Micheli, Michele San

Micheli, Michele San, Architekt und Bildhauer, wurde 1484 in Verona geboren, und sein Vater Johann und der Onkel Bartolome unterrichteten ihn in den Grundlagen der Kunst. Die beiden letzteren sind indessen in der Geschichte der Architektur wenig bekannt, Michele aber erwarb sich Ruhm. Er ging schon im 16. Jahre nach Rom , um die Bauwerke der alten Kaiserzeit zu zeichnen und zu studieren, und bei allen seinen Reisen schwebte ihm auch die Antike vor. Sein erstes Werk war die Kathedrale von Montefiascone , ein Octogon mit einer Kuppel, und nach Vollendung dieser Kathedrale baute er die berühmte Kirche des heil. Dominicus zu Orvieto . Außerdem finden sich in den beiden erwähnten Städten etliche von ihm erbaute Paläste, und mit besonderer Liebe suchte er Gelegenheit, seine Vaterstadt Verona zu verschönern. Papst Clemens VII. ertheilte ihm und dem San Gallo den Auftrag, alle Festungen des Kirchenstaates zu untersuchen, und nachdem er diesen Auftrag zu voller Zufriedenheit vollführt hatte, bereiste er das venezianische Gebiet. Bei dieser Gelegenheit wurde er in Padua als Spion eingezogen, allein bald bot die Republik Alles auf, um den Künstler in ihre Dienste zu ziehen. Von dieser Zeit an beschäftigte er sich meistens mit der Kriegsbaukunst, und man nennt ihn den Vater derselben, da Vauban und sein System verbesserte. Die Republik liess durch ihn auf Candia, Corfu, Zypern und in Venedig selbst Festungswerke anlegen. Für sein merkwürdigstes Werk dieser Art hält man die Festung Lido am Eingange des Hafens zu Venedig, die er auf einem morastigen Grunde felsenfest aufrichtete. Auch in Verona sind Bastionen von ihm erbaut, und darunter nennen Milizzia und d’Argensville die 1527 erbaute Magdalenenbastion als Wirkung des neuen Systems der Kriegsbaukunst. Als sein Meisterstück in Verona erklärt man aber die Capelle Pellegrini in S. Bernardino. Auch die prächtigen Thore jener Stadt wurden nach seiner Zeichnung erbaut, so wie die Paläste Canossa, Bevilacqua, Pellegrini, Verzi etc. Sein Werk ist zu Verona auch die Capelle Guareschi in S. Bernardino, die Fassade von S. Maria dell’ Organo, die Kirche der Madonna di Campagna. Über dem Eingange des Chores der Hauptkirche zu Verona ist von ihm ein in Erz gegossenes Crucifix. Zu Castel Franco erbaute er den berühmten Palast Soranzo. In Mailand findet sich kein bedeutendes Werk, denn Venedig liess ihn dem Herzoge Francesco Sforza nur drei Monate. Im Jahre 1559 wurde er in der Kirche des heil. Thomas zu Verona begraben. Seinen Tod beschleunigte das Unglück seines Neffen Johann Hieronymus, der zu Famagusta auf Cypern anscheinlich an Vergiftung starb.

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