Michelozzo, Michelozzi, Bildhauer und Baumeister , der in Urr kunden von 1430 und 1433 unter dem Namen Michelozzo di Bar- tolomeo di Gherardo intagliatore vorkommt, auch Michelozzo del Borgognone wird er, genannt. Sein Geburtsjahr ist nicht genau bekannt, doch ist es zu Anfang des 15. Jahrhunderts zu suchen, da Vasari sagt, der Künstler sei 08 Jahre alt geworden, und habe in seinen letzten Jahren unter Piero von Medici (1464–72) ge- arbeitet. In seiner Jugend übte er sich bei Donato, und schon seine ersten Werke in Erde , Wachs und Marmor, gaben Geist und Talent kund. Nach dem Tode Brunelleschis galt er auch für den geregeltesten Baumeister seiner Zeit, der am besten verstand, Wohnungen, Paläste, Häuser und Klöster mit Einsicht zu bauen. Donatello bediente sich viele Jahre der Hilfe dieses Schülers, weil er grosse Übung hatte, Marmor - und Bronzearbeiten zu vollfüh- ren. Hievon gibt in St. Giovanni zu Florenz das Grabmal Zeug- niss, welches Donatello für Papst Giovanni Coscia ausführte, und wovon Michelozzo den größeren Theil arbeitete. Sein Werk ist die Statue des Glaubens, neben jenen der Hoffnung und Liebe von Donato. Auf dem Prachtaltar von S. Giovanni ist die silberne Statue des Täufers sein Werk. Dann hatte er auch Anteil an den Bronzethüren der Sakristei von St. Maria del Fiore, und für die Capelle St. Stefano daselbst fertigte er ein Erzgitter. Vgl. vop Rumohr’s ital. Forsch. II. 241, 203, 362. Über der Thüre der Sar kristei und Domverwaltung, St. Giovanni gegenüber, war ehedem ein kleiner Johannes in Hochrelief, ein gerühmtes Bild, das jetzt im Corridor der modernen Sculpturen in der Gallerie zu Florenz aufbewahrt wird. Über der Thüre der Domverwaltung befindet sich noch ein Johannesstatue von Terracotta, welche ebenfalls für Michelozzo’s Werk gehalten wird. Diese und die folgenden nähe- ren Angaben sind aus dem Werke Vasari’s, aus dem Ital. mit Be- schreibungen und Nachweisungen von L. Schorn III. 1. Abtheil.
Michelozzo stand in nahem Verhältniss zu Cosimo de’ Medici, und dieser trug ihm auf, das Modell zum Palast Medici zu ma- chen. Dieses Gebäude kam später (1650) in den Besitz des Marchese Ric- cardi, der Vergrösserungen vornahm, und noch heut zu Tage kennt man das Gebäude unter dem Namen Palazzo Riccardi. Der später angefügte Theil unterscheidet sich von dem älteren durch das Wappen der Familie Riccardi, das unter den Bögen der neuen Fenster angebracht ist, während an den übrigen sich das medi- cäische befindet. Cosimo liess zuerst von Brunelleschi ein Modell fertigen, er fand aber dieses zu prächtig. Doch auch Michelozzo’s Plan fand er schön und bequem, und Vasari rühmt diesen Palast als den ersten der Stadt, welcher nach moderner Anordnung ge- baut ist, und wo die Zimmer nützlich und schön verteilt wurden. Das Rustico ist an diesem Gebäude schon mit mehr Zierlichkeit ange- wendet, als am Palast Pitti; die Bänder, welche die Stockwerke theilen, sind leichter gehalten, die Fenster haben durch ein Säul- chen, das sie in zwei Hälften teilt, mehr Anmut und Mannig- faltigkeit, nur das Hauptgesims ist etwas schwerfällig. Vgl. Qua- tremere de Quincy hist. de la vie et des ouvrages des plus cél. arch. I. 72, Milizzi tadelt ferner an dieser Fassade, dass der Haupt- eingang nicht einmal regelmäßig unter den Fenstern steht, Michel-
Michelozzo war dem Cosimo sehr ergeben; und daher begleitete er ihn bei seiner Verbannung nach Venedig, wo er für die Freunde seines Gebieters, und für andere Edelleute, eine Menge Zeichnungen und Modelle zu Privat- und öffentlichen Gebäuden fertigte. Auf Befehl Cosimo’s, baute er die Bibliothek des Klosters von S. Giorgio, und im Jahre 1433 kehrte er endlich mit seinem Fürsten nach Florenz zurück. Das erste, was er hier unternahm, war die Restauration des öffentlichen Palastes der Signoria, dem damals der Ein- sturz drohte. Die Arbeiten an diesem Gebäude waren gefährlich und bedeutend, und der Veränderungen viele, was alles Vasari mit Breite erzählt, zuletzt auch, dass er selbst zur besseren Einrichtung des Ganzen viele Mühe und Studium aufgewendet habe; das Gebäude hat daher nichts mehr von der alten Form, als die Umfassungsmauern. Diese Wiederherstellung brachte dem Künstler Ruhm und die Ehre, im Collegium aufgenommen zu werden. Was dieses zu bedeuten habe, sagt Schorn lic. 266.
Nach Vollendung dieser Arbeit baute Michelozzo von 1437 an auf Befehl der beiden Medici, Cosimo und Lorenzo, das Kloster von S. Marco, ganz neu, geräumig und prächtig. Von den beim Baue vorgefallenen Streitigkeiten erzählt Vasari, und dann sagt er, dass die Capelle, Kuppel und Chor 1439 vollendet wurden; allein Kuppel und Chor wurden 1678 in ganz verschiedener Form erneuert. Im Jahre 1439 war noch die Errichtung des Bibliothek- saales übrig, zuletzt erbaute der Künstler den Schlafsaal; und 1452 war das Ganze zu Ende geführt. In S. Croce zu Florenz baute Michelozzo das Noviziat, die Capelle desselben, und den Eingang, der nach der Kirche, nach der Sakristei, des Noviziat und der Treppe des Schlafzimmers führt. Dieses Alles, selbst das erwähnte Kloster, ist noch größtenteils in ursprünglicher Gestalt erhalten, mit der von Vasari gerühmten Thüre im antiken Ge- schmacke, welche von der Kirche nach jenen Orten führt. Michelozzo baute auch den Palast Caffagiuolo im Mugello, dem er die Gestalt einer Vestung mit Gräben gab, der aber verschiedenartig verändert wurde. Dann beendete er den Bau des Barfüsser-Klosters im Bosco, welches noch steht. Er baute auch den Palast der Villa Careggi, der jetzt der Familie Orsi gehört, dann den 1780 von G. Paoletti restaurierten Palast der Villa Mozzi, zu Fiesole, ein gemächerreiches Gebäude. Oberhalb dieses Schlosses baute er die Kirche, und das Convent des heil. Hieronymus, und sein Werk ist auch die Zeichnung eines Hospitals, welches Cosmus in Jerusalem für die Pilger bauen liess. Dann brachte er auf Befehl Cosimo’s in S. Maria degli Angeli zu Assisi verschiedene Verbesserungen an, und besonders war es die Wasserleitung daselbst, welche ihm Ehre machte. Den Brunnen umgab er mit einer zierlichen reichen Loge, die auf einigen zusammengesetzten Säulen ruht, mit dem Wappen Cosimo’s geziert. Er entwarf auch die Zeichnung zur alten Citadelle von Perugia und nach Florenz zurückgekehrt, baute er das Haus des Giovanni Tornabuoni, jetzt Eigenthum des Marchese Corsi. Ehedem war es dem Palaste Cosimo’s ähnlich, jetzt aber sind die Fenster viereckig und ohne Säulchen in der Mitte, die am Palaste Cosimo’s an der Ecke von der Via Larga noch zu sehen sind. Nach Cosimo’s Tod liess diesem Piero de’ Medici in S. Miniato in Monte durch Michelozzo eine Marmorkapelle bauen, wo zu Vasari’s Zeit noch ein Crucifix war, das sich aber seit 1671 in der Kirche S. Trinita befindet. Ein schönes Werk, nennt Vasari auch das Wappen Piero’s daselbst, einen Ring mit einem Falken darüber. Beim Bau der Capelle der Nunziata bei
Seine Thätigkeit fällt daher in die Zeit zwischen 1464 und 1472. Auftrag dieses Fürsten verzierte er die Paläste in Mailand, darunter das Palazzo Sforza, welcher Francesco Sforza von diesem in Mailand geschenkt wurde. Er vergrößerte die Fenster und schuf ein weißes Marmorportal mit Sculpturen verziertes prächtiges Tor von Michelozzo, das noch vorhanden ist. Die Umrisse von zwei Figuren in Cicognara’s „Storia della scultura“ (Taf. 10). Das von Michelozzo selbst gemalte Bildnis Cosimo’s ist in diesem Palast nicht mehr vorhanden. Auf Kosten Pigello Portinari’s, des herzoglichen Wechslers, baute der Künstler in Mailand eine prachtvolle Kapelle St. Petrus. Martyr gewidmet, nach dem Modelle der Capelle Pazzi von Brunelleschi errichtet; ferner auf Kosten desselben und seines Bruders Azzaretto die Hauptkapelle nebst Chor, Sakristei und Capitel an der Kirche S. Pietro in Gessate. Dieser Bauwerke erwähnt Vasari nicht, L. Schorn aber fügt nach der Siebener Ausgabe von Pagave die Notiz bei:
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_AY_rAAAAMAAJ/