Meynier, Carl — Historienmaler , wurde 1768 zu Paris geboren, und Vincent zählte ihn zu seinen vorzüglichsten Schülern. Er zog mit seinen Werken in kurzer Zeit die Aufmerksamkeit auf sich, und als er 1789 durch den grossen Preis in den Stand gesetzt wurde, in Rom seine Studien fortzusetzen, war bald sein Ruf gegründet. Im Jahre 1815 wurde er Mitglied des Instituts, erhielt er den Orden der Ehrenlegion, und später wurde er Offi- zier desselben Ordens. Meynier hielt auch ein Atelier für Damen.
Dieser Künstler fertigte eine grosse Anzahl von Gemälden, die theilweise mit dem grössten Beifalle aufgenommen wurden. Dies war der Fall mit dem Abschiede des Telermach von der Eu- charis, ein Bild, welches der Banquier Fulchiron für 4000 Fr. er- kaufte. In dem Werke: Les prix décennaux, ist dieses Gemälde gestochen. Man rühmte die würdevolle Gestalt des Mentor, und Telermach’s jugendliche Anmuth. In den Zügen der Calypso malt sich Eifersucht, und in den Figuren der Nymphen herrscht man- nigfaltiger Ausdruck. Als ein treffliches Bild erwähnte man damals auch die Muse Erato mit Amor, ein von Landon unbeschrankt gelobtes und abgebildetes Werk, Annales I. 164. Auch die Muse Polyhymnia ist bei Landon I. c. XI. 33 gerühmt und abgebildet, und Fiorillo spricht in seiner Geschichte der zeichnenden Kunste in Frankreich von einer guten akademischen Figur, den Androkles mit dem Löwen vorstellend. Einen Hauptvorzug des Künstlers fand man in der richtigen Zeichnung, in seiner gefälligen Weise zu componiren, in einer glücklichen Wahl der Beiwerke und der Landschaft. Als ein meistechaft componirtes Bild erwähnt Fiorillo jenes mit dem von den Thebanern vertrickten Epaminondas, und nebenbei rühmt er auch seine Zeichnungen nach Antiken. Mey- nier wurde schon unter Napoleon auf verschiedene Weise vorge- zogen. Im Jahre 1802 war er Mitglied der Commission zur Unter- suchung der Entwürfe zum Andenken des Friedens von Antienten, und 1806 ertheilte ihm der Kaiser den Auftrag zu einem der grös- seren Gemälde, welche merkwürdige Ereignisse des damaligen deutschen Feldzuges verewigen sollten. Dieses Gemälde erschien
Meynier, Carl
im Salon von 1808, unter dem Titel: Reprise des drapeaux d’Ins-
truck, wobei nämlich das 46. Linienregiment im Arsenal zu Inns- bruck seine Fahnen wieder findet. Dieses Bild ist von trefflicher Anordnung und von lebendiger Auffassung der Charaktere, vom Marschall Ney bis zu den Soldaten. Auch das Colorit wurde ge- rühmt, das theatralisch affektirte Wesen entging aber den besse- ren Kennern nicht. Das Gemälde wurde 1853 im Luxembourg auf- gestellt, und in dem bezeichneten Werke „Prix d’échecs“, ist es abgezeichnet. Im Jahre 1811 war ein allgemeiner Künstler-Concours, der die Aufgabe gegeben war, das siegende Frankreich darzustel- len, wie es mitten im Kriege Wissenschaften und Künste beschützt, auch nach Aufhebung des Königsthums, dessen Sturz durch die zerbrochene Krone und Scepter zu Füßen Frankreichs darge- stellt ist. Auch diesen Entwurf gibt Landon im Umrisse, er jedoch der letzte mit zerbrochener Krone und Scepter. Auf dem Gebiete der Al- legorie stand Meynier auch bei der Ausführung des Plafondgemäl- des im Saale der Antiken. Er stellte da die Erde dar, welche von zwei Kaisern das von der Natur der Weisheit und Gerechtigkeit eingegebene römische Gesetzbuch empfängt. Man erklärte dieses Bild als ein Capitalwerk von schöner Gesamtwirkung. Die Fi- guren dieses Bildes nennt Landon, 1. c. XIII. 100, graziös, den Farbenton lebendig, die Technik meisterhaft, und das Ganze des ausnehmenden Talentes seines Urhebers würdig. Die früheren Schriftsteller streuzen diesem Künstler reichen Weihrauch; so auch der sonst strenge Pausanias français p. 114. Da heißt es, nichts gleiche der Festigkeit seiner Zeichnung, nur sei das Colorit bis- weilen allzuschimmernd. In der Composition aber findet er lauter Grazie, und dennoch Kraft u. s. w. Die Neueren beurtheilen ihn etwas strenger, ohne ihm Talent abzusprechen. Er gehört jeden- falls zu den namhaftesten Meistern der älteren französischen Schule, ohne gerade einem David, Gros, A. de Pujol gleich zu kommen. Er ist schwächer als diese Meister, obgleich er teilweise Gutes geliefert hat; im Ganzen ist er aber maniervoll und theatralisch af- fektirt. Er fand häufig Gelegenheit, sein Talent zu zeigen; und somit ist selbst die Anzahl der vorzüglicheren Werke, welche Gabet verzeichnet, schon sehr bedeutend. Dazu gehören: S. grosse Gemälde, Apollo und die Musen vorstellend, überlebensgroße Fi- guren, im Besitze des M. Boyer Fonfrede zu Toulouse; die Schlacht von Austerlitz, für den Prinzen Berthier gemalt, jetzt zu Grosbois; ein allegorisches Bild der Weisheit, welche den Jüng- ling vor den Pfeilen Amors schützt, eines der schönsten Bilder des Salons von 1810, graziös in den Gestalten und von lachendem Colorit, lebensgroße Figuren, im Besitze des Grafen Sommariva zu Mailand; der Einzug der Franzosen in Berlin; 1810 für die Regierung gemalt; Napoleon auf der Insel Lobau nach der Schlacht bei Essling, ein großes, reiches Bild, und eines der besten des Künstlers, das man lange im Museum und im Luxembourg sah, weil es der Senat malen liess; die Weihe der Kirche St. Denis in Gegenwart Karl des Grossen, in der Sakristei jener Kirche, 1812; Oedip als Knabe von Phorbas der Königin von Corinth vorgestellt, früher im Luxembourg, jetzt im Schloss St. Cloud; die Beerdigung des Phocion, ein großes Bild, mit mehr als lebensgroßen Figuren, in der Gallerie Luxembourg; St. Vincent de Paul, lebens- grosses Bild in St. Johann zu Lyon; Alexander, wie er den Apelles die Campasbe überlässt, im Museum zu Rennes; der Tod der Procris, lebensgrosses Bild im Besitze des Grafen von Schom- berg; acht grosse Basreliefs im grossen Saale des Börsenpalastes,
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