. Im Jahre 1660 wurde er nach Paris berufen, und da hatte sich ihm schon eine erfreuliche Zukunft geoffenbart, als 1661 sein Gönner, der Cardinal Mazarin starb. Jetzt ward er wieder auf sich selbst angewiesen, und angestrengte Arbeit zog ihm die Was- sersucht zu. In letzterer Zeit seines Lebens war er Rektor der k. Akademie zu Paris.

Mignard, Nicolas.

N. Mignard malte Historien und Bildnisse, beides mit gleicher Kunst. Er bediente sich beim Malen der linken Hand, doch mit der vollkommensten Uebung. Er componirte mit Verstand, und dabei kam ihm auch eine glückliche Einbildungskraft zu Hülfe, die sich aber in ruhigen Gemüthszuständen richtiger bewegte, als in feindschaftlicher Aufregung. Picard übertraf ihn an Feuer und Wärme der Composition, doch sind beide in einem manierirten

Wesen befangen. Mignard malte zweimal das Bildnis Ludwig XIV.,

welche Poilly und van Schuppen gestochen haben. Das Bildnis des Grafen von Marcourt (le Cadet de la Perle), des Petrus quibus, und jenes des Wilhelm Brissacier haben wir unter den meister- haftesten Stichen des Anton Masson aufgezählt. Auch G. Edelink stach ein Bildnis nach diesen Künstlern, jenes des F. M. le Tel- lier, Marquis de Louvois; St. Baudet stach das schöne Bild des heil. Joseph, den der Engel im Traume nach Aegypten führte heisst; J. Boulanger stach die Kreuzigung Christi, und im Arti- kel A. Masson’s ist von einer heil. Familie die Rede. Bouillard stach für das Musée français die heil. Cäcilia, und auch Ulmer lieferte von dieser Heiligen einen glänzenden Stich.

Wir haben von diesem Künstler radirte Blätter, die er, wie die Gemälde, mit der linken Hand ausführte. Robert Dumesnil, P. gr. frangais I, p. 101 ff., beschreibt 9 Blätter von ihm:

  1. Loth und seine Töchter, am Eingange eines Waldes grup- pir t. Die eine berauscht den Vater, die andere unterstützt ihn mit dem rechten Arme. In der Ferne ist Loth’s Weib verwandelt, und Sodoma in Flammen. N. Mignard Pinx. et Sulp. In der Mitte: L’Inceste de Lot. Dann liest man:

Les filles de Lot croyant — — Ennemi de celui de Dieu, H. 10 Z. 7 L., Br. 11 Z. 6 L.

Acht Blätter nach Annib. Carracci,

  1. Die Entführung des Ganymed durch den Adler, nach dem Gemälde der Gallerie Farnese, Anib. Carracius inu. pinxit Romae N. Mignard sculpsit. — F. L. (Langlois) D. Ciartres excud. Cum Priuil, Regis Christianissimi. H. 5 Z. 4 L., Br. 7 Z. 4 L. Im zweiten Drucke steht Mariette’s Adresse,

Folgende Blätter sind nach Gemälden des Cabinets Far- nese:

  1. Herkules zwischen zwei Frauengestalten mit der Keule sitzend, Tugend und Laster vorstellend. Im Rande: Anxia in Ambigno etc., dann folgt die Dedication an P. Saliano, links: Hannibal Carratius ... an D. MDCVIIMN., rechts: Ni- colas Mignard .... an D. MDCXXXVIL H. 11 Z. mit dem Rande von 1 Z. 8 L., Br. 12 Z. 5 L.

Dieses ist der letzte Druck; im ersten steht F. Langlois Adresse, im zweiten jene des Mariette,

  1. Herkules im Schatten der Bäume von den Arbeiten ausruhend, umherum liegt Keule, der Bogen, Köcher, Pfeile, Löwen- haut, die Hündin mit ehernen Füssen und die hesperischen Aepfel. Rechts sieht man die Sphinx, den Cerberus etc. In den Ecken des Octogons steht: Annib. carratius inuentor; rechts: N. Mignard sculp.; im Rande: Victor ab hoste redux etc. H. 7 Z. 4 L. mit 5 L. Rand, Br. 9 Z. 4 L.

Mit den Abdrücken verhält es sich wie mit No. 3.

  1. Ulysses bei Circe, letztere in einer Gallerie von dorischer Architektur in ihrem Reichtume, vor ihr Ulysses und hinter ihm Merkur. Links wird einer seiner Begleiter verwandelt. Im Rande: Saga potens circe .... Vor der ersten Säule: Hannibal Carratius ‚.. in aldibus Farnesianis 16073 rechts in einer Einfassung: Nicolaus Mignard ..... Auenone 1637- Halbkugel, H. 9 Z. 8 L. mit 14 L. Rand, Br. 16 Z. 7 L.

Mit den Abdrücken verhält es sich, wie No. 3.

  1. Der Sohn des Laertes, am Maste des Schiffes, sichert sich auf den Rath der Minerva, welche man hinter ihm sieht, vor dem Gesange der Syrenen, die als Harpyen auf einem Fel- sen stehen. Im Rande: Solve ratem fatale etc., die Künst- lernamen wie oben. In gleicher Form und in gleicher Größe, N.

  2. Perseus, mit Minerva und Mercur, hält die Medusa bei den Haaren, im Begriffe, das Haupt vom Rumpfe zu trennen. Ihre Schwestern schlafen nicht ferne. Vindice Gorgoneum’ Perseus etc. Die Künstlernamen, Format und Größe wie No. 5, die Abdrücke wie No. 3.

  3. Die Brüder Anfinomus und Anapias mit ihren Eltern auf den Schultern auf der Flucht aus der brennenden Stadt, rechts der Aetna im Ausbruche, weiter vorn der Cyclope mit der Heerde. In der Mitte des Randes die Dedication au Grg. de Fortia, links der Name des A. Carracci, rechts jener des N. Mignard. In Form und Größe wie No. 5; die Ab- drücke wie bei No. 3.

  4. Der Triumph des Bacchus, nach Annib. Carracci’s Gemälde in der Gallerie Farnese. Er sitzt auf dem Wagen von zwei Panthern gezogen, nach links hin Silen, in der Luft Ge- nien. A. Carr., in — Mignard scu. — Le Blond Auec priuil. H. 10 Z. 10 L., Br. 20 Z. 7 L.

Im zweiten Drucke steht an der Stelle von Le Blond’s Adresse jene von Drevet.

  1. Die Evangelisten, ganze Figuren mit ihren Attributen. Folge von vier Blättern, mit den Unterschriften und der Adresse: rue S. Jacques auec Priuil. du Roy. Mit einem Monogramme, das man nach R. Weigel, wie die vom Maler selbst im Ge- schmack des G. Audran radirten Blätter, für das des N. Mig- nard halten möchte, qu. fol.

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